Magazin

Tomorrowland Around the World

Wege ins Digitale


 
 

text Isabel Roudsarabi
fotos Tomorrowland

2020 ist ein Jahr der Krise, Unsicherheit und Veränderung für uns alle. Die Veranstaltungsbranche hat Corona besonders hart getroffen: Keine Live-Events, fast drei Monate lang.
Doch es gibt einige Lichtblicke am Horizont. So zum Beispiel das Digitalkonzept des Tomorrowland, die etwa mit den Videoproduzenten des Super Bowl zusammenarbeiten, um ihren Fans ein einmaliges Streamingerlebnis zu ermöglichen.

 

Festivalschaffende standen im März plötzlich vor der Aufgabe ihre Communities und Gäste auch digital erreichen zu müssen, sich zu überlegen, welche Plattformen sie dafür nutzen und wie sie vielleicht auch in diesem so leeren Sommer ein bisschen Festivalgefühl in die Wohnzimmer und auf die Balkone zaubern können. Im Laufe der letzten Wochen und Monate entstanden so unzählige Konzepte, Livestreams und Aktionen, die eben genau dieses Gefühl, diese Liebe und Leidenschaft abbilden wollten.

Auch das belgische Tomorrowland will am kommenden Wochenende beweisen, dass es auch ohne Zusammenkunft geht, das Zusammensein.

Die Organisierenden haben ein Konzept realisiert, das es so bisher nicht gegeben hat und das sich auf vielen Ebenen von allen anderen Streamingformaten abhebt. Über ein Endgerät der Wahl können sich Besuchende durch Pāpiliōnem bewegen, dem digitalen Austragungsort des diesjährigen Festivals. 

In einem normalen Jahr, würde das weltweit bekannte Tomorrowland etwa 60.000 Besuchende pro Tag auf ihrem Gelände begrüßen. Aber auch in diesem Jahr bleibt es in der Location nicht komplett stumm. Vor einem Green-Screen werden Shows aufgezeichnet, die später in die digitale Sphäre des Online-Festivals eingearbeitet werden. Das Ganze ist eine virtuelle Umgebung – eine Mischung aus Videospiel und Streaming – die mittels 3D-Design und neusten Hollywood-Filmtechniken zum Leben erweckt wird. Darin bewegen sich bis zu 280.000 digitale Menschen, die Performances auf acht Bühnen, von 60 der weltweit bekanntesten Künstler*innen erleben können. Feuerwerk, Lasershow und Specialeffects dürfen nach traditioneller Tomorrowland-Manier natürlich auch nicht fehlen. 

Im Line-up finden sich neben Headlinern wie Katy Perry, David Guetta, Charlotte de Witte, oder Martin Garrix auch einige Talks. Shaquille O’Neal redet etwa darüber, wie man sich von einer Leidenschaft zur anderen weiterentwickelt, Guy Laliberté, Gründer des Cirque du Soleil, erzählt davon, wie man sein inneres Kind wiederentdeckt und Bethany Hamilton (ja, ihr wisst schon, die mit dem Hai) erklärt euch, wie ihr unbesiegbar werdet. Das Ganze klingt ziemlich absurd, wird aber bestimmt schon allein durch die Fülle an großen Namen ungemein viele Zuschauer*innen anziehen.

Das Ganze wurde von den Veranstaltenden zusammen mit dem Kreativstudio Dogstudio entwickelt, dessen CEO Henry Daubrez hier von den größten Hürden des Prozesses erzählt: 
“Unsere größte Herausforderung – abgesehen davon, dass es sich offensichtlich um eine enorme technische Herausforderung handelt – besteht darin, dafür zu sorgen, dass die Festivalbesucher das Gefühl haben, Teil von etwas Größerem als ihrem Computer und ihrer Internetverbindung zu sein. Die Menschen werden nicht nur in das neue Universum von Tomorrowland eintauchen, sondern sie werden auch in der Lage sein, mit anderen Festivalbesuchern zu kommunizieren.”

Digitale Gemeinschaften sollen also gebildet werden, Communities, die sich, wenn auch physisch überall auf der Welt verteilt, zusammenfinden und zusammen feiern. Around the World eben. 

Dass diese Idee ein großer Fortschritt in Sachen Streaming und digitale Events ist, muss man niemandem sagen. Dass es trotzdem nicht an den Moment herankommt, in dem man mit 300-50.000 anderen vor einer Bühne steht, ein gemeinsames Gefühl und eine einzigartige Erinnerung teilt, auch nicht.

Aber auch ein digitales Festival hat Vorteile gegenüber der analogen Ausgabe. Wer sich normalerweise die Flüge nicht leisten kann, oder kein Ticket mehr abbekommt, der kann in diesem Jahr – zumindest auf sozialer Ebene – eine inklusivere Veranstaltung erleben. Karten gibts schon ab 12 Euro und viel teurer wirds auch nicht, außer man möchte sich unbedingt noch eine Home-Party Box mit zwei Redbull Bechern und ein paar Konfetti-Kanonen dazu bestellen… Das lassen wir jetzt mal so stehen.  

Festivalfinder

Tomorrowland Around the World

25.-26. Juli – überall


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