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Höme Unfiltered:

Loslassen mit Martin Kohlstedt


Einatmen. Ausatmen. Zunge raus. Augen verdrehen. Loslassen.
Für Martin Kohlstedt ist ein Auftritt der absolute Befreiungsschlag. Der Komponist, Pianist und Produzent findet sein Ventil in der Musik.


interview & text Isabel Roudsarabi
redaktion Lena Dierkhüse, Henry Alves
fotos Sascha Krautz, Isabel Roudsarabi,
             Konrad Schmidt, Peter Runkewitz
video Jannis Burkardt

lesezeit 15 Minuten

Gleichzeitig gibt es für ihn auch die Business-Komponente, sein eigenes Label, die Personifikation seiner eher kritischen, nach Sicherheit strebenden Seite. Martin ist Ausbruch und Zurückhaltung, Leidenschaft und Stolz; immer wahrhaftig. Seine Konzerte bewegen, sie sind immer neu, nie vorhersehbar und wecken immer andere Gefühle.

Im Sommer hat er auf dem Arte Concert Zeitgleich Festival – einem Livestream Event vom Watt en Schlick, Sound of the Forest und Rocken am Brocken – gespielt. Wir haben Martin im Harz vor einer atemberaubenden Berg- und Waldkulisse getroffen, und mit ihm über seine Musik, seine Ängste und avantgardistische, russische Elektro-Festivals gesprochen. 


Hallo Martin, schön dass es geklappt hat. Wie hat sich dein Auftritt gerade für dich angefühlt?
Martin Kohlstedt: Ich komm ursprünglich aus der intuitiven und improvisierten Ecke, da ist es natürlich viel schwieriger den Taskmanager laufen zu lassen, wenn ich genau 30 Minuten Zeit habe und mir gegenüber Menschen mit gestressten Gesichtern gestikulierend mitteilen, dass ich nur noch 3 oder 4 Minuten Zeit habe. Andererseits auch eine schöne Herausforderung. Sich selbst zu beobachten, wie und was man eigentlich macht. Es war viel komprimierter, wie ein kleines Medley für sich. Deswegen war es sehr schön und ist gut gelaufen. Hätte ich gar nicht gedacht, dass das eine halbe Stunde schon möglich macht.

Wirst du dir die Show im Nachhinein nochmal anschauen?
Ja, klar, aber mit kritischem Blick. Wie kommt der Sound rüber? Wie funktionieren diese elektronischen Peaks, wenn man keine Bass Boxen zuhause hat?  

Du bist also jemand, der seine Live Videos zuhause nochmal anschaut und beurteilt ob was besser gemacht werden könnte?
Genau. Ich habe sehr früh mein eigenes Label gegründet und habe auch früh gelernt, die Qualität meines Auftritts von vielen Seiten zu beleuchten. Ich versuche mich da als Künstler von außen zu betrachten. Eine ambivalente Hälfte von mir arbeitet quasi sehr streng und diszipliniert, damit diese kindliche, voll durchgeknallte, intuitive Hälfte auch Kind sein darf. Dabei merke ich, wie diese Teile immer so hin und her schwanken und ich verteidige beide Seiten davon. Da bin ich ein bisschen kontrollsüchtig. Dabei frage ich mich Dinge wie: „Will man das alles so sehen? Ist der Sound in Ordnung? Kommt das so gut und richtig rüber?“ Gerade dann, wenn die Sets oder Videos sehr kurz sind, sieht es nach Konzept aus, oder vielleicht auch nach Fake oder was auch immer. Es ist aber in allen Fällen echt und das ist für mich das Wichtigste.



Schaffst du es trotzdem, dir diese andere Welt zu bewahren? Diese beiden Seiten voneinander zu unterscheiden? Den Abstand zu behalten?
Das hat sich irgendwie, irgendwann so ergeben. Beim ersten Pressefoto zum Beispiel. Da schaust du wahnsinnig ernst aus und siehst dabei gleichzeitig die Person, die es mal werden soll. Andererseits kennst du dich selbst auch in deinem aktuellen Zustand. Zwischen Vision und Status-Quo spielt die Musik. Man formuliert Ziele und kümmert sich um das Label und darum, dass alles so funktioniert. Im gleichen Moment bist du aber auch der Künstler, um den sich alles dreht. Der Wechsel zwischen den Rollen ist aber auch sehr spannend und in dem Moment, wo man die Bühne betritt, herrscht dann plötzlich wirklich mal Freiheit.

Du hast auf der Bühne auch gerade deinen “Tunnel” angesprochen? Wie sieht der für dich aus? Was fühlst du? Woran denkst du? 

Hast du dieses Gefühl vom Loslassen nur auf der Bühne?
Ich hatte es früher auch allein mit dem Piano. Aber jetzt merke ich schon, dass ich mehr verlange, als nur zu spielen; dass ich daraus direkt was bauen möchte um es dann zu verwerten. Mit dem Spiegel Publikum fällt mir das tatsächlich leichter. Da steigt plötzlich das Selbstvertrauen und dann fallen auch Gedanken der Ängste, Hürden oder Krämpfe automatisch weg, die man manchmal sogar allein zuhause hat.

Du beschreibst diese beiden Seiten von dir. Wobei eine kontrolliert und streng ist und die andere auf der Bühne loslässt. Hast du das Gefühl, dass – ich beschreibe es mal als Versionen deiner selbst – du in der einen Version mehr du selbst bist oder ist es die Mischung von beiden, die dich ausmacht?
Das ist eine sehr schöne Frage. Anfang 20 fühlte ich mich komplett fake und dachte ich müsste meine echte Persönlichkeit freilegen. Mir wurde dann aber mehr und mehr klar, dass ich durch dieses Beschützen des, sagen wir mal, Kerns, auch zu dieser Person geworden bin. Wobei ich dann auch sehr geradlinig und militärisch im Umgang mit mir selbst bin. So lieb ich mit Mitarbeitern und Freunden bin, desto härter bin ich dann mit mir. Aber das hilft mir komischerweise sehr. Ich unterdrücke mich dann selbst etwas und wenn ich dann auf die Bühne gelassen werde, dann ist das als würde ich freikommen. Und dann? Dann rutscht alles sofort runter.

Man wird zwölf Kilo leichter und man macht einfach. Ohne, dass man es bremsen muss.

Kannst du dich noch an deine ersten Male am Klavier erinnern? Wie war da deine erste Erfahrung? Hattest du Klavierunterricht?
Das Schöne ist, dass es keine Lehre gab. Alles was man als 13 jähriger Junge macht, hat man für andere gemacht. Seien es die Schulnoten, im Unterricht den Klassenclown spielen oder einen Sport verfolgen. Es war alles eher leistungs- und sicherheitsorientiert motiviert, durch eine gute Portion Druck. Nur das Klavier bei uns im Wohnzimmer, dort war es anders – wenn ich dann von der Schule heim kam und eigentlich einen Puls von 180 hatte, weil man jedem gerecht werden musste. Die Bühne war eigentlich die ganze Zeit da und beim Spielen kam dann die Entspannung. Als wäre ich zusammengesackt – wie andere eben Yoga machen, malen oder sowas.

Teilweise habe ich nur einzelne Töne gespielt und nichts davon verlangt. Drei Jahre später habe ich dann doch mit dem Klavierunterricht begonnen und sofort kam die Leistung mit rein. Aber diesmal war es trotzdem anders. Wahrscheinlich war es der Stolz, der mich angetrieben hat mir meine Leidenschaft nicht wegnehmen zu lassen. Die eigene Sache endlich mal zu verteidigen. Ich wollte mehr dazu lernen und ich wollte diese Dinge können, aber dann will ich sie auch auf meine Sachen und Gedanken anwenden und nicht nur Für Elise spielen. Das war auch in der Entwicklung ein ganz spannender persönlicher Moment.

Was du sagst, klingt richtig und wichtig. Jeder scheint auf der Suche nach einem Ventil für sich selbst zu sein. Um sich selbst zu hören und die eigene Freiheit zu erforschen, abseits von dem Druck und der Schnelllebigkeit. Klingt so als hättest du dein Outlet in der Musik gefunden, für alles was du bist und was du fühlst?  

Absolut, mit dem spannenden Punkt, dass es ein öffentlicher Moment ist, der auch noch Existenzen bezahlt. Ich kam mit mir ins Gespräch und andere kamen mit sich ins Gespräch. Eine Art passive Kommunikation hat stattgefunden. Eine dauerhafte Win-Win Situation. Ich therapiere mich und schaffe es gleichzeitig, dass diese Verbissenheit auch irgendwann mal aufhört.

Wie waren für dich die letzten Monate? War es das erste Konzert seit Corona, dass du wieder gespielt hast? 
Es haben sich die ersten Konzepte ergeben. In Erfurt ging es los mit bestuhlten Konzerten. Dann gab es wieder Solo-Pianokonzerte vor einer beschränkten Personenanzahl, um die 100 Menschen. Hat sich ein bisschen wie am Anfang angefühlt. In Köln gab es auch Kopfhörer-Konzerte am Rhein. Heute, hier, mit Arte Concerts direkt im Wald, ist es auch eine ganz andere Atmosphäre. Mal schauen wo das alles hinführt. Es wäre auf alle Fälle schön, das mal wieder zu haben. Das Große.

 
 

Hat dir was gefehlt im Lockdown? 
Das klingt jetzt komisch, aber die erste Phase hat bei mir positive Reaktionen hervorgerufen. Dieses Zurückziehen hat in mir eine absolute Ruhe ausgelöst. Ich wollte mich sowieso gerne nach langer Zeit mal wieder zurückziehen und wieder rumprobieren. Der Weg nach Innen – den hatte ich vermisst. Corona kam an der Stelle wie eine Hilfe. Ich habe die Zeit genutzt um mich mit mir selbst wieder auseinanderzusetzen und musikalisch auch nur mal für mich zu spielen.

Kochen, Spazierengehen und im Bademantel am Klavier sitzen

Oder auch Tage, wo man sich sagen durfte, heute habe ich mal keine Lust und das ist dann auch in Ordnung. Dann vielleicht morgen. Kein ständiger Blick auf die Uhr. Es waren eben alle in der gleichen Wartehaltung. In der ersten Zeit kam also ein starker Inspirationsschub, aber dann, nach den ersten drei Monaten, die Zweifel. Besonders musikalisch. Ich konnte die Stücke niemanden mehr zeigen, war aber auf Feedback angewiesen. Ich konnte meine Sachen nicht mehr bewerten und habe mich im Kreis bewegt.  



Hast du währenddessen einen Tick entwickelt oder irgendeine Gewohnheit, die du ganz schlimm fandest, oder auch sehr angenehm?
Oh ja, da ist einiges, was ich ganz schlimm fand. Gerade wenn ich auf die Monate zurückblicke. Ich bin teilweise zu faul geworden meine sechs bis neun Treppenstufen im Haus hochzulaufen um mir richtige Klamotten anzuziehen. Mein Tick war eigentlich jeden Tag wie ein Murmeltier auszuschauen und das mit den immergleichen Sachen. T-Shirt als Hose tragend. So bin ich auch jeden Tag in die gleiche Routine gefallen. Lange ausschlafen, weil man das gerade kann. Meine Sachen vom Vortag angehabt und nach unten ans Klavier. In den Tag hinein gelebt und Sachen aufgenommen, neue Stücke gemacht und die Zaghaftigkeit aufgegeben. Mir selbst gesagt, dass es jetzt einfach so sein darf wie es ist. Das hat bei mir Krämpfe gelöst und war wirklich sehr sehr schön. 

Hättest du dir die Zeit genommen, wenn Corona nicht gewesen wäre?
Es war geplant fürs Album-Aufnehmen Zeit zu nehmen. Aber das kennt man ja: Dann muss es doch in einem Monat fertig sein und es hätte wahrscheinlich in einem Desaster geendet. Und plötzlich hatte ich die Zeit und die Chance mir zu sagen:

Jetzt machst du mal ein Album, wie du es dir im Bilderbuch vorstellst. Aber auch das wurde dann zum Desaster. Dieses Murmeltier-Leben hat mich Wochen vergessen lassen. Ich habe gemerkt, ich verfaule.

Mittlerweile normalisiert es sich wieder bei dir?
Allein, dass wir hier sitzen und ich gerade das Konzert spielen durfte, ist schon ein Ausblick auf Normalität. Zu wissen, wir sind irgendwie da und spüren, dass die Menschen auch Live Konzerte vermisst haben.

Gehst du privat auch auf Festivals?
Ne, das wird dann zu viel. Man ist auf so vielen Festivals unterwegs, dass das völliger Unfug wäre. Man macht die Tour eher zum Urlaub und entscheidet dann, ob man länger auf dem Festival bleiben möchte. Das ist wie unser eigens geschaffenes Familienmodell. Immer mit Auto, in dem man dann auch schläft.

Erinnerst du dich an deinen schönsten Festivalmoment aus den letzten Jahren? Egal ob auf der Bühne oder im Backstage?

Richtiges Freiheitsgefühl in dem Moment.
Bei mir geht es sehr viel um solche Momente – solche Freiheitsmomente. Deswegen kamen zum Beispiel auch irgendwann die elektronischen Instrumente zum Klavier dazu. Ich brauchte immer härtere Werkzeuge um mich selbst aus dieser Routine zu bringen. Das hilft mir beim Spielen flüssig und dynamisch zu bleiben und nicht wieder in vorgefertigte Muster zu fallen.

Improvisation kann man sich einreden. Du ertappst dich dabei, dass die Konzerte irgendwann ähnlich klingen. Da musste ich mir selbst ein Bein stellen, das ging nicht anders.

Das Neue kann das Papier wieder weiß streichen. Auf einmal hatte ich viel mächtigerer Mittel, meine Gedanken nochmal komplett zu verwerfen. Dadurch habe ich mich auch ertappt, wie ich auf einmal auf der Bühne geschrien habe und Dinge gemacht, die ich vorher noch nie gemacht habe, die dann aber trotzdem aus mir heraus gekommen sind. Wenn man das dann auch zulässt, löst das um dich herum und auch bei dir selbst wahnsinnige Wellen aus.

Du spielst ja auch viel auf internationalen Bühnen. Gibt es Unterschiede auf den Festivals und Konzerten im Ausland? Was hast du wahrgenommen?
Ja, die Mentalitäten sind anders und ebenso der Umgang mit Live-Musik. Da stehe ich in Belgien und die Menschen klatschen nicht während des Konzerts und alles schaut verschwiegen aus. Du glaubst du versetzt gerade alle in Langeweile. Dann fährt man 80 Kilometer weiter in die Niederlande, da starten sie mit stehenden Ovationen und du fühlst dich gleich richtig abgeholt. Da merkt man plötzlich, wie sehr man von den verschiedenen Mentalitäten abhängig ist.


Es sind ganz viele Blickwinkel, aus denen man aber auch viel lernen kann,was einem am meisten bedeutet. Im Label fördern wir gerne die kleinen Auftritte und versuchen, in jedem Land auch kleine Städte einzuplanen um diese kleinen Zeremonien dort zu feiern, wo den Menschen die Musik an erster Stelle steht.

So unterschiedlich die Länder sein können, können es doch vielleicht auch die verschiedenen Locations. Du hast ja auch schonmal in der Elbphilharmonie in Hamburg gespielt. Wie fühlt sich so etwas für dich im Kontrast zum Festival an?
Wenn man in einer großen Kirche, in der Elbphilharmonie oder einer klassischen Halle ist, wird durch diese statische, steife Umgebung auch gleich etwas eher Steifes von mir verlangt. Da mache ich intuitiv meistens das Gegenteil. Ich merke, wie dann sofort Elektronik raus quillt und es eher scheppern soll. Man nutzt diese Reibung aus, um den Abend zu entwickeln. Und ja, gleiches gilt manchmal auch für Festivals, wenn um mich herum die großen, lauten Bühne sind, spiele ich gerne leiser Piano. Einfach so, dass man es kaum hören kann. Wie bei den Ländern, ist es auch auf den verschiedenen Veranstaltungen. Das Publikum ist immer anders.

In den klassischen Häusern treffen sich auch gerne Menschen, die rotweinschwenkend versuchen, sich den neoklassischen Begabtenkomplex reinzusaufen. Nach dem Motto: „Ach schön, sind wir intellektuell heute.“ Diese Erwartung nicht zu entsprechen und sich dann auf Augenhöhe mit dem Publikum wiederzufinden. Erst dann herrscht eine gewisse Leichtigkeit und es wird richtig romantisch.

Man wächst mit dem Publikum zusammen, man ist nicht der Revoluzzer und kämpft gegen das eine oder das andere. Man findet sich und erfährt zusammen was Neues und wird dadurch auch erwachsener.
Ja, ganz genau! Schön, zusammengefasst.

Wovor hast du Angst?
Ich muss wirklich sagen, tief im Innern bin ich noch immer auf das Eichsfeld [Landkreis in Thüringen, Anm. d. Red.] getrimmt. Da wird man sehr früh schon auf das Arbeitsleben vorbereitet und irgendwann wird die Kindheit gekappt und dann heißt es: „Kümmere dich, Junge!“ Für mich ist wichtig, auch langfristig ein paar Rücklagen zu haben. Ich möchte mich und meine Leute durchbringen. Ich möchte für meine Mitarbeitenden Sicherheiten bieten. Ich möchte deswegen ruhig schlafen können. Da bin ich brutaler Selbstexistenzbeschützer. Momentan ist meine größte Angst, ob solche Veranstaltungen, wie unsere geplante Europatour für Februar/ März stattfinden. Es ist also immer dieser alte, 50-prozentige Eichsfelder in mir, der plant ein bisschen weiter voraus und jetzt ist Abwarten angesagt. Ganz unschön im Wartezimmer zu sitzen.

Da du gerade davon sprichst. Wie bist du aufgewachsen, wie war deine Kindheit? War das Ziel eher Ausbildung, Beruf und im Anschluss Geld verdienen? Kam Druck von deinen Eltern?
Nein, es kam nie direkter Druck. Es war wohl eher die ganze ländliche konservative, katholische Gesellschaft des Eichsfeld, die diesen Druck spiegelte. Der Druck von außen der einem versucht mitzuteilen: „Jetzt komm‘ mal zu Potte!“ Es gab da auch die Metapher vom “Triebe Abschneiden”. Also immer wenn du auf eine Idee kamst, die es vorher noch nicht gab, wurde da sofort mal geschnitten. Aber, wenn ich ehrlich bin, erhöht das nur den Druck im Kessel, sodass du dann irgendwann doch überläufst und mit den Ideen zu Tage kommst.

Dann befreist du dich auf einmal schreiend aus diesem Gerüst und du tickst ganz plötzlich einfach aus. Das hat sich bei mir in der Musik geäußert.

Da hat sich ganz viel Kreativität und Mündigkeit angestaut, wofür die Musik dann mein Kanal war. Im Studium hatte ich versucht, statt Musik etwas anderes zum Ausdruck zu bringen. Ich habe Medienkunst und Mediendesign an der Bauhaus-Universität in Weimar studiert und habe mich dort mehr mit Science-Fiction Büchern und Robotern beschäftigt. Musiker zu werden war damals in meiner Umgebung wie Astronaut zu werden. Begriffen haben es dann alle in der Elbphilharmonie, dass es doch ein bisschen ernster gemeint war.

Selbst mein Opa hat nach dem Auftritt gesagt: „Ja Martin, das kann man hier schon mal genießen, aber kreativ bleiben, das musst du hinkriegen!“ Es sind Formen der Liebe und der Sorge, die ich mit einem herzerwärmenden Schmunzler annehme und schlucken kann.

Und die wahrscheinlich auch antreiben?
Total, man kann nicht hier sitzen bleiben und sich zurücklehnen und denken, ja jetzt bleibt alles so wie es ist. Man muss immer wieder aufs Neue Schlips-Tretereien vermeiden immer auf andere aufpassen und immer neu denken und probieren. Da hatte er Recht mit.

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Isabel Roudsarabi

Hallo, ich bin Isi. Seit ein paar Jahren verbringe ich meine Sommer am liebsten zwischen Zeltstädtchen, Bühnen und an der Schlange vorm Dixiklo, manchmal in der Produktion, manchmal, um später etwas über diese zauberhaften Ereignisse zu berichten zu können. Zwischen Weinschorle, Trichtern (kann ich nicht, ist aber immer lustig, wenn andere davon kotzen), dem Trällern großartiger Evergreens (beispielhaft zu nennen wäre hier das gesamte Repertoire des High School Musical Casts), und ungemütlichem Zelt-Sex sind Festivals Utopie und Freude und immer wieder Orte, an denen wir uns neu erfinden können oder genau so bleiben, wie wir sind. Sie sind Zuflucht und Save Space und ganz viel Liebe.
Ende 2017 habe ich angefangen ein bisschen was für Höme zu schreiben. Irgendwie bin ich dann nach Berlin gezogen und jetzt bin ich hier. 

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