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Corona & Festivals - Ein Ausblick

Sommer ohne


 
 

text Isabel Roudsarabi
redaktion Jonas Rogge, Jannis Burkardt
grafik Jannis Burkardt, Robert Winkler
fotos Dominik Wagner, Felix Strosetzki, Till Petersen, Alexander Schneider, Sascha Krautz

lesezeit 10 Minuten

Die Wetter App zeigt 15 Grad. Draußen scheint, gefühlt zum ersten Mal in diesem Jahr, richtig die Sonne, Vögel zwitschern, man hört Kinder lachen. Die Bahnen fahren wie gewohnt (noch) im 5 Minuten Takt, in den Cafés und Bars in Friedrichshain sitzen die Leute Mittags mit Aperol in einer und Kuchengabel in der anderen Hand. Frühlingsanfang.

 

Leider muss man hier auf ein altbekanntes Sprichwort zurückgreifen: Der Schein trügt. Denn die sich weltweit ausbreitende Pandemie des neuartigen Coronavirus bedroht Leben und Existenzen. Und obwohl sich einige von der Politik eine noch schnellere Reaktion gewünscht hätten, fliegt alles irgendwie an einem vorbei. Von einem Tag auf den anderen sind die Büros geräumt, Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz oder werden auf Kurzarbeit umgestellt.
Eigentlich ein guter Ansatz, in der Realität bedeutet das aber etwa für Booker*innen: 150% Arbeit und 50% Lohn. Alle Touren für die nächsten Monate müssen abgesagt, umgebucht werden, Kolleg*innen drohen gekündigt zu werden, weil die Umsätze wegbrechen.

Zuerst Bayern, dann Baden-Würtemberg, Berlin, Nordrein-Westfalen. Alle Bundesländer haben innerhalb der letzten Wochen ein Veranstaltungsverbot ausgeprochen. Zunächst waren es noch Events mit über 1.000 Besucher*innen, schnell betraf es auch die Kleinen: die Clubs, die Kneipen, die Bars, alle Festivals, mindestens bis Ende April. Die, die ein paar Tage zuvor noch Statements posteten, und beteuerten, ihre Planungen würden weitergehen, mussten sich korrigieren.

Die Ausbreitung des Virus ist eine Katastrophe. Menschen sterben, Gesundheitssysteme überlasten. Die Curve muss geflatted werden. Und ja, Menschenleben sind wichtiger als die Wirtschaft. Aber an der Wirtschaft hängen eben auch Menschenleben. Die Musikwirtschaft, die Festivallandschaft, haben aktuell mit existenziellen Problemen zu kämpfen. Wie kommt ein*e Künstler*in über die Runden, dessen Tour abgesagt wird? Was machen die Menschen, die hinter der Bühne arbeiten? Wie geht es bei Unternehmen aus der Veranstaltungstechnik weiter, wenn Aufträge wegfallen und neue nicht in Sicht sind? Wie sollen Clubbetreibende ohne Gäste ihre Miete zahlen? Und was machen eben Festivalschaffende, wenn Ticketverkäufe stagnieren, wenn – im schlimmsten Fall – ein Festival nicht stattfinden kann?
Wie sieht ein Sommer ohne Festivals aus?

Hoffnung

„Die Angst ist da“, erzählt Markus Blanke, Festivalveranstalter: „Die Angst, nicht alles greifen, voraussehen zu können.“ Zwei seiner Events musste er bereits absagen, das Mosaïque und das zeitraum Festival in der Nähe von Leipzig, werden dieses Jahr nicht stattfinden. SummerSounds, Rocken am Brocken und Moyn Moyn Festival liegen in der zweiten Hälfte des Sommers und Markus hofft, dass es sie nicht auch noch trifft. Zwar gelten die behördlichen Auflagen erstmal nur bis Ende April bzw. Anfang Juni, doch manche Veranstalter*innen sehen sich jetzt schon mit großen Konsequenzen konfrontiert. Das bestätigt auch Julian Reininger, Leiter des Bonner Green Juice Festivals:

Der Ticketverkauf ist aktuell sozusagen auf dem Nullpunkt

und die behördlichen Aussagen sind verständlicherweise sehr ungenau und vage formuliert, was die Festivalsaison, bevorstehende Konzerte und Veranstaltungen angeht.“ Die Planung des Festivals ginge aktuell aber noch weiter: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Und obwohl bereits reihenweise Festivals abgesagt oder verschoben werden, sind viele im Moment noch zuversichtlich, eine andere Wahl hat man ja eigentlich auch nicht. Versicherungen greifen erst, wenn ein behördliches Verbot besteht und auch dann erst kann man Verträge mit Dienstleistern und Artists neu verhandeln oder auflösen. Trotzdem und gerade weil wir jetzt erkennen müssen, dass es wichtig ist, dass Infektionen sich über einen längeren Zeitraum verteilen, könnte das durchaus bedeuten, dass es in diesem Sommer keine oder nur kaum Festivals geben wird.

Ausblick

Expert*innen sind sich allerdings noch nicht komplett einig, wie es weiter geht. In China werden Maßnahmen bereits wieder gelockert. So wird, nach aktuellem Stand, die Ausreise aus der Provinz Hubei, in der sich auch Wuhan, der Ursprungsort des Virus, befindet, ab dem 8. April wieder möglich sein. Gleichzeitig spricht der Charité-Virologe Christian Drosten im Interview mit Zeit Online davon, dass es ein ganzes Jahr dauern könnte, bis man die Situation wieder im Griff hat. Laut einer Studie des London Imperial College birgt das Anwenden strikter Maßnahmen für einen relativ kurzen Zeitraum eine weitere Gefahr. Diese würden zwar kurzfristig helfen, das Problem allerdings lediglich ein paar Monate verschieben, denn wenn Ausgangssperren und Verbote wieder aufgehoben wären, würde auch die Ansteckungsrate wieder steigen. Einschätzungen zufolge werden zum Beispiel reguläre Fußballspiele mit Publikum frühestens in einem Jahr wieder erlaubt. Alexander Kekulé etwa, Virologe vom Institut für Medizinische Mikrobiologie des Universitäts-klinikums Halle, schließt aus, dass 2020 noch Großveranstaltungen mit 60.000 Personen stattfinden. 

Das würde dann eben auch das Aus für die allermeisten Festivals bedeuten. 

Vermutlich werden es eben diese sein, die als allerletzte wieder den Weg in die Normalität finden. Vorher werden Kindergärten und Schulen wieder geöffnet, der Einzelhandel, später auch Bars und Clubs. 
Die Politik kann und darf sich, trotz dieser Prognosen, allerdings noch nicht festlegen. Zu unklar ist die Entwicklung und zu unvorhersehbar die Folgen, die die Pandemie in den nächsten Monaten noch haben wird – gesundheitlich, wirtschaftlich, und psychisch.

Fest steht, dass nichts fest steht. Die Lage muss beobachtet werden, jeden Tag neu evaluiert. Für Veranstaltende bedeutet das: Flexibel bleiben und so lange es nur möglich ist, mit der Planung so weiter zu machen, wie bisher.

Wahrscheinlichkeit der Absage von großen deutschen Festivals

Durch Allgemeinverfügungen im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes wurden in allen Bundesländern bis zum 19. April (teilweise kürzere und längere Fristen) Veranstaltungen und Versammlungen untersagt. Die Allgemeinverfügungen werden durch die Ministerien der Bundesländer ausgerufen und können eigenständig verlängert werden. 
Erste Entwicklungen in Städten, einzelnen Bundesländern und umliegenden Ländern deuten auf eine Ausweitung des Veranstaltungsverbotes hin. Das Schaubild zeigt potentielle Zeiträume in denen die Frist ausgeweitet werden könnte und welche Festivals im Folgeschluss von einer Absage gefährdet sind.
Festivalveranstaltende benötigen zwischen 3 bis 6 Wochen nach Auflösung eines Veranstaltungsverbotes, um mit ausreichend Planungssicherheit ihre Veranstaltung durchzuführen (Ticketverkäufe, Genehmigungen durch Behörden, Anzahlungen von Verträgen, etc.). Bereits ausverkaufte Veranstaltungen haben hierbei den größten Spielraum den Zeitpunkt der Absage auszureizen. 

Zusammenhalt

Ein Sommer ohne Festivals. Für jemanden, dessen Leben sich 6 Monate im Jahr zwischen Dixi-Schlangen, Crash-Barrieren und Zeltstädtchen abspielt, ist das unvorstellbar. Für jemanden, der den Lebensunterhalt damit verdient, eine Tragödie. Mal abgesehen, von den wirtschaftlichen Folgen, den wegfallenden Einnahmen, einem eventuellen Verlust des Arbeitsplatzes, würde das vor allem emotionale Verluste bedeuten. Für viele Festivalschaffende sind ihre Veranstaltungen Herzensprojekte auf die sie das ganze Jahr hinarbeiten. Ob ehrenamtlich organisiert oder mit einer Firma im Rücken – die Festivalindustrie ist vor allem eins: eine leidenschaftliche.

Der Stress wächst dann ins Unermessliche, weil man dazu eben einfach nicht weiß, wo die Reise finanziell hingeht. Die Veranstalter*innen des Karlsruher Soundsgood Festivals, dass 2020 zum ersten Mal stattfinden sollte, beteuern: „[Die Absage] stellt den KarlsKonzerte e.V., den Veranstalter des Festivals, durch bereits entstandene und nicht erstattbare Kosten vor erhebliche finanzielle Probleme, sodass das Fortbestehen des Vereins, als auch ein zweiter Anlauf zur Realisierung des Festivals, momentan mehr als fraglich sind.“ Die durch Corona bedingte Situation, könnte also die Zukunft der gesamten Organisation nachhaltig verändern. Joan Gabel, Mitglied des Orga-Teams erzählt außerdem: „Es ist schwierig unsere Vereinsarbeit aufrecht zu erhalten, da es ja nun quasi verboten ist.“

„Man befindet sich jetzt schon an der Grenze der eigenen Belastbarkeit, wird völlig überrollt.“, so Markus Blanke: „Wir organisieren uns im Festivalkombinat [Arbeitskreis der LiveKomm, Deutschlands größtem Verband für Clubs und Festivals, der sich politisch um die Themen der Veranstalter*innen kümmert] und wünschen uns, dass wir jetzt alle Rücksicht aufeinander nehmen. Wir halten jetzt nur mit Solidarität und Zusammenspiel durch. Egoismus ist völlig fehl am Platz.“

Neben dem #SaveTheSummer, dessen Botschaft mittlerweile auf unzähligen Socials von Veranstalter*innen und Besucher*innen zu finden ist, organisieren sich in der Initiative Festivals Stand United etwa über 60 europäische Festivals – unter ihnen zum Beispiel die deutschen Veranstaltungen Melt, Superbloom und Green Juice – und treten als Einheit auf: „We are monitoring the situation closely, and we are all, as always, cooperating closely with the authorities and the emergency services to ensure the best and safest environment for the festival community. We share experiences and knowledge with each other. 

We stand united.

Sie wollen Verantwortung übernehmen, für alle, die bei ihren Festivals beteiligt sind, ob Dienstleister*in, Volunteer, Crew oder eben Besucher*in und gehen davon aus, ihre Veranstaltungen in diesem Sommer noch stattfinden lassen zu können.
Ist diese Zuversicht aber nicht ein bisschen fehl am Platz? In den Niederlanden wurden soeben alle Zusammenkünfte, groß oder klein, bis zum 1. Juni untersagt. Die Maßnahmen scheinen also erstmal eher weiter ausgedehnt zu werden und es ist klar: Wir stehen ganz am Anfang der Krise. Selbst wenn Verbote irgendwann wieder aufgelöst oder gelockert würden, der Virus verschwindet ja nicht einfach so. Wenn bis dahin keine Medikamente gefunden oder Impfstoffe erforscht sind, die es möglich machen ihn einzudämmen, dann könnte jedes Festival, jede Großveranstaltung wieder zum „Spiel 0“ werden und eine neue Welle an Infektionen mit sich bringen.

Auf der anderen Seite steht natürlich eine Branche, die Jahre bräuchte, um sich von sechs Monaten Stillstand zu erholen. Eine Umfrage der MusicBase Brandenburg, (durchgeführt vom 13.-17. März) mit 44 Festivalveranstaltenden – privatwirtschaftlich sowie ehrenamtlich – ergab, dass der zu erwartende Schaden für die Events bei etwa 9,3 Millionen Euro läge. 11,4 Prozent der Befragten gingen bereits davon aus, ihre Veranstaltung nicht durchführen zu können, der Großteil (52,3 %) ist sich nach wie vor unsicher. Mittlerweile könnten die Zahlen deutlich gestiegen sein. Hinzu kommt, dass kaum ein Festival gegen Ausfälle auf Grund einer Pandemie versichert ist.
Aber nicht nur kleinere und ehrenamtliche Festivals sind betroffen. Das ausgefallene SXSW bedeutete beispielsweise 10 Millionen Dollar Verluste für das Unternehmen. Daraufhin wurde ein Drittel der fast 200 Mitarbeiter*innen entlassen. Auch die größten Konzertveranstalter der Welt, Live Nation und CTS Eventim, verlieren zunehmend an Aktienwert.

Der Schaden in der Branche ist also jetzt schon enorm. Vermutlich stehen wir am Ende der Krise einem umstrukturierten Markt gegenüber. Das denkt auch Rike van Kleef, Gründerin und Leiterin des Potsdamer Konterfei Festivals:

Ich glaube, dass die Kulturindustrie nach der Pandemie eine andere sein wird als vorher.

Gemeinschaft

„Die Utopie eines Festivals, dieser Weg raus aus dem Alltag, diese Bubbles, die wir bauen, um die Menschen zu erreichen – es wäre eine Katastrophe, wenn man diese Momente nicht mehr hat“, benennt es Markus Blanke. Festivals haben eben auch eine gesellschaftliche Funktion. Sie sind Orte der Zusammenkunft, unabhängig vom sonstigen sozialen Umfeld der Besucher*innen, sie versuchen Werte mit auf den Weg zu geben, sie bringen Menschen durch Musik, Kunst und Kultur zusammen.

Für Viele bedeuten Festivals ihre alten Freund*innen wieder zu sehen, neue Bekanntschaften zu knüpfen. Sie sind – wie schon so oft gesagt – mehr als Dreck und Bier, sie sind ein Gefühl, ein Moment, der ein ganzes Wochenende dauert und schwer in Worte zu fassen ist. Und sie sind eben auch Utopie und Gesellschaftskritik. Festivals sind mutig. Festivals sind Spielwiesen, sie sind Ekstase, Gemeinschaft und Austausch. Festivals sind ein großer Teil unserer kulturellen Landschaft.

„Mir wird die Zeit, das Miteinander und das Mitmachen auf Festivals und co. fehlen. Ich wäre schon happy, wenn irgendwas stattfinden kann. So werden vielleicht auch wieder kleine Events mehr wertgeschätzt“, gibt Liesa Baumgarten, alias FrauPfau, DJ und Mitglied des Kollektivs Monophobia preis: „Ich hoffe einfach, uns wird die Freiheit wieder möglich gemacht. Ich merke an mir, wie nah ich auf einmal wieder am Wasser gebaut bin.“ Eine Quarantäne, oder zumindest eine Einschränkung des öffentlichen Lebens, kann eben auch Einsamkeit und negative Gefühle bedeuten. Nicht nur für Menschen, die auch sonst wenige soziale Kontakte haben und diejenigen, die sowieso mit psychischen Erkrankungen kämpfen müssen, sondern für alle.

Und wenn schon im täglichen Leben keine Möglichkeiten mehr da sind, sich mit anderen auszutauschen, dann bräuchte es Festivals in ein paar Monaten als Ausbruch, als Zusammenkunft eigentlich umso mehr.

„Es fühlt sich alles sehr absurd an – wie in einem Film. Mein normaler Alltag ist erst mal gecancelled. Arbeit, Interaktionen mit Freund*innen, Konzerte, Geburtstagspartys, das kommende Semester, dass eventuell zum Fernstudium wird. Aktuell heißt es für mich im wahrsten Sinne des Wortes ‚Abwarten und Tee trinken.‘ Gleichzeitig ärgere ich mich über die Menschen, die sich nicht solidarisch zeigen und weiterhin in Großgruppen im Park angrillen und ‚Ferien‘ feiern.“, erzählt Rike, die selbst leidenschaftliche Festival-Besucherin ist.
Die Vernunft siegt eben am Ende. Sie sagt uns, dass wir, obwohl das kühle Bier bei der ersten Frühlingssonne des Jahres im Park deutlich besser schmeckt als in der verrauchten Küche, zuhause bleiben sollten. Dass wir soziale Kontakte minimieren müssen. Dass ein Festival, ob es nun 1.000, 10.000 oder 100.000 Gäste hat, ein idealer Ort ist, um einen Virus zu verteilen. Aber es muss eben auch darauf geachtet werden, dass wir nicht alle in den kommenden Wochen durchdrehen, weil zu wenig Freiräume da sind, wir uns eingeengt fühlen und unsere einzigen Interaktionen über abgehackte Skype-Gespräche stattfinden. Eine Quarantäne, eine Sperre für’s Rausgehen und Kultur erleben, darf nicht Monate dauern. Dann machen wir nämlich mehr kaputt, als wir gewinnen.

Chancen?

Trotz all der schlechten Nachrichten, haben sich viele Unternehmen, Initiativen und Künstler*innen bereits Konzepte und Services ausgedacht, die die nächsten Wochen und Monate auf die eine oder die andere Weise erleichtern sollen und auch Chancen für eine innovativere, diversere und nachhaltigere Kulturlandschaft mit sich bringen. „Wir sind die Kreativbranche. Wenn nicht wir, wer sonst?“, betont es Markus.

Der Ticketing-Anbieter Festicket stellt so etwa ein Flex-Ticket zur Verfügung, das jederzeit kostenlos stornierbar ist. Es werden, zum Beispiel von den Berliner Clubs in Zusammenarbeit mit Arte Concerts und radioeins oder der Kölner Veranstaltungsplattform Rausgegangen zusammen mit ASKHELMUT, unzählige Live-Stream Möglichkeiten angeboten, die die Quarantäne etwas versüßen und gleichzeitig Spenden für Kulturschaffende generieren sollen. Bandcamp verzichtete für einen Tag auf seinen Anteil der Verkaufserlöse, um den Künstler*innen etwas mehr zugute kommen zu lassen. Auch findet man in unterschiedlichsten Facebook-Gruppen Angebote, um die Langeweile zu vertreiben und aus der gegebenen Situation noch das beste rauszuholen. Etwa bildete sich die Gruppe „Lockdown Skill-swap“, in der Mitglieder sich gegenseitig ihre Fähigkeiten weitergeben und voneinander lernen können und die deutsche Gruppe „Konzert- und Festivalbegleitung“ eröffnet regelmäßig Watchparties von Livekonzerten.

Sicherlich werden hier auch in den nächsten Wochen noch Ideen und Konzepte dazukommen oder erweitert werden. So kommt eben die Krise auch der Digitalisierung des Marktes zugute und ermöglicht barriereärmere Formate. Wie lange uns allerdings Live-Streams und tägliche Video-Chats mit Kolleg*innen und Familie auf den Beinen halten, ist die andere Frage.

Solidarisierung

„Von den Besucher*innen wünsche ich mir, dass erstmal alle Regeln eingehalten werden und dass – sobald der Spuk vorbei ist – jeder Cent, der zur Verfügung steht in den Lieblingsladen, die Lieblingskneipe, Konzerte, Messen und Veranstaltungen gesteckt wird, damit es unsere Branche auch in den kommenden Jahren noch gibt. Das fängt auch beispielsweise damit an, auf die Rückerstattung ausgefallener Veranstaltungen und Konzerte zu verzichten.“, erklärt Green Juice Veranstalter Julian. Allerdings trifft viele der Festival-Gäste die wirtschaftliche Krise selbst. Einen kleinen Beitrag kann sich aber bestimmt jede*r aus dem Geldbeutel schütteln. Ob es nun ein Gutschein für den Lieblingsclub oder eben das nicht erstattete Ticket ist. 

Auch die Politik hat mittlerweile Lösungen auf den Weg gebracht. So gibt es etwa monetäre Unterstützung für Solo-Selbstständige oder Unternehmen aus der Kulturbranche, die Möglichkeit zur Steuer-Stundung oder zur einfacheren Kreditaufnahme. Und obwohl man hier auch anbringen muss, dass eine kleine Firma, ob nun Club, Agentur oder Festival, nicht wirklich die Kapazitäten hat, einen großen Kredit vor sich her zu schieben, der erste Schritt ist wenigstens schonmal getan. Die GEMA stellt außerdem ein bis zu 40 Millionen Euro schweres Hilfepaket für ihre Kund*innen bereit und versichert, dass die nächsten Ausschüttungstermine (April, Juni) so stattfinden, wie geplant. Sonderkündigungsrechte und Kurzarbeiter Geld sind weiterhin möglich. Auch KSK bietet Hilfsmittel an, die Festivalschaffende unterstützen könnten.

Ohne

Natürlich, niemand braucht Festivals zum überleben. Und sie werden ja, auch wenn es sie diesen Sommer nur begrenzt geben wird, nicht komplett verschwinden. Aber große, wie kleine Festivals haben oft keine Versicherung, die sie auch im Fall einer Pandemie absichert – das betrifft unter anderem auch das renommierte dänische Roskilde. Sie sind abhängig von Ticketverkäufen, haben häufig kein riesiges Polster, dass sie abfedert. Und so werden vermutlich einige Festivals diesen Sommer nicht überstehen.

Und da hängen eben auch Leben dran.

Die, von den Besucher*innen, die schon seit Jahren immer wieder kommen, auf dem Campinggelände ihren Stammplatz haben und alte Freund*innen wiedersehen, die von den Dienstleistern, die fest mit den Einnahmen gerechnet haben und die der Veranstaltenden, deren Herzensprojekt auf einmal nicht mehr stattfinden kann.

Ein Sommer ohne Festivals würde bedeuten, dass es nicht mehr möglich ist, im Nachbar-Camp seine große Liebe zu finden, oder mit tausend anderen die Lieblingsband zu feiern. Keine romantischen Knutsch-Momente vor der Bühne, keine Handbrotzeit. Kein Pfeffi-Trichtern nach dem Aufstehen. 
Es würde aber auch bedeuten, dass man mal durchatmen kann, dass man Zeit hat sich neue, größere Ideen für’s nächste Jahr zu überlegen. Dass große Mengen Co2 nicht ausgestoßen werden. Das Zelt säuft nicht ab, kein Matsch mehr in den Gummistiefeln, keine Rückenschmerzen vom Bier-Paletten schleppen. 
Und dann eben umso mehr Vorfreude auf die nächste Saison.

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