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Höme Unfiltered

BLOND im Interview


 
 

text Isabel Roudsarabi
redaktion Tina Huynh-Le
fotos Till Petersen

Mit ordentlich Spinat in der Fresse, ein bisschen Swalla-la-la und ganz viel Bums hüpfen BLOND dieses Jahr von einer Festivalbühne zur nächsten.

 

Das Chemnitzer Trio ist besonders. Nicht nur dank ihrer pompösen Bühnenoutfits und Tanzeinlagen, sondern auch wegen ihrer Authentizität und der gesunden Portion Selbstironie. Die drei scheinen auf jeden Fall verstanden zu haben, was sie da eigentlich machen.

Uns haben sie auf dem lunatic Festival erzählt, wovor sie sich fürchten, welche Headliner zu ihrem Traumfestival kommen sollten und von wem sie sich inspirieren lassen.



Wir sind so richtige Rampensäue. Ich weiß nicht, ob irgendwas anderes funktionieren würde.

Worauf freut ihr euch in diesem Sommer besonders?
Nina: Das wird ja unser erster richtiger Festivalsommer und das generell ist schon geil. Viele von den Festivals kennen wir noch nicht, deshalb wissen wir auch noch gar nicht, was uns so erwartet.
Lotta: Ich finde es immer cool, gute KünstlerInnen kennen zu lernen und die dann auch auf anderen Festivals wieder zu treffen.

Ihr habt ja auch in den letzten Jahren schon ein paar Festivals gespielt. Was war bis jetzt euer Highlight?
Nina: Das zu sagen, wäre jetzt fies allen anderen gegenüber.
Johann: Waren alle geil!
Nina: Ich hatte auf dem Kosmonaut ein Brautkleid an und totale Probleme, weil das immer hinten aufgeplatzt ist, sobald ich mich bewegt habe, da es wirklich wie maßgeschneidert war. Es war aber nur ein Reisverschluss, der sich immer wieder aufgezogen hat und dann musste jemand hinter mir immer das Kleid halten. Irgendwann haben wir während des Auftritts einfach Gaffa drumgewickelt.
Lotta: Wie bei den großen Stars.

Apropos große Stars: Ihr habt in einem Interview mal gesagt, dass ihr euch gerne Katy Perry und Lady Gaga Shows anguckt, um euch inspirieren zu lassen. Seht ihr sie als Vorbilder?
Nina: Eher Inspiration! Zum Beispiel auch den Auftritt von Beyoncé auf dem Coachella. Das ist schon fett.
Lotta: Generell die Coachella Auftritte und auch die Halftime Show vom Super Bowl sind unser absolutes Ziel. Danach kannst du wirklich sterben.
Nina: Die sind jetzt nicht musikalisch unsere Vorbilder.
Lotta: Sondern einfach nur Performance-mäßig, weil wir das cool finden, wenn man einfach so krass übertreibt.
Nina: Das gehört halt zusammen. Im Grunde ist man ja als MusikerIn jemand, der seine Musik ummantelt mit verschiedenen schönen Sachen.

Gibt es Unterschiede, wenn man vor 10, 100 oder 1000 Leuten spielt?
Lotta: Es kann ein Clubkonzert geben, wo der Raum winzig ist und die zehn Leute, die gekommen sind, super geil mitfeiern, aber es kann auch ‘ne Festivalshow geben und wenn dann nur 10 Leute da sind, ist es natürlich kacke. So vom Feeling her. Klar spielt man dann trotzdem die gleich gute Show, aber es ist natürlich schön, wenn viele Leute da sind, um Stimmung zu machen.

Oh nein, ich pinkel mir ein.

Was sind eure Ängste, wenn ihr eine Show spielt?
Nina: Lotta und Johann sind total entspannt. Ich bin die einzige, die vor jedem Auftritt immer nervös ist und denk dann immer daran, was alles schiefgehen könnte. Meine allergrößte Angst ist, dass ich mir einpinkel.
Lotta: Und das sagt die Nina ständig: „Oh nein, ich pinkel mir ein…“. Und dann heute wurde so gesagt: „Ihr habt Soundcheck und danach ist direkt euer Auftritt“, und die Nina so: „Aber ich muss nochmal aufs Klo“.
Nina: Ich hab‘ jedes Mal Angst davor. Jedes Mal. Und zwar ‘ne richtige Angst. Ich denke das wirklich! Aber ist noch nie passiert übrigens.
Johann: Beim Superbowl in der Halbzeit dann.

Habt ihr Wünsche sowohl für Shows, für den Festivalsommer als auch die kommenden Jahre?
Lotta: Wir haben jetzt mal getestet zu stagediven. Das würde ich gern nochmal machen, einfach weil das gefetzt hat. Ziel ist natürlich, immer größer zu werden beziehungsweise mehr Chancen zu haben, die Bühnenshow noch mehr auszubauen.
Nina: Ich find‘s schön, wenn immer einfach Leute da sind, die sich das angucken und sich ein bisschen bewegen.
Johann: Es ist einfach krass, wenn immer mehr Menschen kommen, von denen das auch immer mehr einfach feiern. Man merkt ja auch selber, dass das Publikum halt Bock drauf hat.

Auf eurem Wunschfestival, welche Bands kommen als Headliner?
Johann: Bei mir ist definitiv Muse mit Abstand auf Nummer eins!
Nina: Beyoncé und so würde ich schon einladen. Und Rihanna.
Johann: Ja aber nicht nur solche!
Lotta: Nee, natürlich nicht. Aber Missy Elliot würde auch seit langem mal wieder ein Konzert geben.
Johann: Und System of a Down natürlich.
Nina: Dann aber auch ganz viele Kumpels.
Lotta: Das wäre so ein super krasses Festival, wo dann so Leute wie Beyoncé spielen, aber auch wir und noch ganz viele andere Pupsbands.

Und wie viele Leute sollen kommen?
Nina: So wie hier finde ich schön eigentlich.
Johann: 200.000. Aber kleine Festivals wären natürlich auch schön.
Nina: Ja stimmt, aber wenn man Beyoncé bucht und dann in der Crowd nur ein paar Tausend stehen, das ist doch geil.
Lotta: Bei der realistischen Umsetzung, ich sag ja nur: Da haben wir unsere Schwierigkeiten.

Gibt es etwas, was euch auf Festivals fehlt? Bei dem ihr euch fragt, warum sich das eigentlich noch niemand ausgedacht hat?
Lotta: An so heißen Tagen ist ne Abkühlung mit Schläuchen halt immer geil, aber das gibt es ja schon auf ganz vielen Festivals. Für mich persönlich gibt es immer zu wenig Eisläden. Auf dem Melt! gab es mal einen Eisstand, da war ich auch jeden Tag und das Jahr drauf war der nicht mehr da.
Nina: Wahrscheinlich, weil du die einzige warst, die da gegessen hat.
Lotta: Nein, es gibt super viele Leute, die wie ich eine kleinere oder größere Sucht für Eiscreme haben. Vor allem, wenn es so heiß ist, ist das ja perfekt. Gibt‘s immer zu selten.

Und wenn ihr auf eure nächste Tour geht, wen wünscht ihr euch als Vorband?
Nina: Also mein Friseur hat ‘ne Band, die ist gerade auf ‘nem aufsteigenden Ast und ich möchte, dass der unsere Vorband ist, weil er verkleidet sich dann mit Frauenkleidern, so Conchita Wurst mäßig. Das ist mein Wunsch, der ist relativ realistisch.
Johann: Wir treten einfach ohne Vorband auf, weil wir so ‘ne krasse Show machen.
Nina: Wir verkleiden uns und spielen einfach zweimal. Einmal als Vorband und einmal als Hauptact.

Wir versuchen, uns um die normale Berufswelt herumzuwinden.

Wolltet ihr das hier schon immer machen?
Alle: Ja schon.
Nina: Wir sind so richtige Rampensäue. Ich weiß nicht, ob irgendwas anderes funktionieren würde. Manchmal glaube ich nein.
Lotta: Wir können nicht normal sein.
Nina: Wir versuchen, uns um die normale Berufswelt herumzuwinden. Ja ich glaub insofern wollten wir das schon immer.

Und jetzt große Pläne?
Lotta: So wie wir das jetzt auch machen. So wie wir Bock drauf haben. Vor Leuten spielen, Sachen aufnehmen, Lieder schreiben. Aber nicht mit dem totalen Masterplan, dass wir irgendwo unbedingt hinwollen.
Johann: Es wär natürlich schon geil, wenn man irgendwie Geld verdienen würde damit. Man darf halt einfach nicht mit dem Ziel da rangehen, dass man unbedingt Geld verdienen will. Da setzt man sich sehr schnell auch selber übelst unter Druck. Dann ist es so auf Zwang und das wird ja meistens nichts.
Lotta: Den Pressure hört man dann in der Musik.
Johann: Man hört dann, dass die Lieder von anderen Leuten geschrieben wurden.



Habt ihr ein liebstes Bühnenoutfit?
Nina: Mein Brautkleid.
Lotta: Das Brautkleid war geil, da hatte ich so ‘ne kürzere Variante für eine Brautjungfer. Und wir waren mal ganz komplett in weiß, da hat der Johann ‘ne weiße High Waist Hose angehabt aus den 80er Jahren und der sah super geil aus!
Nina: Man hat die Outfits irgendwann satt und dann braucht man wieder was Neues.

Lieber auf einem Festival spielen oder ein normales Konzert?
Johann: Es ist beides so unterschiedlich und hat, bis auf dass man Musik macht, eigentlich nicht viel miteinander zu tun. Das Publikum komplett anders drauf. Im Club gehen die Leute im Normalfall ein bisschen anders ab, aber beim Festival sind es meistens mehr. Da ist der Vorteil, dass man Fans dazugewinnen kann, weil es immer welche gibt, die einen noch nicht kennen. Aber letztendlich spielt man halt einfach ein Konzert.
Lotta: Man kann auch in ‘nem ganz hässlichen, ekelhaften Raum spielen, wenn die Leute cool sind, wird es das beste Konzert der Welt.

Ein Festival, auf dem ihr unbedingt noch spielen wollt?
Johann: Coachella.
Nina: Das sind ja noch relativ kleine Wünsche bei uns, also vielleicht auf dem Melt! Keine Ahnung, ich würde gerne überall mal spielen. Auf dem Dockville zum Beispiel auch.



Was ist das letzte, was ihr vor einem Auftritt macht, um euch zu pushen?
Nina: Johann raucht immer eine. Und wir tanzen uns ein.
Lotta: Wir machen immer so‘n Aerobic Ding vorher. Heute war leider ein bisschen wenig Zeit.
Johann: Bieryoga!
Nina: Der Johann wär heute gerne bei Bieryoga gewesen, hat es aber leider verpasst.

Geht ihr euch auch ab und an auf die Nerven?
Nina: Wir sind ja in Chemnitz auch viel zusammen unterwegs. Es ist eigentlich, als ob wir alle drei Geschwister wären. Klar nervt man sich mal, aber man muss ja miteinander auskommen.
Lotta: Auf Tour hat man auch meistens, ich nenne das: Tourdummheit. Wenn man länger unterwegs ist, erreicht es irgendwann so eine Stimmung, in der man über alles lacht und nur Stuss labert. Da kann man sich auch nicht böse sein.
Nina: Aber ansonsten streiten wir uns eigentlich nie.
Johann: Wir diskutieren nur!

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