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Recycling auf dem Festival:

Dein Zelt kann ein Zuhause sein


Das kleine bisschen Zuhause auf jedem Festival: das eigene Zelt.
Sich nach einer durchtanzten Nacht in den gemütlichen Schlafsack kuscheln – was gibt es Schöneres? Und doch scheint die Beziehung, die uns nachts auf der Suche nach dem richtigen Schlafplatz panisch mit der Handytaschenlampe über das Campinggelände stolpern lässt, von immer kürzerer Dauer.

text Fabienne Hackel
fotos Till Petersen

Denn jedes Jahr werden immer mehr Zelte, Schlafsäcke und Isomatten (neben jeder Menge Konserven, Pavillons und anderen treuen Begleitern) teilweise noch aufgebaut, zurückgelassen. Nur für wenige Nächte genutzt, landet am Ende alles auf dem Müll.

Eine Situation, die für Dominik Bloh aus Hamburg nur schwer zu ertragen ist.
Mit 16 ist er zu Hause rausgeflogen, hat danach fast zehn Jahre auf der Straße gelebt. Dieses Jahr hat er ein Buch über seine Erfahrungen veröffentlicht, wohnt in einer kleinen Wohnung und hat einen Job. Scheint endlich angekommen.

Die Nächte auf Parkbänken, unter Brücken und in Parks hat er trotzdem nicht vergessen. Und genauso wenig, wie sehr er sich im Winter über einen warmen Schlafsack gefreut hat.

Und so kam ihm vor drei Jahren die Idee, aus der Not eine Tugend zu machen und die Zelte, Schlafsäcke und Isomatten einfach einzusammeln, zu reinigen und an Bedürftige zu verteilen. Wie schwer kann das schon sein?


Zu dieser Zeit verbrachte er den Großteil seiner Freizeit schon bei Hanseatic Help. Einem Verein, der sich 2015 als Kleiderkammer gründete, als die Flüchtlingskrise Europa zu überrollen schien und einige Hamburger der politischen Ohnmacht nicht weiter zuschauen wollten. Pragmatisch nahm man die Sache damals selbst in die Hand und fing an Kleiderspenden zu sammeln und weiterzugeben.

Aus dem anfänglichen Provisorium ist in der Zwischenzeit ein etablierter Verein geworden – doch mit Festivals hatte man nicht viel am Hut.
Für Dominik war aber direkt klar: „Wir kommen hier an Dinge heran, die wir in unserem Alltag nicht unbedingt in größeren Mengen vorrätig haben. Zelte und Isomatten werden nun mal seltener gespendet als Kleidung zum Beispiel.“.


Von der Möglichkeit mit den zurückgelassenen Campingutensilien noch etwas Gutes zu tun, zeigte sich auch FKP Scorpio (Veranstalter vieler Großfestivals in ganz Europa) begeistert. Getreu dem Motto „Dein Zelt kann ein Zuhause sein“ ist Hanseatic Help nun schon seit 2016 auf dem Deichbrand und Hurricane Festival mit einem kleinen Stand in der Camping-Area vertreten und freut sich über alle, die ihre nicht mehr gebrauchten Zelte & Co. vorbei bringen. Montag morgens streifen dann nochmal freiwillige HelferInnen über das Gelände und sammeln die letzten zurückgelassenen Schätze ein. So wird nicht nur der Müllberg den solche Festivals verursachen stetig kleiner, sondern es konnten auch schon über 1.000 Spenden an Unterkünfte für Geflüchtete, Obdachlose und andere gemeinnützige Organisationen weitergegeben werden.


Nun kommst du ins Spiel! Wenn du diesen Sommer auch auf dem Hurricane oder Deichbrand Festival unterwegs bist schau doch mal bei Hanseatic Help vorbei – und bring mit, was du nicht mehr brauchst. Jede Spende wird gereinigt, wenn nötig repariert und dann unbürokratisch in bedürftige Hände weitergegeben. Mehr über das Projekt und den Verein Hanseatic Help findest du auch auf ihrer Webseite (www.hanseatic-help.org) oder auf Facebook (www.facebook.com/HanseaticHelp).

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