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Auswirkungen des Coronavirus auf den Festivalmarkt


Die Social Feeds sind voll mit Livesendungen und Tipps zum richtigen Händewaschen, Klopapier und Nudeln (außer Vollkorn, weil man ja auch in der Quarantäne noch wählerisch sein will) sind überall ausverkauft und in der U-Bahn traut sich keiner mehr den Türöffner zu drücken – In den letzten Wochen ist man wohl kaum umher gekommen, sich mit dem neuartigen Corona Virus auseinander zu setzen. Nun ist auch die Festivalbranche davon betroffen.

text Isabel Roudsarabi
foto Dominik Wagner

Zuerst das Ultra Music Festival in Miami, kurz danach das Tomorrowland Winter, jetzt haben auch die Veranstalter*innen eines der weltweit relevantesten Industry-Meet-Ups South by Southwest ihre Events abgesagt. Das Coachella hat seine beiden Wochenenden bis auf Weiteres auf den Herbst geschoben.
Das Corona-Virus, dass sich in den letzten Wochen weltweit ausbreitete und bereits Grund für die Absage einiger deutscher Messen (etwa der Leipziger Buchmesse, oder der Berliner Tourismusmesse ITB) und internationaler Fußballspiele war, beeinflusst nun also auch die Festivalindustrie. 

Die Städte, in denen die Festivals stattfinden sollten, haben jeweils ein Verbot ausgesprochen, an das sich die Festivalschaffenden halten müssen. In Frankreich etwa, dem Austragungsort der März-Edition des Tomorrowlands wurden alle Indoor-Veranstaltungen untersagt, auf denen sich mehr als 5.000 Gäste befinden würden. Bis jetzt ist noch unklar, ob und wann Ticketkäufer*innen ihren Eintrittspreis zurück erstattet bekommen. 

Die Absagen bedeuten natürlich einen unglaublich großen emotionalen, aber auch wirtschaftlichen Verlust. Festivalschaffende müssen das Verschieben oder Verbot ihrer Veranstaltungen verkraften, an denen sie mehrere Monate arbeiteten und Restaurants, Hotels und Bars dürften mit deutlich weniger Einnahmen rechnen. Das SXSW etwa, brachte 2019 immerhin ca. 355.9 Millionen Dollar an Tourismuseinnahmen nach Austin, Texas.

Für das Festival selbst entstehen Kosten von etwa 10 Millionen Dollar und es wurden rund 50 Stellen – das ist etwa ein Drittel aller Mitarbeitenden – gestrichen.

Auch hierzulande hat die Corona-Panik bereits Spuren hinterlassen. Laut einer Aussage des Verbands für Medien- & Veranstaltungstechnik sind in nur ein paar Tagen fast 90% der Umsätze der Veranstaltungswirtschaft weggebrochen. Auch neue Aufträge werden kaum noch vergeben, weil noch nicht klar ist, wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickeln wird. Viele Veranstalter*innen gaben in den letzten Tagen Statements ab, ihre Vorbereitungen liefen – bis jetzt – weiter wie geplant. In Bayern, Berlin und NRW sind jedoch bereits alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen untersagt und auch das erste deutsche Festival hat es erwischt: Das für den 14. März geplante E-Tropolis wird stattdessen Ende Juni stattfinden. In Österreich wurde sogar bereits eine Verordnung ausgearbeitet, die Veranstaltungen mit über 100 bzw. 500 Besucher*innen untersagt. Sie soll baldmöglichst in Kraft treten.

Allerdings zeigt sich auch, das Festivals innovative Ideen haben mit dem Virus umzugehen. Die m4music in Zürich wird es in diesem Jahr zum Beispiel in einer Digital-Version geben, bei der man Panels und Programm online verfolgen kann. Auch das SXSW Team arbeitet an einer ähnlichen Lösung. Wie das ganze genau aussieht, ist zwar noch nicht ganz klar, allerdings könnten diese Konzepte zukünftig neue Möglichkeiten in Sachen Barrierefreiheit und Zugänglichkeit ermöglichen. Und laut eines Statements der Medimeisterschaften – ein Festival, das komplett von medizinischen Fakultäten organisiert wird – wird „Die Letalität [von COVID-19] auf Grund vieler harmloser oder gar asymptomatischer Verläufe, die nicht registriert werden, deutlich überschätzt und die meisten Erkrankten, auch Oma und Opa, genesen dank eines funktionierendes Gesundheitssystem in Deutschland.“ 

Wer sich mehr mit dem Thema auseinander setzen möchte und erfahren will, wie man sich und andere schützen kann, findet relevante Infos hier.
Wir updaten euch natürlich auf Höme auch weiterhin zur Lage der Festivals.

Zum Schluss noch das wahrscheinlich netteste, was je aus einer Pandemie entstanden ist: Der wunderbar eingängige vietnamesische Song zum Virus. Da macht Händewaschen gleich doppelt so viel Spaß!

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