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Du hast da ein Kunstwerk auf dem Kopf

Die Besucher*innen vom Wave Gotik Treffen


Das Wave Gotik Treffen ist mit 63 in Leipzig verteilten Locations und 220 verschiedenen Künstler*innen für etwa 21.000 Gäste eine logistische Meisterleistung. Die Musik, die Szene, aber auch Veranstaltungen wie das Viktorianische Frühstück, der Mittelaltermarkt, Live-Rollenspiele, mehrere „Friedhofsgeflüster“ und Pfingstgottesdienste à la „Goth Christ“ ziehen Menschen aus aller Welt an.

text & fotos Ann-Sophie Henne
redaktion Isabel Roudsarabi

Mit 14 davon haben wir gesprochen. Worüber? Das haben wir ganz ihnen selbst überlassen – Interviews über Liebes-Beziehungen zum Festival und genauestens durchdachte Kostüme.

Fußgängerzone, Leipzig. Ich sehe ein viktorianisch verkleidetes Pärchen, das sich bestens unterhält. Die Frau trägt einen Hut, geschmückt mit Blumen und Hörnern, bei dessen Größe ich aber schon vom Zusehen Kopfschmerzen bekomme. Ich will sie kennenlernen.

Ihr seht aber schön aus.
Die beiden halten an und grinsen.
Zum wievielten Mal seid ihr denn schon beim WGT? 
René:
Vielleicht das achte. Wahrscheinlich aber sogar noch mehr. Wir kommen aus Leipzig und machen das hier schon viele Jahre mit.

Wir kommen ins Gespräch. Besonders faszinierend an dem Festival finden er und seine Frau Kathrin, „dass man trotzdem immer noch nicht alles kennt“. Das Viktorianische Frühstück und der Donnerstagabend im Felsenkeller seien für sie aber immer Pflichttermine. 

Was ist dieses Jahr besonders gut?
Katrin: Wir sind hellauf begeistert von der neuen WGT-App. Die zeigt wirklich alles an – den kompletten Ablauf, Bahnverbindungen mit Alternativrouten sowie alle Bands mit Hörproben.
Die schrägste WGT-Erfahrung dieses Mal?
Katrin: Die Heilandskirche am Sonnabend. Dort ist eine Lesung gehalten worden – aber es gab auch eine Nebelmaschine und eine Cocktailbar. Super, dass die Kirche da mitmacht.
Kathrin, eine Frage noch: Wie kannst du mit diesem Hut den ganzen Tag herumlaufen und abends auch noch tanzen?
Katrin: Der ist aus Pappe. 

 Augustusplatz, Richtung Universität. Zwei bezaubernde Menschen  schlendern gemächlich umher und lassen sich bereitwillig immer wieder von begeisterten Passanten fotografieren. Da mache ich doch direkt mit, schieße ein Foto und spreche sie an.

Mein einfallsreicher Opener:
 Ihr seid nicht zum ersten Mal hier. Oder?
 Nein. Das ist mindestens das siebte Jahr.
Wo kommt ihr her? 
Aus Bayern.
Und wie lange habt ihr an diesen gigantischen Kostümen gebastelt? 
Die Vorbereitung auf das nächste WGT beginnt bei uns immer genau dann, wenn das vorherige vorbei ist.
Ein Ganzjahresprojekt also? 
Ja. Wir haben jedes Jahr komplett neue Kostüme, und auch für jeden Tag ein anderes Outfit.

Ihren Namen wollen die beiden nicht verraten. Ob sie auf dem WGT eine Lieblingsveranstaltung haben, bleibt ebenfalls geheim. 

Tramhaltestelle am Augustusplatz. Manuela, Corinne, Laura, Nathifa (v.l.) sind zusammen aus Zürich zum WGT angereist. Ihre Gruppe ist festivalerprobt und „funktioniert in dieser Kombination einfach immer perfekt“. Außer Corinne waren alle schon einmal hier. Die Vorbereitung für die Festival-Tage hat die Mädels zusammengerechnet etwa 24 Stunden gekostet – bei Laura kam noch ein Frisörbesuch hinzu.
„Das meiste hat man irgendwie schon zuhause, deswegen dauert es nicht besonders lange“, berichten die drei erfahreneren WGT-Gängerinnen. Corinne hat hingegen einfach „irgendetwas eingepackt.“ Ihre ersten Erfahrungen mit dem Festival sind durchweg positiv: „Es ist schön, das Ganze endlich einmal live mitzuerleben. So viele neue Leute zu treffen, szene-intern aber auch außerhalb, macht wirklich Spaß. Alle sind sehr nett.“
Die vier wollen nächstes Jahr auf jeden Fall wieder mit dabei sein. 

Nähe Nikolaikirche. Ich entdecke zwei Personen, die ein Prinzessin Zelda- und ein Link-Kostüm tragen.
„Wo kommt ihr her?“, frage ich.  „Wir sind aus Leipzig“, erzählt die Frau, deren Künstlername Bonchi Cosplay ist. Deshalb sei sie mit ihrem Kompagnon Benjamin auch ganz entspannt in der Stadt unterwegs, die beiden haben keine klare Destination. „Wir lassen das Ganze einfach auf uns zukommen“, erklärt Benjamin. Er ist gerade erst wieder in Leipzig angekommen und hat in seine Kostümwahl nur etwa eine Viertelstunde  investiert. Bonchi Cosplay hingegen, saß zwei Stunden daran, ihre Haare anzukleben. Für beide ist es das erste WGT. 

Tramhaltestelle am Augustusplatz. Ein Mann und eine Frau warten gemeinsam auf die Bahn, nehmen sich aber wie selbstverständlich für ein paar Fragen Zeit.
Wann ist bei Euch dieses Jahr die Vorbereitung für das WGT losgegangen? 
Hans: Das läuft eigentlich jedes Jahr gleich ab. Im Januar werden immer die Zimmer gebucht, zwischen Januar und Juni suchen wir dann im Internet nach neuen Accessoires oder auch mal einem neuen Kleidungsstück. Ein bis zwei Wochen vor dem WGT geht es dann wirklich in die heiße Phase.
Lina: So würde ich das auch sagen. Ab dann wird täglich geplant, anprobiert und neu genäht.
Wo kommt ihr her? 
Aus dem Harz.
Eure Lieblingslocation? 
Lina: Das Schauspielhaus, weil dort klassische Musik mit Rock kombiniert wird.

Wilhelm-Leuschner-Platz am Späti. Ein junges Pärchen ist unterwegs Richtung Stadt, als ich sie abpasse.

Wie viel Zeit hat euch die Kostümwahl gekostet?
Marleen:
Nicht besonders lange, dafür haben wir gar keine Zeit.
Michael: Wir haben drei Kinder zuhause, da denkt man nicht ewig über Kostüme nach.
Waren die Kinder auch schon mal hier?
Marleen:
Klar. Die haben wir normalerweise immer dabei.
Ist das WGT kinderfreundlich?
Marleen:
Auf jeden Fall. Unsere Kinder fühlen sich auf dem Festivalgelände mittlerweile wie Zuhause. Sie kennen das ja von klein auf. Auf viele Veranstaltungen nehmen wir sie mit, aber es gibt auch einen tollen Kindergarten vor Ort.
Welche Veranstaltungen mögen die Kids am liebsten?
Michael:
Das Viktorianische Picknick ist auf jeden Fall ganz vorne mit dabei. Weil es den Kindern so gefällt, ist es eigentlich auch unsere Lieblingsveranstaltung.

Festivalfinder

Wave Gotik Treffen 2020

29. Mai – 01. Juni – Leipzig


Alle Infos zum Festival

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