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Ein Gamedesigner spricht über sein neues Festival Tycoon Spiel

Den Festival-Schmerz lindern


 

interview Johannes Jacobi
text&redaktion Florian Anhorn

Kommt der Headliner gut an? Sind die Food Stände richtig platziert? Reichen die Sanitärzonen aus? Stehen alle Bauzäune? Auch wenn aktuell keine Festivals stattfinden, könnten diese Probleme bald schon digitale Realität in eurem Wohnzimmer werden.

 

Wir haben mit Game-Designer Johannes Gäbler gesprochen, denn er bringt dieses Jahr seinen Aufbau-Simulator „Festival Tycoon“ auf der Gaming Plattform „Steam“ heraus. In dem Spiel schlüpft ihr in die Veranstalter:innen Rolle und erschafft euer eigenes Festival: Gelände aufbauen, Bands buchen und alles was dazu gehört! Johannes studiert Medieninformatik und hat sein erstes eigenes Spiel mit zehn (zehn!) Jahren programmiert. Wir fragen uns: Wer ist Johannes? Was ist das für ein Spiel und kann es unsere No-Festival-Melancholie vielleicht ein wenig schmälern?

Hallo Johannes, wie alt bist du eigentlich?
Ich bin jetzt vierundzwanzig.

Hast du einen Background in der Live- oder Festival-Branche, oder woher kam die Idee, ein Game in dem Bereich zu entwickeln?
Ich spiele Schlagzeug seitdem ich sechs Jahre alt bin und ich habe lange in einer Band in Innsbruck gespielt, da war ich immer für die Organisation und das Eventmanagement zuständig. Daher kommt die Begeisterung für’s Thema. Naja und Spiele zu machen, das taugt mir, das mache ich einfach gern!

Programmierst du noch andere Sachen?
Zum Großteil, wenn ich nicht grade was für die Uni machen muss, programmiere ich Spiele.

Kannst du dich noch erinnern, wann das erste Mal der Gedanke kam, so ein Festival Spiel zu machen?
So genau kann ich es nicht sagen, aber es war ungefähr zu der Zeit, als ich mit meiner Band in Innsbruck auf einem kleinen Festival gespielt habe. Da ist mir die Idee gekommen. Erst später habe ich sie dann herausgepickt um sie umzusetzen.

Johannes erzählt außerdem, dass er Konzept, Programmierung und die Organisation des Projekts komplett selbst gestemmt hat, denn am meisten Spaß macht es ihm, wenn er in allen Bereichen der Spielentwicklung am Prozess beteiligt ist. Für das Konzept zum Beispiel hat er den Großteil selbst recherchiert und sich erst später von Veranstalter:innen Input geholt und Tipps geben lassen. Nur für die Grafiken und die Audioinhalte hat er externe Personen engagiert.


Worum geht’s in deinem Spiel?
Prinzipiell darum, erfolgreiche Musikfestivals zu veranstalten. Das Spiel ist aufgeteilt in zwei Teile. Es gibt einen Bauabschnitt und einen Liveabschnitt. Das Bauen ist ein typisches „Tycoon“ Setting. Du baust Gebäude und schaust zum Beispiel, ob es ausreichend Essensstände auf dem Festivalgelände gibt. Du buchst Bands, platzierst Bühnen, erstellst ein Line-up und einen Timetable. Wenn das abgeschlossen ist, kommt der Liveabschnitt. Da findet das Festival dann statt und es kommen Besucher:innen auf das Gelände. In der Phase bist du dann Veranstalter oder Veranstalterin und kümmerst dich um den kompletten Ablauf des Festivals, bis hin zu Leuten die eine Schlägerei anzetteln oder versuchen über den Zaun zu hüpfen.

Kurz zum Verständnis für die Allgemeinheit: Was ist ein „Tycoon“?
Das ist ein Begriff aus der Spielebranche. Ein Tycoon ist ja eigentlich so etwas wie ein erfolgreicher Wirtschafts- oder Geschäftsmann. In der Spielebranche gibt es das Genre „Tycoon“, in dem es darum geht, etwas wirtschaftlich funktionierendes von Grund auf aufzubauen.

Für alle, die früher nie Titel wie „Theme Park“ auf ihrer Playstation 1 gespielt haben und nicht wissen, was ein Tycoon ist oder wie es aussieht, gibt’s hier einen Einblick in Johannes Spiel „Festival Tycoon“

Spielt man es denn für sich alleine, oder gegen andere?
Es ist ein offline Singleplayer. Unter Umständen kann es sein, dass ein „MOD“ Support dazu kommt, sprich, dass man neue Sachen herunterladen kann, aber ich will nicht zu viel versprechen! 

Vielleicht noch mal zurück zum Universum, dass du aufgebaut hast: Ist es geplant, bestimmte Bands abzubilden, oder soll alles fiktiv bleiben?
Das ist tatsächlich eine der größten Fragen, die ich mir stelle. Auf der einen Seite hätte ich gerne echte Bands im Spiel, aber auf der anderen Seite ist das Spiel durch das Gameplay sehr restriktiv und die Musikstücke nur sehr kurz eingebunden. Außerdem brauche ich unglaublich viele Musikstücke und viele verschiedene Genres. Dadurch wäre es ein riesiger Aufwand, was Lizenzierungen angeht. Deshalb habe ich einen Audio Engineer engagiert, der die Musikstücke für mich produziert.

Und was Sponsoren angeht? Gibt's da Ambitionen oder Pläne?
Nein, noch nicht, aber wenn es eine Marke ist, mit der ich okay bin und es nicht zu intensiv eingebunden ist, dann vielleicht. Ich möchte mein Spiel aber nicht branden. Also kurz: Unter Umständen ja, aber es muss zum Spiel passen.

Das Spiel wird vorerst nur auf Windows-PCs spielbar sein. Johannes hofft natürlich, dass es gut angenommen wird, aber abschätzen lässt sich das Ganze schlecht, denn der Markt ist sehr speziell. Eine App-Version steht wohl vorerst nicht im Fokus, aber wenn es gut läuft will Johannes mit einer Mac und einer Linux Version nachziehen, eventuell sogar auf Konsolen stattfinden. Auf die Nachfrage, ob er jetzt aufgrund seiner Expertise zum Eventmanagement überwechselt, erwidert er ein klares „Nein“ – er bleibt beim Game Development.

Fasziniert von diesem saftig grünem Paralleluniversum stellen wir für uns fest: bis die Tage wieder wärmer werden, ist „Festival Tycoon“ auf jeden Fall ein Mittel, den Festival Schmerz zu lindern, weiter denken wir erstmal nicht. Noch findet ihr “Festival Tycoon” nur als Beta-Version auf Steam und es gibt hin und wieder "Playtests", bei denen ihr das Spiel für ein Wochenende testen könnt. Die Termine dafür gibt Johannes bei Discord oder twitter bekannt. Abschließend fragen wir, was als nächstes kommen soll.

Wie soll es in der Zukunft weitergehen? Hast du noch andere Spiele in Planung?
Ja, im Prinzip schon. In meinem Kopf ist der Grundstein für das nächste Projekt schon gelegt. Allerdings ist noch nichts genauer ausgeführt.

Wird es wieder was im Live oder Festival Bereich sein oder etwas ganz anderes?
Das weiß ich noch nicht genau, es sind mehrere Ideen, aber eine davon ist durchaus im Musikbereich.

Vielen Dank für das Interview! Wir freuen uns auf dein Festival Tycoon!
Gerne!


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Florian Anhorn

Hallo ich bin Florian und Höme hat mein Herz gestohlen. Auf dem Immergut ist es passiert: Ich wurde über Nacht aus meinem Festivalwohnzimmer weggecastet. Tja guck – jetzt bin ich hier. Höme hat mir gezeigt wie viel mir die Festivalkultur bedeutet – nämlich echt viel. Irgendwie hab ich begriffen, dass Festivals noch mehr können als Musik und betrunken sein, das war eine der besten Einsichten der letzten Jahre. Danke dafür! Bei Höme mach ich meistens Fotos, schraube an merkwürdigen anderen Ecken rum oder Illustriere. Wenn ich grade nicht Hömie bin, dann bin ich Fotograf, Gestalter oder schraube auch anderswo an merkwürdigen Ecken rum.