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Höme Unfiltered:

Kid Simius im Interview


José Antonio García Soler bewegt sich als Kid Simius aktuell in beängstigender Geschwindigkeit in Richtung der ganz großen Bühnen dieser Welt. Auf dem Weg dahin und kurz vor Veröffentlichung seines neuen Albums Planet of the Simius haben wir ihn auf dem Melt Festival einen Tag lang begleitet und uns für ein ausführliches Interview zusammengesetzt.

konzept & interview Johannes Jacobi
redaktion Henrike Schröder & Sascha Krautz
fotos Sascha Krautz
video Karsten Boysen



Wir sind beim Melt und du spielst zum dritten Mal hier. 2013 war das erste Mal. Kanntest du damals das Melt schon?
José: Ja, natürlich! Ich habe zu der Zeit noch in der Wrangelstraße gearbeitet und habe die Plakate in den Straßen gesehen. Ich dachte mir noch: „Fuck, da muss ich auch spielen.“ Ich habe es nicht erwartet, war aber sehr glücklich als die Anfrage kam.

Wie war das erste Mal dort für dich?
J: Das war ganz cool, weil es die Melt Pre-Party war und dementsprechend nur eine Bühne geöffnet war. Für mich als Newcomer war das natürlich super, weil ich vor einer riesigen Menge von Menschen spielen konnte. Ich habe da auch die Crystal Fighters getroffen, die haben direkt nach mir gespielt. Ein paar Jahre später war ich dann zusammen mit ihnen auf Tour in Spanien. Wie gesagt, das war ganz geil. Ich war aber auch sehr sehr aufgeregt.

Du bist jetzt inzwischen das dritte Mal hier. Wie unterscheidet sich deine Show hier von z.B. einer kleineren Clubshow?
J: Das Melt ist ein wichtiges Festival wenn du elektronische Untergrundmusik machst. Jeder coole Künstler spielt hier. Ich würde sagen, dass ich ein bisschen nervöser bin als bei einer durchschnittlichen Show, aber selbst wenn dort nur drei Leute sind, die uns sehen wollen, dann wollen wir die natürlich trotzdem glücklich machen. Ich muss auch sagen, dass ich hier im Backstage schon eine Menge Leute kenne. Alte Freunde und Leute mit denen ich schon auf anderen Festivals gespielt habe, z.B. whomadewho. Natürlich gilt das auch für die Mitarbeiter vom Melt. Es fühlt sich einfach sehr familiär an.



2013 und 2014 war es noch eher: „Oh guck mal wer da ist und ach, dass ist doch der!“ Ich war mehr Fan als Künstler. Ich bin jedoch auch immer noch der Meinung, dass es wichtig ist Fan zu sein, egal wie oft man spielt. Man muss sich immer noch von der Musik überraschen lassen können und sie einfach genießen.

Manchmal benimmt man sich zu professionell und sieht es wie einen Bürojob.

Hast du manchmal Angst diese Einstellung zu verlieren? Also dass du einfach ein bisschen abstumpfen könntest?
J: Ja, natürlich. Manchmal benimmt man sich zu professionell und sieht es wie einen Bürojob. Das ist aber natürlich kein Gefühl was ich haben möchte. Mir ist es wichtig jede Show, die ich spiele zu genießen. Die Menschen freuen sich immer noch mich zu sehen und das macht mich natürlich glücklich. Auf der Bühne vor vielen Leuten zu stehen bringt ja auch eine große Verantwortung mit sich.

J: Manchmal wenn ich im Studio bin, denke ich drüber nach, ob ich das jetzt nur so mache, um den Leuten zu gefallen. Aber wenn man sich dieser Denkweise hingibt, dann hat man verloren.

Am Ende will ich das Gefühl beibehalten was ich hatte, als ich mit 16 angefangen habe Musik zu machen. Immer neugierig sein, neue Sachen probieren und keine Angst vor Fehlern haben. Angst ist beim Musik machen sehr schlecht.

Warst du schonmal an diesem Punkt?
J: Nicht wirklich. Ich denke aber manchmal drüber nach wenn ich den ganzen Tag im Studio war und dabei nur Müll raus kam. Dann denke ich:

J: Scheiße, das nächste Jahr wird Mist, ich werde meine Miete nicht zahlen können und meine Familie auch nicht ernähren können. Der Druck und die Verantwortung steigen, aber davon muss man sich frei machen, einfach die ganze Zeit Spaß dabei haben.


Erzähl uns von deiner besten Festivalshow!
J: Das ist eine sehr schwierige Frage. Wir hatten von zwei Wochen drei bis vier richtig gute Shows. Die erste war auf dem Maifeld Derby in Mannheim. Ich liebe dieses Festival, ich liebe die Menschen dort, die Mitarbeiter, das Line-Up. Es war das dritte Mal, dass ich dort spielen durfte. Man konnte es den Menschen richtig ansehen, dass sie sich für die Musik interessieren und das findet man nicht oft.

Ich war außerdem noch auf der Fusion. Das war riesig und es kamen eine Menge Leute um uns zu sehen. Nach der Show meinten wir nur:

Scheiße, das war nicht normal!

Miguel: Die Show in Polen war auch super. Wir haben in Katowice gespielt. Tauron Nowa Muzyka Die Show hatte eine Menge Energie. Außerdem haben wir nicht so spät gespielt, vielleicht von 21:00 bis 22:00 Uhr. Da merkt man schon einen Unterschied. Wenn man erst um 3:00 Uhr morgens spielt, merkt man, dass die Leute langsam müde werden, auch wenn sie Spaß an der Show haben.

J: Und natürlich das Feel Festival. Wir konnten auf der Manege Bühne 12 Stunden lang das Line-Up bestimmen, also haben wir eine Kid Simius & Freunde Show draus gemacht. Miguel hat mit seiner Band Kilnamana gespielt und wir haben Sophia Cortez und andere Freunde eingeladen. Es war sehr familiär. Deswegen hatten wir nicht erwartet, dass so viele Leute kommen um sich das anzugucken. Am Ende waren wir echt Stolz, weil wir etwas besonderes geschafft haben.

Was wäre das absolute Worst-Case-Szenario bei einer Show?
M: Schlechtes Catering und scheiß Wetter! Selbst wenn die Show super läuft, wäre es trotzdem ein kleiner Dämpfer.

J: Für uns ist die Technik natürlich auch ziemlich wichtig. Wir müssen uns auf der Bühne wohlfühlen und das Gefühl haben, dass der Stage Manager auch wirklich daran interessiert ist uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Aber natürlich verstehen wir auch, wenn die Leute drei Tage lang, 20 Stunden am Tag gearbeitet haben und nur noch nachhause wollen. Solange die Technik in Ordnung ist, sind wir zufrieden.

M: Wichtig ist auch vorher einen Soundcheck zu haben und dass das Monitoring stimmt.

Habt ihr ein Beispiel für eine Show die besonders schlecht lief?
J: Wirklich schlecht? Nein. Letztes Jahr haben wir auf dem SonneMondSterne-Festival gespielt und es hat tierisch geregnet. Ich bin nach vorne zum Publikum gegangen um ein Gitarrensolo zu spielen. Nach 10 Sekunden war ich komplett nass. Wirklich komplett! Die Leute standen da, tanzten und gaben ihr bestes eine gute Zeit zu haben, aber der Regen war echt doll.


M: Wir haben mal eine Show gespielt und danach keine Zugabe gegeben. Die Leute haben dann nicht so nette Sachen in unsere Richtung gerufen.

J: Die haben aber auch nicht verstanden, dass die nächste Band schon gewartet hat um aufzubauen und wir eben nur diese 60 oder 90 Minuten hatten und so schnell es ging wieder von der Bühne runter mussten, damit die nächste Band aufbauen konnte.

Sonstiges?
J: Manchmal stehen die Subwoofer auf der Bühne, die dann anfängt zu vibrieren. Mein Computer springt dann rum und manchmal reißt es dabei auch die Kabel raus. Das ist uns vor ein paar Jahren mal passiert, seitdem tapen wir sie komplett fest.

M: Er klebt echt alles mit Tape fest!

J: Aber seitdem ist auch nichts mehr passiert.

M: Wir verbrauchen dementsprechend aber eine Menge Tape. falls ein Tape-Hersteller das hier sieht, bitte sponsert uns!

Als ich schließlich nach rechts gucke, war da ein Typ, der mein Keyboard spielt.

Gibt es eine Story die ihr niemals vergessen werdet?
M: Ich muss immer an die mit Benni, unserem Tourmanager denken, als Jose sich stundenlang mit dem Veranstalter vom Maifeld Derby in Mannheim unterhalten hat.

J: Ja, er kam ständig zu mir und wollte wissen ob wir endlich gehen können:„Jose, wir müssen jetzt los!“ Ich hab mich einfach echt gut mit Timo, dem Veranstalter vom Festival, unterhalten und war generell gut drauf, weil die Show super lief. Und jedes mal wenn Benni ankam habe ich ihn wieder gefragt: „Hey Benni, wie geht es dir?“, und andere dumme Sprüche in die Richtung. Das hat ihn so angepisst. Vielleicht gibt es noch ein paar verrückte Geschichten von unserem Publikum?

M: Ja, na klar, die Geschichte aus Sevilla. Wir haben gespielt und plötzlich waren da Sounds die nicht in den Song gehörten.

J: Ich hab dann mein Equipment kontrolliert und es war alles aus. Dann hab ich rüber zu Miguel geguckt und ihn gefragt, was zur Hölle er da macht, er hat aber auch nichts gemacht. Und als ich schließlich nach rechts gucke, war da ein Typ, der mein Keyboard spielt. Der hatte die Zeit seines Lebens!

Was war das dümmste, was jemals ein Promoter zu euch gesagt hat?
J: Der eine Typ in Sevilla war verrückt! Wir kamen in den Club und Benni war schon angefressen, weil der Techniker kein Englisch gesprochen hat. Aber da ich aus Spanien bin habe ich angeboten das Reden zu übernehmen. Also habe ich ihn nach dem Dj-Pult, das ich bestellt hatte, gefragt und er nur: „Ne, sowas haben wir nicht.“ „Wir sind doch aber hier gebucht und unseren Tour-Rider habt ihr auch bekommen. Ihr müsst das haben!“ Außerdem mussten wir in einer halben Stunde spielen. Ich wurde auf einmal richtig nervös.

J: Ich bin dann in den Backstage gegangen und haben da einen anderen Typen gefragt ob er einen Tisch hat und gemeint noch, dass wir Kid Simius sind und gleich auftreten. Er meinte: „Oh ja, Kid Simius, klar, ich habe da drüben noch einen Tisch, komm einfach mit.“ Ich bin ihm hinterher gelaufen und er hatte nur einen Massagetisch. So einen der am Ende ein Loch hat in das du dein Gesicht stecken kannst. Ich hab ihn gefragt ob es sein Ernst sei. Er war dann ein bisschen enttäuscht. Wir haben schließlich versucht unser Equipment darauf aufzubauen… naja, wir haben das Beste aus der Situation gemacht.

Wir mussten den Tag zwei Shows spielen und manche Leute haben beide gesehen und gesagt, dass die zweite echt schrottigen Sound hatte. Die hatten außerdem keinen Mixer für den Typen im FOH, also musste ich alles über meinen Mixer steuern und das direkt auf die großen Boxen schicken. Ich hatte das Gefühl, dass es zu leise war und hab die Lautstärke hochgedreht. Das hat es total versaut. Ich konnte das aber nicht hören, weil die Monitore total für den Arsch waren. Inzwischen müssen wir lachen wenn wir daran zurück denken.

M: Benni ist immer noch angepisst.




Du sagst, dass du vor jeder Show nervös bist. Ist das etwas was dich stört?
J: Ne, ne. Dadurch bleibe ich konzentriert und fokussiert auf die Show. Manchmal sage ich, dass wenn ich irgendwann nicht mehr nervös vor einem Auftritt bin, ich einfach aufhöre. Es kommt aber oft darauf an, ob die Aufregung positiv oder negativ ist. Manchmal habe ich einfach nur Angst. Werden die Leute meine Musik mögen? Werde ich überhaupt ordentlich spielen? Haben die Leute Spaß? Manchmal freue ich mich aber auch einfach nur darauf zu spielen.

M: Er wird echt sehr nervös. Schon wenn ich sehe, dass er nervös wird, entspanne ich mich total. Er lässt das dann echt an sich ran, während ich einfach lache.

Habt ihr vor jeder Show die selben Gedanken?
M: Manchmal denkt man an Sachen die absolut nichts mit der Show zu tun haben. Alltägliche Dinge aus deinem Leben eben. Das passiert mir schon ab und zu. Ich bin dann während der Show kurz abwesend.

Mit Absicht?
M: Manchmal ja. Dinge wie: „Hab ich eigentlich die Waschmaschine ausgestellt?“

J: Ich frage mich generell manchmal, was ich hier überhaupt mache.

Wir werden von Leuten unterbrochen die ein Foto machen wollen.

M: Das passiert ständig. Leute fragen nach Fotos oder halten ihn auf der Straße an. Das geht mir so auf die Nerven. Die sollten anfangen uns zu bezahlen oder zumindest mich auch mit aufs Bild lassen.

M: Wobei ich es eigentlich überhaupt nicht mag fotografiert zu werden. Jose geht manchmal nach den Shows noch vor die Bühne. Das ist überhaupt nicht meins.

Du könntest dir das gar nicht vorstellen? Du hast doch auch dein eigenes Projekt.
M: Ja, na klar, das könnte schon passieren wenn das größer wird. Ich würde trotzdem nicht zum Merchandise Stand gehen um Bilder zu machen. Wenn mich jemand danach fragt würde ich natürlich eins mit ihm machen, aber ich versuche es zu vermeiden.

J: Da fällt mir noch eine gute Geschichte zu ein.. Marteria und ich haben auf dem Dockville gespielt. Das war das Jahr, in dem James Blake sein erstes Album rausgebracht hat und wir waren riesige Fans. Er war im Backstage und wir wollten ein Bild mit ihm machen. Ich bin also zu ihm gegangen und wir haben ein Bild gemacht. Nach mir kam jemand anderes und als Marten dann endlich dran war hieß es nur: „Keine Bilder mehr.“ Marten hat dann zu ihm gesagt: „Bilder machen ist ziemlich nervig, oder? Das kostet eine Menge Kraft.“ James hat dazu gar nichts gesagt und ist einfach gegangen.

Manchmal ist es schwer das Publikum für sich zu gewinnen. Wie is da eure Erfahrung wenn ihr auf der Bühne seid und es einfach nicht läuft?

J: Manchmal muss man eben einfach über sich selbst lachen können, wenn es nach hinten losgeht. Du versuchst sie zum Klatschen zu animieren und sie machen nichts. Das ist richtig peinlich. Da muss man dann einfach durch. Wenn ich auf Konzerte gehe fange ich ja auch nicht an mit zu klatschen. Manche haben eben Bock drauf und andere nicht.

Ziehst du es dann durch oder denkst du dir irgendwann: „Ach, scheiß drauf“?
J: Der erste Song gibt oft schon vor in welche Richtung der Abend gehen wird. Du kriegst schnell ein Gefühl dafür, ob die Leute Lust haben oder nicht. Wir können dann einschätzen, was wir machen können und was besser nicht. Wir sind aber auch keine Clowns, sondern machen immer noch Musik und sind dadurch nicht unbedingt in der Position um den Leuten zu sagen, was sie zu tun haben.



Guckt ihr dem Publikum in die Augen und nehmt sie als einzelne Personen wahr?
J: Wenn du ihnen in die Augen guckst und siehst, dass sie tanzen, dann sind wir schon glücklich. Wir hatten aber auch mal eine Show im Osten von Spanien, dass war wahrscheinlich die schlimmste Erfahrung die ich bis jetzt auf der Bühne hatte. Das war keine konkrete Gruppe von Menschen, bei der du sagen konntest, dass sie auf Techno oder so stehen. Das Publikum war komplett gemischt und alle wollten einfach nur saufen und Spaß haben. Daran ist an sich auch nichts verkehrt, aber als wir gespielt haben, ich nach vorne ging um die Menge anzuheizen, haben die uns nur den Mittelfinger gezeigt.

M: Nicht viele, aber ein paar.

J: Ja, das waren vielleicht zehn oder so. Aber positives Feedback hat eben nicht den gleichen Effekt wie negatives.

Wenn du vor 2.000 Leuten spielst und alle sind am schreien, dann bist du mega glücklich. Aber wenn dir zehn davon den Mittelfinger zeigen, dann hast du das Gefühl, du machst irgendwas falsch.

J: Gleiches gilt natürlich auch für Kommentare auf Facebook oder Instagram. Nur ein schlechter Kommentar kann dich richtig abfucken.

Verliert ihr manchmal den Draht zum Publikum, je größer es wird? Also vor allem im Vergleich zu einer Show mit Marteria, z.B. auf dem Hurricane vor 20.000 – 30.000 Leuten.
J: Wenn ich mit Marteria spiele, dann stehe ich ja nicht im Mittelpunkt. Für mich ist es easy einfach im Hintergrund Keyboard zu spielen, zu tanzen und Spaß zu haben. Außerdem spielen wir da mit In-Ear-Monitoring, dadurch hört man sowieso nicht viel. Am Ende machen wir immer einfach unser Ding. Manchmal ist die Menge aber zu weit von der Bühne weg, dann fühlt es sich an als würde man vor einem Fernseher spielen.

M: Du fühlst dich dann irgendwie so abgeschottet, obwohl da super viele Menschen sind.

J: Hier fühlt es sich dann doch mehr nach Punk an.


Wie kommt ihr eigentlich wieder runter nach großen Shows oder einer längeren Tour – wenn ihr plötzlich wieder alleine im Hotelzimmer seid?
J: Auf Tour bin ich sogar ganz gerne alleine im Hotel wenn ich ehrlich sein soll. Du redest den ganzen Tag mit so vielen Leuten, man braucht dann auch einfach ein paar Stunden für sich. Jetzt wo ich eine Familie habe bedeutet nachhause kommen aber auch für die Familie da zu sein.

Aber wie siehts auf der emotionalen Ebene aus? Fühlt man sich da nicht irgendwie leer?
J: Das ist tatsächlich ein bisschen schwierig. Aber eine Familie zu haben hilft dir schon ungemein dabei zu merken, was wirklich wichtig ist im Leben. Ich bin als aller erstes für sie da, alles andere ist zweitrangig. Als wir anfingen größere Shows zu spielen, dachten wir noch, wir seien die Rolling Stones und haben natürlich eine Menge Unfug gemacht. Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, dass es nur eine begrenzte Zeit so laufen kann. Wenn du auf der Bühne bist, fühlst du dich echt gut. Danach musst du aber dafür arbeiten um dieses Gefühl wieder zu bekommen. Wenn du versuchst die ganze Zeit dieses Gefühl aufrecht zu halten indem du dumme Sachen machst, dauert es vielleicht ein bis zwei Jahre, dann bist du raus aus dem Geschäft.

In deiner Dokumentation hast du gesagt, dass du dich manchmal einsam fühlst, selbst wenn du von tausenden von Menschen umringt bist.
J: Na klar, jeder ist mal einsam. Aber ich muss dazu sagen, dass ich damals eine schlechte Phase hatte. Manchmal fühlt man sich eben wie ein Clown.

Egal wie traurig, glücklich oder einsam du bist, du musst trotzdem auf die Bühne und zumindest so aussehen als hättest du Spaß.

J: Du musst einfach professionell sein. Dabei ist auch egal wie berühmt du bist. Am Ende ist es wichtig, dass du eine Familie hast und deine Shows spielen kannst. Du kannst Musik machen und das ist das wichtigste. Alles was danach kommt ist unwichtig.

Wie wichtig ist es für dich live zu spielen? Wärst du gerne öfter zuhause?
J: Ich glaube das würde nicht funktionieren. Mir macht live spielen einfach unglaublich viel Spaß. Wir hatten bei den Proben zu unserer neuen Show eine Menge Probleme. Wir mussten entscheiden, welche der neuen Songs wir spielen wollen. Das war ziemlich anstrengend, haben dann aber hart dran gearbeitet und am Ende waren wir richtig stolz. Jetzt wo die Show sitzt können wir auf die Bühne gehen und einfach frei sein. Deshalb macht es uns auch so glücklich die Reaktionen der Leute zu sehen. Das würde mir sehr fehlen, wenn ich nur im Studio wäre. Das direkte Feedback der Leute ist mir verdammt wichtig. Ich bin sehr kritisch mit mir selbst, was mir oft zu sehr zu Kopf steigt, aber inzwischen kann ich damit umgehen.

Wenn du an deine erste Soloshow in Deutschland zurück denkst. War Musik da schon eine Karriereoption für dich?
J: Wenn ich ehrlich sein soll, hatte ich überhaupt keine Pläne. Wenn man Anfang 20 ist, denkt man darüber nach, wie geil es ist ins Studio zu gehen und wie geil es auf der Bühne ist. Du denkst nicht an sowas wie Karriere. Das kommt erst mit dem Älterwerden.

Gab es einen Punkt an dem du dich gefragt hast, was du in den nächsten zehn Jahren machen wirst?

J: Ich wusste zumindest, dass ich Musik machen will. Wenn man weiß was man machen will, dann hat man doch schon gewonnen.. Erfolgreich damit sein ist eine ganz andere Sache. Aber würde ich in den nächsten zwei Jahren keine Kohle mehr verdienen, dann müsste ich mich natürlich nach etwas neuem umschauen, ich würde aber trotzdem Musik machen. Ich höre ja nicht auf, nur weil ich kein Geld mehr damit verdiene. Ich muss das einfach machen.

Gibt es Pläne für 2025?
J: Nein, ich habe einen Plan für dieses und für nächstes Jahr. Früher hat man noch so in den Tag rein gelebt. Desto mehr Fans ich habe, desto weniger will ich diese wieder verlieren. Trotzdem kommt an erster Stelle, dass ich mich selber überraschen will, wobei ich die Fans natürlich auch nicht enttäuschen will. Wenn ich glücklich bin und die glücklich sind, dann ist das cool. Aber wenn sie es nicht mögen, dann kann ich dagegen auch nichts machen. Ich will einfach ich selbst sein. Am Ende zählt, dass ich mich im Studio und auf der Bühne noch überraschen kann, dann wäre ich auch bis ans Ende meines Lebens glücklich.

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