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Das Metronome Festival im Interview

"Ich bekomme immer noch regelmäßig Gänsehaut"


In solchen Zeiten ein Interview zu veröffentlichen, dass schon vor Monaten entstanden ist, (wisst ihr noch damals, als man noch über den Brexit und die neue Staffel Germany’s next Topmodel gesprochen hat und Corona zumindest in Europa noch kein wirkliches Thema war) fühlt sich irgendwie falsch an. Trotzdem ist dieses Gespräch mit Barbora Šubrtová, Head of Program beim Metronome Festival in Prag, viel zu spannend, um es einfach liegen zu lassen.

text Isabel Roudsarabi
redaktion Robin Hartmann
fotos Peter Fulop, Čestmír Jíra, Lukáš Bíba, Adam Kořínek

lesezeit 12 Minuten

Zugegeben, der erste Eindruck vom Metronome, wenn man sich Aftermovies und Website anschaut, ist nicht wirklich beeindruckend. Es wirkt fast ein bisschen 0-8-15 – ein paar große Bühnen, ein paar große Namen, ein bisschen zu wenige DIY – kaum Unterschiede zu den Major-Festivals hierzulande.
Wenn man sich dann aber mit Barbora unterhält, dann wird nach wenigen Sekunden klar, dass es mindestens eine Person im Festivalteam gibt, die mit so viel Liebe daran arbeitet und so viele wunderschöne Geschichten zu erzählen hat, man könnte einen ganzen Poetry Slam damit füllen – und würde gewinnen.

Wir durften sie auf dem ESNS 2020 treffen und haben uns erzählen lassen, warum Komfort ein wichtiger Pfeiler des Festivals ist, welche Booking-Erfolge sie am meisten gefreut haben und warum es sich definitiv lohnt, demnächst mal einen Städtetrip ins Nachbarland zu planen.

Hey Barbora, danke, dass du dir Zeit genommen hast! Erzähl gern mal von deiner Postion und deinen Aufgaben beim Festival. Und wie kamst du dazu, für das Metronome zu arbeiten?
Ich bin derzeit Programmleiterin und Bookerin beim Metronome. Tatsächlich arbeite ich schon seit dem allerersten Jahr für das Festival. Das kommt daher, dass ich davor bereits mit den Gründern zusammengearbeitet habe, weil wir noch ein weiteres Festival mit einem Schwerpunkt auf aufstrebende Künstler organisieren. Man könnte sagen, ich mag Musik einfach ziemlich gerne *lacht*
Bevor ich mich in die organisatorische Arbeit rund um Festivals gestürzt habe war ich in der Promotion und Produktion von anderen Musikveranstaltungen tätig. Ich habe das Musikbusiness also schon aus allen möglichen Blickwinkeln kennengelernt. Zum ersten Mal werde ich in diesem Jahr neben meiner Hauptaufgabe, dem Programm und dem Booking, auch für einige außermusikalischen Aktivitäten auf dem Festivalgelände verantwortlich sein, darunter z.B. das Lichtdesign. Darauf freue ich mich schon besonders.

Ist es das erste Mal, das es so ein umfangreiches Nebenprogramm bei euch geben wird?
Das gibt es seit letztem Jahr, aber wir stehen noch relativ am Anfang. Deshalb haben wir erstmal nur mit vielen neuen Ideen jongliert.

Es ist schon eine Herausforderung abzuschätzen, wie man interessante, neue Thematiken für das Publikum in die Festivalsphäre einbauen kann.

Ich würde also behaupten, dass das letzte Jahr für mich eine Art ‚Jahr Null‘ in diesem Bereich gewesen ist. Dementsprechend beginnen wir dieses Jahr erst wirklich, Pläne für Installationen und die Verbindung von bildender Kunst mit der Musik vor Ort auszuarbeiten. Ich denke es wird für uns und die Besuchenden, die in diesem Jahr das Event besuchen, ein großer Schritt in eine neue Richtung sein.

Du hast erwähnt, dass du zurzeit noch ein anderes Festival betreust. Was hat es damit auf sich?
Meine zweite Liebe ist das United Islands of Prag. Es ist ein Festival mit freiem Eintritt und konzentriert sich ausschließlich darauf, aufstrebende Künstler*innen aus der Tschechischen Republik sowie einige internationale Acts zu präsentieren. Das Festival findet dieses Jahr bereits zum 15. Mal statt und wir sind mit einer Besucher*innenzahl von über 50.000 bereits ziemlich essenziell in der Szene der Stadt verankert. Die meisten davon sind extrem offenherzig und kommen hierher, weil sie neugierig auf neue Musik sind, die sie vorher noch nie gehört haben. Ich finde es wirklich cool, dass wir nun schon so lange die Chance bekommen, junge Artists einem breiteren Publikum vorzustellen. Diejenigen, die dann erfolgreich werden, spielen höchstwahrscheinlich irgendwann in ihrer Karriere auch mal auf dem Metronome Festival.


Welche Newcomer*innen sollte man sich denn mal anschauen? 
Da wäre zum einen Flohio. Sie ist ein weiblicher MC, Rapperin und Sängerin, unfassbar talentiert und mit einer Menge Charisma. Bei uns wird sie dieses Jahr direkt nach dem Auftritt von Skepta auf dem Metronome spielen, also kann man sich sicher sein, dass das besonders für Fans des Genres ein richtig guter Abend wird. Ein weiterer Act, wäre Still Corners, einfach weil ich besonders elektronische Musik und Indie mag. Mit ihrem sanften, verträumten Hauch von Folktronica sind sie eine fantastische Ergänzung für unser Line-up.
Was das Eurosonic Noorderslag angeht, bei dem wir gerade sind, bin ich extrem gespannt auf Celeste. Sie ist die Soul-Sängerin über die gerade absolut jeder hier redet, deshalb werde ich mal schauen ob sie vielleicht auch eine weitere Künstlerin ist, die für das Metronome in Frage kommt.

Hast du einen Lieblingstrack, der momentan in deiner Playlist hoch und runterläuft? 
Ja, „Dreams“ von Beck.

Dieses Jahr geht einer meiner großen Träume in Erfüllung, wenn ich ihn zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder in der Tschechischen Republik sehen kann. Es ist schon ein bisschen surreal.

Wir versuchen ihn schon seit einigen Jahren zu buchen. Andere Veranstalter*innen im Land haben sich genauso sehr bemüht, daher ist es eine richtig große Sache für uns alle, dass wir ihn letztendlich bekommen haben.

Würdest du sagen, dass er dein Lieblingsbooking der letzten fünf Jahre ist?
Ich denke schon. Vor allem wegen der Zeit, die das Ganze gedauert hat… der Weg war wirklich sehr, sehr steinig. Aber neben ihm ist mein zweitliebstes Booking, wahrscheinlich The Chemical Brothers. Wow *lacht*.
Die waren ähnlich schwierig zu bekommen, aber die abgefahrene Live-Show, die sie bieten, war es absolut wert; mal abgesehen davon, dass sie einer meiner absoluten Lieblingsacts sind. Ich bin sehr stolz, dass ich diese Erfahrung mit all den anderen glücklichen Menschen im Publikum teilen konnte.

Hast du während des Festivals auch ein kleines bisschen Freizeit, in der du dir ein paar Bands ansehen kannst?
Ich hätte gerne mehr Zeit, aber leider bin ich den größten Teil des Tages beschäftigt oder auf Abruf. Normalerweise nehme ich mir trotzdem während der Headliner Zeit, um zumindest die erste Hälfte zu sehen und mir mal einen ruhigen Moment für mich selbst zu nehmen. Aber meistens wird es dann am Ende des Sets oder schon kurz davor wieder sehr stressig. Deshalb beneide ich die Besucher*innen natürlich manchmal.

Aber im Backstagebereich zu stehen und die Menge durch die Augen der Band zu sehen ist auch ein unvergessliches Erlebnis.

Das macht dann auch die Zeit wett, in der ich nicht selbst Teil der Menge sein und Shows sehen kann.

Besuchst du auch privat Festivals?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin sehr froh diese Möglichkeit weiterhin zu haben, weil ich mich dann ausnahmsweise mal frei bewegen und den Acts zuhören kann, die ich sehen möchte. Tatsächlich ist mein persönlicher Favorit das Pohoda Festival, weil unsere Line-ups genremäßig immer ziemlich ähnlich sind und die allgemeine Einstellung zur Musik die gleiche ist. Das heißt, ich kann meistens sogar dorthin gehen und eine Band sehen, die ich auf unserem eigenen Festival verpasst habe. Außerdem kommen ihre Ansichten zu Politik und Umweltschutz dem sehr nahe, womit ich mich selbst identifiziere. Das Pohoda-Team und wir sind Freunde, also ist es immer eine schöne Gelegenheit dorthin zu reisen und so ein Festival aus einer anderen, entspannteren Perspektive zu genießen.

Beim Metronome habt ihr einen ausgeprägten Fokus auf Besucherkomfort. Kannst du mir darüber ein bisschen mehr erzählen?
Ja, diese Ausrichtung hat seinen Ursprung in unseren persönlichen Erfahrungen bei anderen Veranstaltungen und Festivals. Wir hatten es satt, endlos auf Verkehrsmittel zum Festivalgelände oder eine saubere Toilette zu warten. Manchmal kann es sogar schwierig sein einen Platz zum Sitzen zu finden, wenn man einfach nur etwas essen möchte. Wir sind der Meinung, dass solche Dinge für jede*n jederzeit als Grundvoraussetzung zur Verfügung stehen sollten, nicht nur denjenigen, die das Glück haben VIP- oder Backstage-Pässe zu ergattern. Wir wollen diesen Standardkomfort für alle bieten, denn es ist häufig schon anstrengend genug das Wochenende auf einem Festivalgelände und bei schlechtem Wetter zu verbringen. Man ist einfach erschöpft. Diese kleinen Schritte, die wir gehen, sind gar nicht so schwierig umzusetzen, aber sie verbessern das Grunderlebnis im ein Vielfaches. Es gibt dir die Möglichkeit das musikalische Programm als Publikum viel entspannter und aus einem anderen Blickwinkel aufzunehmen, weil du dir keine Sorgen machen musst, dich an diesen Kleinigkeiten erschöpfen zu müssen.

Ein großer Teil unseres Publikums ist zwischen 25 und 35 Jahren alt. Da stehen also keine Jungspunde mehr, die sich vielleicht noch nicht allzu sehr um solche Sachen scheren. Sie haben vielleicht schon Kinder und sind an einen anderen Komfort gewöhnt. Wir wollen auch für diese Menschen Lösungen anbieten und unsere andere Gäste wissen lassen, dass der Besuch des Metronome nicht bedeutet, dass man ständig und überall mit Schlamm und Schmutz zu kämpfen oder Schmerzen hat, weil man sich nicht hinsetzen kann. Ich glaube, diese Idee sollte gleichzeitig Hand in Hand gehen mit dem Schutz der Umwelt. Wir haben zum Beispiel alle Einwegkunststoffe abgeschafft. Unsere Teller, unser Besteck, unsere Flaschenverschlüsse usw. sind aus kompostierbaren Materialien hergestellt, und das gilt nicht nur für den Publikumsbereich, sondern auch hinter der Bühne für Bands und Mitarbeiter*innen.  

Auf unserem Festivalgelände verwenden wir eigentlich gar kein Plastik mehr.

Das Einzige, was wir im Moment noch akzeptieren müssen, sind kleine Plastikflaschen auf der Bühne, aber selbst dort habe ich es geschafft einige Acts davon zu überzeugen, Flaschen von lokalen Marken zu akzeptieren, die aus recyceltem Plastik hergestellt sind. Auch wenn es nicht die Art von Wasser ist, nach der zuerst gefragt wird, sind die meisten Bands letztendlich begeistert, dass wir auf diese Weise nach Vorne denken. Sie supporten den Gedanken und beschweren sich nicht über die Umstände.

Ich denke Nachhaltigkeit ist ein Thema, mit dem wir alle uns in den nächsten Jahren sehr sorgfältig beschäftigen müssen. Dazu gehören unter Anderem auch alle Reisen, die im Zusammenhang mit dem Festivalgeschäft stehen. Beispielsweise möchten wir versuchen unseren Besucher*innen die Möglichkeit zu geben, Aktivitäten zu planen und zu unterstützen, die zur Reduzierung des CO²-Fußabdrucks beitragen. Der Transport von Personen und Ausrüstung, die mit der Organisation eines Festivals verbunden sind, macht mir da gedanklich wirklich schwer zu schaffen. In den kommenden Jahren werden wir uns definitiv dafür einsetzen, Veränderungen und neue, grüne Lösungen in diesem Bereich zu schaffen. Ich glaube, dazu gibt es keine Alternative.

Findest du, dass Festivals als Kulturevent einer bestimmten Größe eine Vorbildfunktion gegenüber Bands und Publikum zu erfüllen haben? 
Ja, auf jeden Fall. Ich hoffe sehr, dass sich dieses Umdenken fortsetzt und wir in ein paar Jahren Nachhaltigkeit als Teil der meisten oder sogar aller Festivals sehen werden. Es gibt ja auch schon einige Künstler*innen, die öffentlich über diese Dinge reden und noch dringlicher um die nötige Aufmerksamkeit werben, als es vielleicht vorher der Fall war. 

Du hattest vorhin schon kurz das neue Nebenprogramm des Metronome angeschnitten. Auf welche Weisen hat sich das Festival seit seiner Premiere verändert? 
Wenn man den Veranstaltungsort von damals mit heute vergleicht ist es schon erstaunlich zu sehen, wie sehr sich unsere Zusammenarbeit mit der Stadt ausgezahlt hat. Natürlich gehört uns das Grundstück des Austragungsortes nicht, wir mieten es jedes Jahr für eine bestimmte Zeit. Dabei hat sich die Art und Weise, wie wir die Fläche nutzen konnten, im Laufe der Jahre sehr verändert. Wir haben neue Anlagen bauen lassen und wir konnten die Grünflächen im Areal so pflegen, dass sie nicht zerstört werden. Außerdem wurden neue Straßen und Verkehrswege zum und um das Gelände herum ermöglicht. Für uns, die wir uns vom ersten Tag an mit dem Festival identifiziert haben, ist das ein großer Erfolg.

Ich würde auch sagen, dass sich all dies parallel zu unserem Line-up entwickelt hat. Am Anfang hatten wir – aus Mangel an einem besseren Begriff – eher ‚klassische‘ Künstler*innen wie Iggy Pop oder Sting auf der Bühne. Später aber haben wir die extrem dynamische Entwicklung in der heutigen Musik erkannt und sind entsprechend mehr mit der Zeit gegangen. In den ersten zwei Jahren haben wir zum Beispiel keine modernen Pop-Acts präsentiert; wirklich null. Und heute ist einer unserer Headliner ein Grime-Künstler. Wir entwickeln uns also gemeinsam mit der Musik und den Menschen im Publikum. Dabei beobachten wir die Veränderungen in der Popkultur sehr genau und ich würde sagen, dass das Festivalgelände und unser Line-up diese Akribie widerspiegeln. Beides hat über die Jahre nur fortschrittlichsten Veränderungen erlebt.

Eine unserer langsameren Entwicklungen, unserer „slow steps“, ist wiederum zum Beispiel der Versuch, uns für ein internationales Publikum zu öffnen. Das ist vielleicht aktuell noch nicht so sichtbar, aber es steckt dennoch viel Konzeptarbeit dahinter. Wir haben als regionales Festival in Prag begonnen, das für ein überwiegend tschechisches Publikum konzipiert war, aber im Laufe der Jahre ist uns nun klar geworden, dass wir mit dieser wunderschönen Stadt um die Ecke auch Besucher*innen aus anderen europäischen Ländern anziehen wollen. Wir versuchen, das vor Allem durch einen sehr selektiven Booking-Prozess zu erreichen. Prag liegt sehr zentral auf dem europäischen Festland, warum sollen wir also nicht Menschen von überall einladen, sich hier einmal im Jahr zum Feiern  treffen? Die Stadt ist für Reisende extrem gut zugänglich, sowohl mit dem Flugzeug als auch mit dem Zug oder sogar mit dem Auto, sodass der nächste große Schritt für uns logischerweise darin bestehen muss, uns der internationalen Szene zu öffnen.

Ich habe auch das Gefühl, dass es auf dem gesamten Festivalmarkt eine solche Entwicklung gibt. Die Leute entscheiden sich nicht mehr primär dafür, Festivals nebenan zu besuchen, sie wollen reisen und dabei neue Erfahrungen sammeln. So mancher sieht das vielleicht sogar als eine Art „Urlaub+“. 
Genau so sehe ich da auch. Da gibt es bei uns aber zwei Seiten der Medaille, finde ich. Auf der einen Seite hat das tschechische Publikum unendlich viele Möglichkeiten, sich Festivals in ganz Europa auszusuchen. Je nachdem, für welches Land man sich schließlich entscheidet, kann es natürlich etwas teurer oder günstiger sein, aber generell erleben wir, dass viele bereit sind mehr zu bezahlen um mehr geboten zu bekommen. Das zwingt uns also, die bestmögliche Erfahrung anbieten zu wollen, um mit anderen internationalen Festivals konkurrieren zu können, die diese Besucher*innen in der Vergangenheit von uns weggelockt haben, weil wir ihnen nicht das bieten konnten was sie gesucht haben. Das ist also auch ein hartes Geschäft.

Aber ich glaube trotzdem, dass die Konkurrenz unter Veranstalter*innen wiederum in der Lage ist die Standards für Festivals in ganz Europa anzuheben.

Wie sieht es mit dem Thema Barrierefreiheit bei euch aus?
Ich glaube, dass wir im Bezug auf Barrierefreiheit eines der freundlichsten Festivals in der Tschechischen Republik sind. Wir haben den Vorteil, dass wir im Stadtzentrum liegen, sodass es in der Regel einfach ist, mit der U-Bahn zum Festivalgelände zu fahren. Die Haltestelle ist nur 200m vom Eingang entfernt und unser Festivalgelände ist ebenerdig gehalten, sodass es für Besucher*innen mit körperlichen Einschränkungen keine Hindernisse gibt, auch nicht im Rollstuhl. Wir stellen außerdem vor jeder Bühne einen eingeschränkten Bereich zur Verfügung, der behinderten Menschen die Möglichkeit gibt, die Shows mit genug Freiraum und guter Sicht zu genießen.

Gab es in deinem Leben einen Moment oder ein bestimmtest Ereignis, das dafür gesorgt hat dich für deinen Job und die Festivalszene im Allgemeinen zu begeistern?
Ja, mir fällt dazu sofort etwas ein. Ich habe mich schon als Teenagerin für Musik interessiert, wusste aber nie so recht, wie ich das später mit meinem Beruf verbinden kann. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das, was ich es jetzt mache, meine Art von Arbeit wäre.

Musik war meine Leidenschaft, aber davon einmal leben zu können klang utopisch.

Als ich angefangen habe zu studieren, habe ich dann regelmäßig Live-Shows und Performances besucht; wie man das eben tut, wenn man jung ist und versucht, Spaß zu haben. So kam es letztendlich auch, dass ich DJ geworden bin. Ich habe die elektronische Musikszene einfach so sehr geliebt, dass ich das ausprobieren musste. 

Mehrere Jahre lang war ich dann sehr intensiv als DJ aktiv, vielleicht 3-4 Mal pro Woche, und etwa zur gleichen Zeit habe ich dann auch begonnen ehrenamtlich in einer NGO zu arbeiten, die ein Festival organisierte. Es hat dann nicht lange gedauert, dass ich dort immer involvierter geworden bin, bis ich schließlich Produktionsleiterin wurde. Mir ist bewusst geworden, wie sehr ich es liebe, Dinge zu organisieren und zu networken, besonders wenn ich diese Aufgaben mit meiner Liebe zur Musik verbinden kann. Nachdem ich das zwei Jahre durchgezogen habe bekam ich eine Anfrage von United Islands of Prague und der Rest ist quasi Geschichte. Hier bin ich dann hängengeblieben – im positiven Sinne *lacht*.
Obwohl ich nun schon so lange in der Musikindustrie arbeite, bereitet es mir immer noch unglaubliche Freude mir Shows anzusehen und neue Talente zu entdecken. Ich bekomme immer noch regelmäßig Gänsehaut. Wenn dieses Gefühl irgendwann nachlässt, ist es vermutlich Zeit für mich eine Pause einzulegen. Aktuell, trotz dessen, dass es schon 10-15 Jahre sind, habe ich aber nicht den Eindruck dass dieser Moment allzu bald kommen wird.

Erinnerst du dich an einen liebsten Moment in der Geschichte des Metronome Festivals? 
Das war definitiv Massive Attack zu sehen. Sie haben „Unfinished Sympathy“ als letzte Zugabe gespielt. Ich habe im Nachhinein mit vielen Leuten gesprochen, die das Konzert damals besucht haben, alle davon riesige Massive Attack-Fans, und sie alle haben mir gesagt, dass es eine der besten Shows der Band war, die sie je erlebt haben. Als sie diesen Song gespielt haben, hatte ich sofort ein Flashback zu meinem 15-jährigen Ich. So alt war ich, als ich die Band für mich entdeckt habe. Zu dem Zeitpunkt hätte ich mir niemals träumen lassen, 2018 in diesem ganz bestimmten Moment vor der Bühne zu stehen. Das war wirklich etwas Besonderes.

Gibt es noch etwas, dass du unbedingt noch über euer Festival erzählen möchtest? 
Was man wissen sollte ist, dass sich das Gelände in einer sehr schönen Gegend innerhalb Prags befindet: im Zentrum der Stadt auf einem ehemaligen Erholungs- und Parkgelände. Ungefähr die Hälfte des Areals besteht aus Asphalt und die andere Hälfte ist Teil der angrenzenden Grünflächen mit Bäumen und Wiesen, auf denen man sich hinlegen und zwischen den Konzerten wieder ein wenig auftanken kann.

Wir haben drei Open-Air-Bühnen, die im Wechsel bespielt werden, sodass ihr in der Lage seid, alle eure Lieblingsacts zu sehen, ohne Kompromisse machen zu müssen. Außerdem bieten wir zwei überdachte Club-Stages, vor denen bis in den frühen Morgen hinein gefeiert werden kann.

Unser Publikum ist sehr freundlich und locker drauf. Einige davon sprechen vielleicht kein gutes Englisch, aber das ist eigentlich kein Hindernis. Es sind trotzdem großzügige Menschen *lacht*.
Ihr werdet das Metronome besuchen und euch mehr als willkommen geheißen fühlen. Es ist eines unserer größten Anliegen allen Gästen das Gefühl zu geben dazuzugehören, egal aus welcher Region oder welchem Land sie angereist sind. Ich denke der Hauptgrund, warum dieses Konzept so gut funktioniert, ist, dass unsere Besucher*innen sehr respektvoll miteinander umgehen. Ihr werdet es nicht erleben, in Menschenmengen herumgeschubst oder beleidigt zu werden.

Unser Veranstaltungsort wäre im Prinzip in der Lage, doppelt so viele Menschen zu beherbergen, wie wir Tickets verkaufen. Wir möchten, dass ihr in der Lage seid euch in der Show zu verlieren ohne Sorge darüber, dass euch vielleicht gleich jemand Fremdes unfreiwillig auf den Rücken springt. Ich denke die meisten neuen Besuchenden wird es überraschen, wie angenehm es sein kann an einem Festival unserer Größenordnung teilzunehmen. Es muss nicht immer stressig und überfüllt sein. 

Beim Metronome kannst du dir immer auch eine Auszeit nehmen und durchatmen.
Festivalfinder

Metronome Festival 2020

17. – 19. September – Prag


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