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Ein Interview als Zeitreise

Erste Schritte mit Panda Lux


 
 

fotos Nils Lucas

Dass die Schweizer Popmusik mehr zu bieten hat als DJ Bobo und Stefanie Heinzmann, beweist spätestens der steile Aufstieg von Faber. Mit PANDA LUX, die zwar zehn Jahre an ihrem ersten Album bastelten, zurecht aber schon lange auf den Schweizer Festivalbühnen vertreten sind, geht’s weiter. Die Vier haben auf jeden Fall verstanden, wie man mit einer Neu-Interpretation von “Hänschen Klein” einen Moshpit erzeugt, Plattenverkäufe neu denkt – die EP “Zoo” kommt in Form einer Skulptur daher – und dass wichtige Dinge manchmal einfach Zeit brauchen.

 

Mein erstes Konzert als Besucher

Janos: The Prodigy am Openair St. Gallen 2008, das war ein ziemlich harter Einstieg in die Live-Konzert-Welt. Ich war ganz schön weggeblasen, weil es einfach riesig und unglaublich laut war.
Moritz: Ich vermute mal irgendwas Klassisches. Meine Eltern haben mich, als ich klein war, oft auf klassische Konzerte mitgeschleppt. Ich fand das damals natürlich doof und war das Kind, über das man sich im Konzertsaal aufgeregt hat, weil es nicht stillsitzen konnte.
Mein erstes Konzert ohne Eltern waren Die Ärzte mit Silvan und Samuel, 2007. Kleiner Moritz mit langen Haaren hat sich dann mit viel Elan in den Moshpit begeben, da wurde ich schon bisschen rumgeschüttelt.
Samu: Mit 13 Jahren am Rock am See Openair in Konstanz mit Korn, The Hives und den Toten Hosen.
Silvan: Ebenfalls das Rock am See Festival in Konstanz. Ich war erst 12 Jahre alt. Meine Mutter hat mich und meine zwei Freunde mitgenommen, weil wir so große Fans von den Toten Hosen waren. Mit Korn konnte ich so gar nichts anfangen. Prägend war, als eine Gruppe von Punks uns mit den Worten „Kindergarten Dusche“ Bier übergegossen hat. Richtig nice!

Erstes Konzert mit Band

Janos: In der Mehrzweckhalle Rorschacherberg, mit ca. 12 Jahren auf der Abschlussfeier des Ferienspass-Kinderprogramms. ( Das ist so ein Katalog mit Freizeitbeschäftigungsprogrammen in den Ferien für Schulkinder)
Moritz, Samu & Silvan: Wir haben 2006 im lokalen Jugendkeller in Rorschach gespielt. Das waren dann wir, die Band, 12 bis 13 Jahre jung, und 20 pogende Rocker, die uns und unsere Marshall Amps mit Bierduschen eingedeckt haben. Als wir unsere eigene instrumentale Rock Version von Hänschen Klein spielten, erlebten wir zum ersten Mal einen Mosh-Pit voller Punks vor der Bühne. Schöne Zeit…

Mein erstes Mal im Club

Janos: Irgendwo in Zürich in der Nähe der Hardbrücke bei einem Drums of Death – Liveset mit meinem grossen Bruder. Da war ich wohl ca. 16 oder so.
Moritz: Irgendwann in der Mittelschule wahrscheinlich. Da gab’s das Cave in St. Gallen da durftest du auch rein wenn du noch nicht 16 warst. Mega!
Samu: Bei einer privaten Party in Krakau mit unserer polnischen Schüleraustausch-Klasse.
Silvan: Ich spielte mit 12, 13 Jahren schon oft
Konzerte in Clubs, obwohl diese erst ab 16 oder 18 waren. Schon bisschen strange, aber auch cool irgendwie.


Erster Urlaub mit Eltern

Janos: In einem Kinderhotel in den Alpen, ich weiß sogar noch den Namen des Hotels: Ucliva.
Da gab’s ein Kinderprogramm, damit die Eltern chillen konnten. Wir sind dann in alten Burgen auf Schatzsuche gegangen, haben im Fluss Gold gewaschen und einen alten Stollen besucht. Sehr aufregend.
Moritz: Anscheinend Ägypten. Es gab ein Erdbeben als wir da waren und ich habe scheinbar wegen einer Cola so lange rumgeschrien bis ein anderer Gast mir eine gekauft, und meine Mutter dabei böse angeschaut hat.
Samu: Das war glaube ich irgendwo in Italien.
Silvan: Wir fuhren oft nach Südfrankreich in eine Ferien Wohnung von Freunden, direkt am Meer gelegen. Schon früh begannen wir zu fischen und später dann zu harpunieren. Einmal ging das gewaltig schief. Ich schnorchelte hinter meinem Bruder Samuel hinterher und hielt meine Harpune leider nicht senkrecht nach unten, sondern in Richtung seiner strampelnden Füssen. Unglücklicherweise hatte er keine Flossen montiert und die frisch gekaufte Harpunenspitze bliebt mit ihren Widerhaken in Samuels Fuss stecken. Der Urlaub war ruiniert und seine Wunde musste genäht werden. Der Arzt im Ort hatte noch nicht mal Faden
zum Nähen da. Den mussten wir dann erst einmal besorgen.

Erste gekaufte Platte

Janos: Wahrscheinlich Green Day – American Idiot.
Moritz: Amarican Idiot von Green Day oder Rosenrot von Rammstein. Bin nicht sicher welche zuerst war.
Samu: Die meisten Platten habe ich vererbt bekommen.
Silvan: Die erste gekaufte CD war eine von Daft Punk. Wir waren sehr jung und sehr naiv. Wir dachten nämlich, das ist sicher ne geile Punk Rock Platte. Zuhause angekommen und die CD eingelegt, waren wir krass enttäuscht von der elektronischen Musik.

Erstes Festival als Besucher

Janos, Moritz & Silvan: Das war unser Home Festival, das Openair St. Gallen im Sittertobel. Toll ist, dass Camping und Konzertgelände nicht voneinander getrennt sind. Bestes Festival!
Samu: Openair Rock am See in Konstanz.

Erstes Festival als Band

Janos & Silvan: Stadtfest Rorschach. Jahr 2008 oder so. Vor uns hat eine Coverband gespielt, die Blink 182 und Sum 41 spielte, danach gab es Blasmusik.
Moritz & Samu: Szene Festival Lustenau.

Erstes Mal Backstage

Janos: Kann ich mich nicht aktiv dran erinnern. Das erste tolle Backstage-Erlebnis hatten wir auf jeden Fall in Bregenz, als wir 2011 im Rahmen der Bregenzer Festspiele auf dem Vorplatz aufgetreten sind. Da gab’s dann einen Badge und man konnte sich durch das gesamte Festspielgebäude bewegen und es gab einen großen Raum mit riesiger Fensterfront, der mit unserem alten Bandnamen Lakeside Runners beschrieben war. Da kam man sich schon wichtig vor.
Moritz: Band Contest in St. Gallen, in der Grabenhalle. Da hab ich Till Ostendarp kennengelernt, der mir die wichtigste Schlagzeug-Lektion beibrachte: „Spiel mal nicht so viel“ hat er gesagt. Ich fand ihn dann natürlich ein bisschen doof.
Samu: Auf dem Bandcontest „BandxOst“ 2007
Silvan: Eine schöne Backstage Erfahrung war in unserer Heimatstadt Rorschach. Mein Bruder und ich waren auf dem 1000 Robota Konzert im Mariaberg Club. Wir waren mega begeistert und haben uns nach dem Konzert in ihren Backstage geschlichen. Sie waren sehr nett und haben uns ein Bier angeboten und lange mit uns geplaudert.


Erstes Mal Campen:

Janos: Mit einer Gruppe von Freunden in der 8. Klasse. Ich war schrecklich verliebt in Katja, die am gleichen Abend was mit Tim hatte und bei ihm im Zelt gepennt hat. Klingt zwar sehr traurig, war aber alles in allem doch ein lustiger Ausflug.
Moritz: Mit meinem Bruder im Garten. Wir haben ein riesiges Schloss aus drei Zelten gebaut, die wir in der Nachbarschaft aufgetrieben hatten.

Erstes Auto

Janos: Ich selber besitze noch kein Auto. Wir haben aber jahrelang den alten Familienwagen meiner Eltern als Bandbus benutzt – ein Toyota Previa. Der hat leider vor etwa zwei Jahren schlappgemacht.
Moritz: Der trashige alte Volvo Kombi von meinen Eltern. Dieser viereckige. So eine geile Karre, die wir hatten solange ich mich erinnern kann. Die läuft heute noch.
Samu: Lamborghini Murcielago.
Silvan: Hab weder den Führerschein noch ein Auto. Dafür hab ich den Segelschein!

Erste Schlägerei

Janos: Ein guter Freund von mir, Onur, hat in der 6. Klasse einmal meine damalige Freundin beleidigt. Darauf habe ich ihn auf dem Spielplatz zu einem Duell herausgefordert. Ich dachte damals, dass man das so macht, wenn jemand deine Freundin beleidigt. Und sehr wichtig: ich habe gewonnen. Onur kam darauf in die Time-Out-Schule, ich aber nicht, was ein wenig unfair war. Wir waren danach nie wieder so gut befreundet wie davor.
Moritz: Ich wurde immer von Nelson in der Schule verprügelt. Ich war selbst ein bisschen ‘ne Memme und hab nie ausgeteilt immer nur eingesteckt.
Silvan: Meine erste und letzte Schlägerei war so mit 14 Jahren. Mein damals bester Freund und ich haben uns immer mehr voneinander entfernt. Er über Jahre schlecht über mich geredet. Irgendwann bin ich dann total ausgerastet und hab mich mit ihm auf dem Pausenplatz geprügelt.

Erster geschriebener Song

Janos: Auch in der 6. Klasse, mit meiner ersten Band (die von der Mehrzweckhalle Rorschacherberg). Die hieß übrigens Abec 3 (benannt nach einer Kugellagermarke für Skateboards. Wir wollten, dass unser Name etwas mit Skateboarden zu tun hat, und Abec 3 passte gut, weil wir drei Leute waren.) Unser damaliger Lehrer hat mit unserer Klasse ein Musical geschrieben und uns ermuntert, auch nach der Schule im Schulzimmer zu jammen. Er hat alte Synthesizer und ein Schlagzeug hingestellt und wir fanden uns so zu einer Band zusammen.
Moritz: Ich hab’ mit 4 Jahren begonnen meiner Mutter den Kassettenrekorder zu klauen und auf den Kochtöpfen rumgetrommelt, dazu mitgejohlt und das dann aufgenommen.
Samu: „What should i do, if I don’t know the words for my first song, yeah, yeah…“
Silvan: Titel meines ersten richtig eigenen Songs war “Verwirrung”. Ich mag den Text sogar heute noch.

Erster Proberaum

Janos: Das eben erwähnte Klassenzimmer von Martin Widmer im Schulhaus Klosterguet. Wir mussten irgendwann in den Luftschutzbunker wechseln, weil wir zu laut waren. Das war glücklicherweise kein Problem, da Sebastian, der Drummer, gleichzeitig der Sohn des Hausabwarts war.
Moritz: Büro von meinem Vater. Da war mein erstes Schlagzeug drin. Samuel und Silvan haben dann für jede Probe ihre Verstärker die Strasse runtergetragen, damit wir da proben können.

Erster Manager

Janos & Moritz: Der Vater von Silvan und Samuel (Kuntz, die beiden Gitarristen der Band), Stephan, hat uns am Anfang „gemanagt“, auch wenn wir überhaupt keinen Plan hatten, was das genau bedeutet. Er hat uns über Freunde Auftrittsmöglichkeiten verschafft und uns immer zu den Konzerten gefahren, da wir zu jung für den Führerschein waren. Er ist unser größter Fan. Als wir irgendwann selbst den Führerschein gemacht haben, war er schon ziemlich traurig.
Silvan: Marc Bernegger von Coldkings. Er ist seit fünf Jahren in unserem Team und bringt Ordnung und Struktur ins Rudel!

Erstes Essen, das ich selber kochen konnte

Janos: Ich habe früher sehr viel gebacken und das erste, was ich ohne Hilfe zustande brachte, waren wohl süsse Waffeln. Meine Mutter hatte zu Weihnachten ein Waffeleisen gekauft und ich habe es geliebt und alle verschiedenen Arten von Waffeln gebacken. Wäre ich nicht Musiker geworden, wäre ich jetzt wohl Bäcker.
Moritz: Pasta mit Olivenöl und Salz.
Samu: Spaghetti al Olio.
Silvan: Boullion mit Reis.

Erster bester Freund

Janos: Der hieß Chris und ging mit mir zur Schule. Er war sehr verträumt und konnte extrem gut zeichnen. Wir haben immer zusammen selbsterfundene Pokemon gezeichnet. Und bei ihm zuhause haben wir oft Mario Kart gespielt.
Moritz: Kristian. Der hatte auch ne E-Gitarre und machte viel Musik. Wir hatten zusammen auch so ne Scooter-Gang. Aber nicht die Mofas sondern diese Trottinetts. Wir waren cool.
Samu: Meine Gitarre.
Silvan: David Thürlimann aus Rorschach. Wir sind auch heute noch beste Freunde. Ihm hab ich das aktuelle Lied auf unserer neuen EP Zoo „Malle“ gewidmet.

Erstes eigenes Instrument

Janos: Das war das Cello, das ich mit 16 von meinem Grossvater erben durfte. Es ist wunderschön, sehr alt und wahrscheinlich extrem viel wert. Ich habe es aber noch nie schätzen lassen.
Moritz: Die Kochtöpfe meiner Mutter und ein paar Essstäbchen.
Samu: Eine Blockflöte.
Silvan: Eine Gitarre. Ich war von Anfang an begeistert.

Erster Film, an den ich mich erinnere

Janos: Amy und die Wildgänse. Wir hatten den Film als VHS und ich fand ihn immer unglaublich traurig – ich hab ihn vor ein paar Jahren mal wieder geguckt und gemerkt, dass er überhaupt nicht traurig ist…
Moritz: Pocahontas. Hab’ ich nicht ertragen, ich fand den Film irgendwie krass unheimlich.
Silvan: Irgendein James Bond Film.

Erstes Autogramm gegeben

Alle: An diesem Konzert an den Bregenzer Festspielen, bei irgendwelchen Schulkindern auf dem Arm. Die Leute, die da waren, dachten wohl, dass wir berühmt seien. Nicht verwunderlich: Wir hatten ja auch diese VIP-Badges.

Der Moment, in dem ich bewusst für Musik als Beruf entschieden habe

Janos: Ich glaube nicht, dass es einen konkreten Moment gab. Ich habe so früh angefangen, Musik zu machen und je länger, desto klarer war es für mich, dass ich beruflich auch Musik machen muss. Es kam einfach gar nie etwas anderes in Frage.
Moritz: Gibt’s den? Ich glaube das passiert irgendwie einfach. Beruf heisst ja eigentlich auch, dass man damit irgendwie sein Geld verdient. Das tu’ ich bis jetzt nur spärlich.
Samu: War unglaublich.
Silvan: Das kommt mehr fliessend, als dass es ein einschneidendes Erlebnis gibt.

Erstes Konzert mit mehr als 100 Leuten

Janos, Moritz & Samu: Das Finale des Bandwettbewerbs ‚BandxOst’. Da konnten wir vor ca. 500 Leuten spielen. Wohl bemerkt waren die Leute nicht alle für uns da, aber weil wir so jung waren, feierten uns alle ganz schön ab.
Silvan: Das war 2017, als wir unser Debut-Album „Versailles“ im Palace St. Gallen getauft haben.



Erstes Interview

Janos & Silvan: Im Vorfeld des eben erwähnten Bandwettbewerb-Finales durften wir ein Interview bei Radio Toxic, das St. Galler Lokalradio, geben. Es war schrecklich. Wir haben uns gegenseitig die ganze Zeit angefahren und die Antworten waren richtig schlecht. Zum Glück war es nicht live und der Moderator konnte etwas einigermassen Brauchbares zusammenschneiden.
Moritz: Toxic FM, als wir mit Panda Lux (damals Freestyle) einen neuen Namen suchten. Der neue war dann Lakeside Runners… Nicht unbedingt besser.
Samu: Lange her. Ich glaube fürs Tagblatt St.Gallen.

Erstes Mal im eigenen Tourbus

Janos: Unser Tourbus war eben lange Zeit dieses Familienauto meiner Eltern. Das erste Mal richtiges Tourbus-Feeling hatten wir, als wir vor ca. vier Jahren im Sommer zum Songwriting-Urlaub nach Berlin gefahren sind. Da fuhren wir auch zum ersten Mal eine längere Strecke, in der Schweiz liegt ja alles so bequem nah beieinander, dass man gar nicht groß „auf Tour“ geht, sondern einfach jedes Wochenende ein paar Konzerte spielt und dann wieder nach Hause fährt.
Moritz: Hatte mein erstes Mal nicht im Tourbus und ihn auch so leider noch nicht eingeweiht. Ab jetzt auf der To-Do Liste.
Samu: In diesem Moment, wo ich dieses Interview ausfülle.

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