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Neues aus der Waschmaschine für Popkultur

Popwashing


Auf Greenwashing folgt Sportswashing, warum nun auch Popwashing zum Thema wird, erklärt sich bei näherer Betrachtung der Nachrichtenlage von selbst.

text Manfred Tari
redaktion Isabel Roudsarabi
fotos, grafiken Conrad Wegener

lesezeit 10 Minuten

Der Etikettenschwindel des Greenwashing ist ein alter Hut und bedarf keiner weiteren Erläuterungen. Der Begriff "Sportswashing" hat es immerhin schon zu einem Wikipedia-Eintrag gebracht, kommt aber immer noch mit einem gewissen Neuigkeitswert daher. Jüngste Beispiele für dieses Phänomen: Die Proteste von Fans des FC Bayern Ende November auf der Mitgliederversammlung München des Vereins gegen dessen Geschäftsbeziehungen mit dem Sponsoringpartner Qatar Airways. Ähnlich gelagert fallen die Proteste von NGOs anlässlich der Übernahme des Fußballvereins Newcastle United durch den Staatsfond Public Fund Saudi Arabia aus.

Allen Protesten zu eigen ist die lange Liste der Verfehlungen und des Machtmissbrauchs autokratischer Regime und deren staatlicher Organe im Hinblick auf die Missachtung elementarer Menschenrechte, der Meinungsfreiheit, der Unterdrückung, bis hin zu Folter und Mord.

Ähnlich wie im Sportbetrieb greift die Symbiose von Imagetransfer und Geschäftemacherei nun auch im Musikgeschäft immer weiter um sich.

Dabei ist das Ziel dieser zweifelhaften Kombinationen wie so oft die Vermögensbildung. Hinzu kommt, dass die Musikbranche derzeit eine Kapitalisierungsoffensive absolviert, die ihresgleichen sucht.

Womit der Begriff "Popwashing" folgerichtig weiter zu fassen wäre, als vordergründig lediglich die Gastauftritte von einschlägigen Popgrößen wie Justin Timberlake, Shakira, Coldplay oder Metallica in Ländern zu problematisieren, in denen selbst vermeintlich geringfügige Vergehen immer noch mit Steinigungen und Prügelstrafe geahndet werden. Westliche Popkultur funktioniert somit wie internationaler Spitzensport für totalitäre Staaten als ein willkommener Weichspüler zum Zweck der Simulation mutmaßlicher Weltoffenheit.

Weitestgehend unbemerkt von europäischen Kulturinstitutionen und einschlägigen Medien, findet hingegen zeitgleich ein umfassender Transformationsprozess in der Musikbranche statt. So werden mitten in der Corona-Pandemie Milliardenbeträge mobilisiert und investiert. Im Bereich des An- und Verkaufs von Musikrechten ein seit Jahren gängiger Prozess, bei dem nicht mehr nur die großen Private Equity-Firmen wie Blackstone und KKR die notwendigen Mittel bereitstellen, welche die Marktkonzentration in diesem Geschäftszweig nun mehr auf ein gänzliches neues Level hebt.

Milliarden vs. Menschenrechte

Gemeinhin sind Firmennamen wie Blackstone oder KKR für die meisten Musikfans, mehrheitlich wahrscheinlich aber auch für Musikjournalisten:innen, eher unbekannte Größen. Gleiches dürfte für den Public Fund Saudi Arabia oder für Tencent Music Entertainment gelten.

Unstrittig aber dürfte sein, dass sich noch nie ein Feuilletonredakteur oder eine Redakteurin eines gängigen Kulturmagazins mit den Geschäftsbeziehungen von Helene Fischer beschäftigt hat.

Dabei eignet sich ausgerechnet Helene Fischer als ein profundes Beispiel, um das Phänomen Popwashing nachvollziehbar zu illustrieren.

Erst im August 2020 erwarb der Public Fund Saudi Arabia für 500 Millionen US-Dollar ein Aktienpaket des Konzertkonzerns Live Nation. Danach hält der Staatsfond dieses Landes nun etwas mehr als fünf Prozent an dem Unternehmen. Im November letzten Jahres wechselte Helene Fischer von ihrer langjährigen Konzertagentur Semmel Concerts, einem Tochterunternehmen von CTS Eventim, zu Live Nation. Unlängst Ende September wiederum legte Universal Music, die Plattenfirma von Frau Fischer, an der Amsterdamer Börse den größten europäischen Börsengang des letzten Jahres aufs Parkett. Der derzeitige Marktwert des Weltmarktführers in der Musikindustrie beläuft sich an der Börse auf fast 42 Milliarden Euro. Größter Anteilseigner mit 20 Prozent ist ein Konsortium unter Führung von Tencent Music, dem größten Streaming-Anbieter in China. Tencent Music mit offiziellem Firmensitz im Steuerparadies auf den Kaimaninseln wiederum ist an der New Yorker Börse (NYSE) gelistet. Auf dem Papier ist Tencent Music demnach eigentlich gar kein chinesisches Unternehmen.  Die Firmenzentrale jedoch befindet sich in Shenzhen, auch verweist das Unternehmen ausführlich in seinem Börsenprospekt, dass es an die Regularien chinesischer Aufsichtsbehörden gebunden ist. 

Zur Ehrenrettung von Helene Fischer sei angemerkt, dass die Künstlerin unverdächtig ist jemals ein Konzert anlässlich eines Staatsempfangs auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking oder im Rahmenprogramm eines Formel 1 Rennens irgendwo in der arabischen Welt zu spielen. 

Da kommen andere Kaliber zum Zuge, deren internationale Strahlkraft irgendwie bedeutender scheint. So berichtet Spiegel Online über das gerade im Dezember stattgefundene Festival „MDLBeast-Soundstorm“ in Riad. Anlässlich der viertägigen Veranstaltung mit über 700.000 verkauften Tickets und rund 200 DJs, bespaßten bekannte Namen des Elektro-Jetsets wie David Guetta, Nina Kravitz, Jeff Mills, aber auch deutsche Vertreter wie Matthias Tanzmann, Paul Kalkbrenner und Sven Väth die nahöstliche Veranstaltung.  Für die NGO Human Rights Watch (HRW) hingegen bot das Festival einen willkommenen Anlass darauf hinzuweisen, dass die teilnehmenden Kulturschaffenden sich bei der Gelegenheit doch auch zu der Situation der Menschenrechte im Wüstenstaat äußern sollten oder andernfalls besser zu Hause geblieben wären.

Spiegel Online hingegen zitiert David Guetta, der sich zu der Aufforderung von HRW wie folgt äußerte, es sei ihm: „nicht möglich, nur in Ländern aufzutreten, wo ich zu hundert Prozent mit den Herrschenden übereinstimme.“

Vorsichtig kalkuliert dürfte das Festival, so denn die kolportierten Besucherzahlen stimmen, mehr als 30 Millionen Euro eingespielt haben. So gesehen also „Peanuts“, wie der Bankier Hilmar Kopper von der Deutschen Bank einst Beträge in dieser Größenordnung zu nennen pflegte. Denn eigentlich ist es der Glamour des ganz großen Geldes, der in der Musikbranche gerade Hochkonjunktur hat. Es wird investiert, was das Zeug hält.

Diagnose Kaufrausch

Mit einer Milliarde US-Dollar finanziert derzeit die Beteiligungsgesellschaft KKR im Rahmen einer eigens geschmiedeten Allianz die Kauflust des Musikmultis BMG - die wiederum jüngst beim Taubertal Festival einstiegen. Der erste Deal des Joint Ventures galt den Musikrechten von ZZ Top für geschätzte 50 Millionen US-Dollar. Unabhängig davon erwarb KKR erst Mitte Oktober gemeinsam mit einer Partnergesellschaft für 1,1 Milliarden US-Dollar den mehr als 60.000 umfassenden Katalog an Musikrechten, des laut Eigenangaben „Indie“-Musikverlags Kobalt Music Group.  

Im Oktober indes verkündete Blackstone, die unangefochtene Nummer 1 unter den Private Equity Firmen, ein Joint Venture, verbunden mit einer Finanzspritze in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar, mit dem englischen Musikverlag Hipgnosis Song Management. Wer nun fragt „Hip-Was“, dürfte immerhin schon mal Hits und Evergreens von Interpreten wie Elton John, Guns N’ Roses, Morrissey, Iron Maiden oder Beyoncé aus dem reichhaltigen Song-Katalog des Unternehmens zu hören bekommen haben. Randnotiz: Der Wert des Gesamtbestands des Verlages wird auf 2,2 Milliarden US-Dollar veranschlagt. 

Zuvor sicherte Blackstone sich im April für 385 Millionen US-Dollar die Firma Entertainment One Music vom Spielwarenhersteller Hasbro. Im Kaufpreis mitenthalten der Musikverlag eOne Music, welcher, wie auch immer, die Rechte des Labels Deathrow Records aus den neunziger Jahren mitsamt der Frühwerke von Interpreten wie Dr. Dre, Snoop Dog oder 2Pac beinhaltet. Obendrein gab es noch die Rechte an den Songs des Wu-Tang Clan, The Lumineers, MSTRKRFT und Chuck Berry. 

David Bowie – Zwischen Sonderbriefmarke und Portokasse

Zu Ehren des Geburtstags von David Bowie am 8. Januar brachte die Deutsche Post für dessen Fans eine Sonderbriefmarke im Wert von 85 Cent auf den Markt.  Frisch zum Jahreswechsel hingegen gab die Warner Music Group (WMG) den ersten Deal des Jahres bekannt, wonach das Unternehmen für 250 Millionen US-Dollar die Musikrechte von David Bowie erworben hat.

Auf Engste verknüpft mit WMG, der Investor Leonard Blavatnik. Eine ziemliche illustrere Persönlichkeit, der den Grundstein seines Vermögens nach dem Fall der Sowjetunion legte, in dem er mittels seines Unternehmens Access Industries diversifiziert in Geschäftsbereiche wie Öl, Kohle, Aluminium, Petrochemie und Kunststoffe investierte. Blavatnik, Vize-Präsident und dank Access Industries zudem der unangefochtene Mehrheitsaktionär der WMG. Seit 2021 führt Blavatnik die Liste der britischen Milliardär:innen an. Laut eines aktuellen Rankings des Bloomberg Billionaires Index rangiert er im internationalen Vergleich mit einem Vermögen von 41 Milliarden US-Dollar auf Platz 31 der reichsten Menschen der Welt.

Einer seiner langjährigen Geschäftspartner ist der russische Oligarch Viktor Vekselberg, der Medienberichten zufolge, beste Beziehungen zum russischen Präsidenten Putin unterhält. Auch spendierte der Milliardär im US-Wahlkampf 2016 deutlich mehr für die republikanischen Trump-Partei als für die US-Demokraten. Laut der Financial Times mindestens 6 Millionen US-Dollar sowie eine weiteren Million für Trumps Amtseinführungs-Komitee. Anlässlich der US-Wahl in 2020, zeigte sich Blavatnik gegenüber der Partei der US-Demokraten, unter anderem mit einer Spende für Joe Biden in Höhe von 55,600 US-Dollar deutlich weniger spendabel.

Frei nach Tina Turner: Simply the Rest

Selbst altgediente Interpreten wie Bob Dylan, Tina Turner oder Bruce Springsteen kamen unlängst noch einmal auf ihre Kosten. Dylan verkaufte seine Songrechte für 300 Millionen US-Dollar an Universal Music, Tina Turner erhielt für ihre Rechte 50 Millionen US-Dollar von BMG, während Bruce Springsteen seine Rechte Sony Music für den Betrag von 500 Millionen US-Dollar überließ. 

Das im Konzertgeschäft ebenfalls Kasse gemacht wird, fällt dann schon gar nicht mehr weiter auf, rundet das Gesamtbild aber ganzheitlich ab. Den größten Deal im Geschäftsjahr 2021 in dieser Geschäftssparte leistete sich Live Nation mit dem Erwerb von 51 Prozent für 444 Millionen US-Dollar an dem Konzertveranstalter Ocesa, dem größten Veranstalter in Mexiko.

Bereits in den Jahren zuvor hat sich die Firma Superstruct dank des Investors Providence Equity, Festivals wie das Sziget, Sonar oder Wacken einverleibt.

Die absoluten Powerplayer unter den Konzert- und Künstleragenturen, wie die Endeavor Group Holdings, formerly known as „William Morris Endeavor Entertainment“, Creative Artists Agency (CAA), United Talent Agency (UTA) oder ICM Partners, haben in den vergangenen Jahren konsequent mittels potenter Geldgeber ihren Aktionsradius durch Zukäufe und Übernahmen erweitert, so dass auch hier die Marktkonzentration auf ein neues Niveau gesteigert werden konnte.

Von Steueroasen und Steuererklärungen, die auf einen Bierdeckel passen

Steuern und Konzerne sind bekanntermaßen ein sehr komplexes Thema. Wenn es dann auch noch zu zweifelhaften Steueroptimierungen kommt, steigert sich die Komplexität ins scheinbar Grenzenlose. Das Forbes Magazin weiß zu berichten, dass die einstigen Mitbegründer von KKR, Henry Kravis und George Roberts, die bereits in den achtziger Jahren mit den Spitznamen „Barbaren“ bedacht wurden, sich anlässlich ihrer Interpretation des Steuerrechts sogar bereits vor dem US-Kongress erklären mussten. 

Auch wenn Friedrich Merz, der neue Parteivorsitzende der CDU, mit seiner Forderung der Vereinfachung von Steuerklärungen auf Bierdeckeln, einen passablen Lösungsvorschlag gemacht hat, so ist doch auffällig, dass die sogenannten Private Equity Firmen und der Fiskus mitunter Klärungsbedarf haben. So kam es beispielsweise anlässlich der Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Cum-Ex-Skandal zu Hausdurchsuchungen in den Münchener Büros des Investmentriesen BlackRock, dessen Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Filiale von 2016 bis 2020 kein geringer als jener Friedrich Merz war. 

Eine der zahlreichen Nebenrollen in Zusammenhang mit dem laufenden Cum-Ex-Ermittlungen nimmt gemäß Medienberichten im Handelsblatt sowie des Nachrichtenmagazins Focus der deutsche Unternehmer Klaus-Peter Schulenberg ein.

Der Vorstandsvorsitzende des Konzert- und Ticketing-Konzerns CTS Eventim ist nachweislich der erste Selfmade-Milliardär des Konzertgeschäfts, konnte aber laut Focus nicht der Versuchung widerstehen, sich über eine Luxemburger Stiftung mit 30 Millionen Euro an einen Cum-Ex-Deal zu beteiligen. Das Geschäftsmodell dieser Deals ist ein wahres Musterbeispiel der Komplexität, in dem am Stichtag der Dividenden-Zahlung einer Aktie, jenes Wertpapier mehrfach den Besitzer wechselt, jede:r der jeweiligen Kurzeit-Aktionär:innen sich vom Fiskus daraufhin oftmals noch nicht einmal gezahlte Kapitalertragssteuer rückerstatten ließ. Der geschätzte Schaden für Steuerzahler:innen beläuft sich nach Angaben der Investigativ-Journalisten von Correctiv.org auf rund 150 Milliarden Euro. 

Steuerlicher Gestaltungsspielraum dank Standortvorteil

Wissenswert dürfte zudem noch sein, dass sowohl Blackstone, KKR, die Warner Music Group als auch Live Nation ihren Firmensitz allesamt in der US-Steueroase Delaware innehaben. 

Was es damit auf sich hat, erklärt sich in der Praxis wie folgt: Im Geschäftsjahr 2019 erzielte Live Nation einen Umsatzrekord in Höhe von 11,5 Milliarden US-Dollar. Gewohnheitsgemäß fuhr das Unternehmen allerdings wie in den Vorjahren einen Verlust ein, welcher sich in dem Jahr allerdings lediglich auf 4,9 Millionen US-Dollar belief. An Einkommenssteuer berappte das Unternehmen auf Bundesebene 5,3 Millionen US-Dollar, am Firmensitz in Delaware immerhin 6,1 Millionen US-Dollar. Im Zusammenhang mit den steuerlichen Belastungen der ausländischen Niederlassungen des Konzerns schlugen noch einmal 55,5 Millionen US-Dollar zu Buche. Gemessen am Gesamtumsatz zahlte Live Nation demnach auf Bundesebene 0,04 Prozent, in Delaware 0,05 Prozent sowie im Ausland immerhin 0,48 Prozent an Einkommensteuern.

In dem besagten Geschäftsbericht findet sich zudem ein Hinweis hinsichtlich nicht unerheblicher Cash-Reserven, die entgegen des geltend gemachten Verlustes eher ein Indiz für die Prosperität des Unternehmens sind. Wie das Unternehmen informiert, fungiert das üppige Netz an auswärtigen Filialen demnach zugleich als Cash-Bunker. Zum Stichtag des 31. Dezember 2019 belief sich das dort gehortete Vermögen auf 933,7 Millionen US-Dollar.

Von Diktatoren und Investoren

Die Gemengelage ist halbwegs eindeutig. Für den Kapitalmarkt erwies sich 2021 als ein Spitzenjahrgang, die Aktienindizes an den wichtigsten Börsen notierten ungeahnte Höchststände, auch konnten sich Milliardär:innen weltweit über Wertzuwächse freuen. Und irgendwo muss das Geld ja auch hin. Kurzum, die Musikbranche hat sich auf einen Prozess eingelassen, bei dem künftig ein sehr erlauchter Kreis kapitalkräftiger Akteur:innen das große Geschäft kontrollieren wird. 

Das Daniel Ek, der Firmengründer von Spotify, sich jetzt auch mit über 100 Millionen Euro als Investor des Software-Schmiede Helsing in Berlin beteiligt, wäre nicht weiter bemerkenswert, wenn es sich dabei nicht um ein Rüstungsunternehmen handeln würde. Während sich das selbst gewählte Firmencredo “Artificial Intelligence to serve our democracies” noch harmlos liest, ist der eigentliche Unternehmenszweck doch mehr kämpferisch als pazifistisch ausgerichtet. Mittels Software und künstlicher Intelligenz bereitet die Firma Daten, basierend auf Kamera-, Wärmebild- und Radardaten sowie sonstigen Sensoren, auf, um so ein möglichst genaues Lagebild von militärischen Schlachtfeldern zu generieren. 

Egal, der große gemeinsame Nenner von Ek, Blackstone, dem Public Fund Saudi Arabia bis hin zu sonstigen Investoren lautet „Geld“, nicht mehr und nicht minder. 

Es ist eine neue Ära, die gerade Bahn bricht, ökonomisch, kulturell, vielleicht sogar gesellschaftlich und somit auch politisch. 

Bei den meisten großen Popstars jedenfalls verdienen, egal ob Erlöse aus Streaming oder Tickets, jene Investor:innen und deren unternehmerische Statthalter künftig mit. Ob das gut oder böse wird oder auch ist sei dahingestellt. Fest steht lediglich, dass der Tatbestand des "Popwashing" im Musikgeschäft genauso gegeben ist, wie das Greenwashing in nahezu allen anderen Wirtschaftsbereichen. 

Aber vielleicht glaubt Daniel Ek wirklich daran, dass Helsing die Demokratie auf dem Schlachtfeld rettet, während er tapfer dafür Sorge trägt, dass jede:r Straßenmusiker:in an einem Tag mehr Geld verdient, als die demokratische Mehrheit der Pop-Interpreten:innen, deren Kleinstverlage und -Labels von Spotify in einem ganzen Jahr bekommen. Merke: Popkultur floriert dank der Meinungsfreiheit in demokratischen Gesellschaften. Popwashing hingegen findet aber auch bereits dann statt, wenn Organisation wie Amnesty International oder Ärzte ohne Grenzen mehr Steuern zahlen, als große Konzerne, Kapitalgesellschaften, aber auch Popstars, deren Namen neben denen von Oligarchen, Potentat:innen und sonstigen Milliardär:innen in den Panama Papers, Pandora Papers oder CumEx-Files zu finden sind.

Manfred Tari schreibt Artikel für Fachzeitschriften wie Musikwoche.de, Vip-News oder IQ-Magazine, moderiert Panels auf einschlägigen Musikkonferenzen, darunter Eurosonic Noorderslag, ILMC (International Live Music Conference) oder der MaMa in Paris. Hauptberuflich in der Musikbranche seit 1987, erst als Booker für den Konzertklub FZW in Dortmund, später von 1989 bis 1998 als Gründungsmitglied der Musikmesse Popkomm. In der Folge darauf verdingte er sich als freier Journalist für Magazine wie Pollstar.com, Musikmarkt.de, Music & Copyright oder dem Intro-Festivalguide. Hinzu kamen Zwischenstationen beim TV-Sender Vivaplus sowie Mitarbeit in der Konferenzredaktion der Popkomm in Berlin. Seit 2009 arbeitet er in gleicher Funktion für die Konferenzredaktion des Reeperbahn Festival, seine Hobbys sind börsennotierte Konzertkonzerne, Pop & Politik, Delinale.de sowie neuerdings das Parliament of Pop und eine Neuauflage der Popkomm...