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Ein Interview über Wachstum und musikalische Vielfalt

Geschmacksfragen mit dem Wintergrün Festival


 
 

text Jens Grabietz
redaktion Robin Hartmann
fotos Jan Schnieders, Yannick Wilmsen, Minutenmusik

„Indie – Experimental -Techno“ – so betitelt das Wintergrün Festival aus Paderborn das eigene Programm. Im Interview erzählt Booker Markus von den ersten Schritten des jungen Festivals, persönlichen Booking-Erfolgen und neuen Möglichkeiten, die mit dem Wachstum der Veranstaltung einhergehen.

 

Bitte stell dich doch mal kurz vor. Name, Alter, wie lange bist du schon für das Booking zuständig und wie fing alles an bei dir?
Ich bin Markus, 25 und seit Ende 2017 für das Booking beim Wintergrün zuständig. Seitdem ich 16 bin, spiele ich in einer kleinen Post-Rock/Shoegaze-Band, für die ich von Anfang an das Booking gemacht habe. Als ich dann 2014 an der Universität Paderborn angefangen habe ‚Populäre Musik und Medien‘ zu studieren, war mir klar, dass ich mein Pflichtpraktikum bei einer Booking Agentur machen möchte. Das hab ich dann letztendlich auch in Köln bei Landstreicher Booking gemacht. Zeitgleich ist die Idee, kleine Wohnzimmerkonzerte in Paderborn zu veranstalten, so weit gewachsen, dass wir Club-Shows in Paderborn und Köln gemacht haben und dann meinten: „Hey, lass doch mal ein Festival machen!“ Da mir das Suchen und Entdecken neuer Künstler und auch die Organisationsarbeit schon immer Spaß gemacht haben, habe ich dann relativ schnell das Booking übernommen.

Ein Song, der in diesem Jahr bisher besonders häufig bei dir gelaufen ist?
Das Jahr ist ja noch ziemlich jung, aber Habit von Still Woozy läuft bei mir fast jeden Tag.

Ein musikalischer Geheimtipp für dieses Jahr?
Als ich letztens auf einem Leoniden Konzert war, hab ich dort Mia Morgan als Support-Act gesehen. Ich denke, dass wir in nächster Zeit noch von ihr hören werden!

Wie würdest du das Rezept für euer Line-Up in einem Satz zusammenfassen?
Don’t be afraid to be weird!



Gibt es so etwas wie einen großen persönlichen Erfolg beim Booking des Festivals in diesem oder letztem Jahr?
Als wir das erste Mal darüber gesprochen haben, ein Festival zu veranstalten, hätte ich mir niemals erträumen lassen, And So I Watch You From Afar bei uns als Headliner begrüßen zu dürfen. Darüber hinaus war es aber auch wahnsinnig schön, so viele aufstrebende, interessante Bands, die ich schon länger verfolge, bei uns zu haben.

Welcher Act wird dieses Jahr besonders gut und über welchen freust du dich bisher am meisten?
Da fällt’s mir wirklich schwer, mich auf einen Act festzulegen, aber wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen Pabst und Gender Roles, weil deren Musik mich in letzter Zeit krass abgeholt hat.

Was hat sich im Vergleich zum ersten Wintergrün Festival in Sachen Musik bei euch geändert?
Ich würde sagen, dass wir es erweitert haben. Das liegt vor allem daran, dass wir jetzt zwei Tage stattfinden und auf einem größeren Gelände. Wir konnten eine weitere, dritte Bühne einführen, auf der hauptsächlich elektronische Musik gespielt wird. Unsere bunte Mischung ist noch ein wenig bunter geworden. Es freut uns einfach total, dass wir inzwischen diese Möglichkeiten haben!

Möchtest du das Wintergrün Festival innerhalb eines Genres etablieren oder die musikalischen Grenzen offen halten?
Für uns war Wintergrün von Anfang an nicht auf gewisse Genres eingegrenzt. Natürlich spielt unser persönlicher Geschmack eine große Rolle, aber da wir musikalisch sehr breit aufgestellt sind, sind diese Grenzen bei uns fließend. Klar haben wir einen Hang zur Nische, die auch ihren Platz auf unserem Festival findet. Wir sehen das Projekt als ‚Artist Discovery‘-Plattform, die musikinteressierten Menschen neue, aufregende Künstler vorstellen möchte, die sie so vielleicht nicht auf dem Schirm haben. Deswegen findet bei uns jede Art von Musik statt, die wir für originell und interessant halten.

Drei Festivals, die dich inspirieren und deren Line-Ups wir uns unbedingt anschauen sollten?
Also ich persönlich liebe das Melt! Festival. Das Line-Up, die Stimmung, die Leute – find ich alles krass. Die schaffen es meiner Meinung nach sehr gut die Grenzen zwischen Indie, Hip-Hop und elektronischer Musik aufzubrechen. Das ArcTanGent Festival in England dagegen bietet was für jeden, der nur halbwegs an Post-Rock, Math-Rock oder Emo interessiert ist. Die Headliner da sind eigentlich immer der Wahnsinn! Und natürlich das Maifeld Derby, weil das Line-Up dort immer so divers und großartig ist.

Drei Festivals, die du in der Vergangenheit selbst besucht hast?
Melt!, c/o PopAFF Festival.

Drei Festivals, die du in der Zukunft noch besuchen möchtest?
Primavera Sound, SXSW, ArcTanGent.

Mit allem Geld der Welt, was wäre dein Traum-Act für euer Festival?
Da wir natürlich darauf bedacht sind, eher jüngere und alternative Acts zu buchen, würde ein Act mit einer riesigen Gage gar nicht auf unser Festival passen. Realistisch gesehen wäre so ein Mac DeMarco aber ziemlich cool.

Auf welchen Wegen findest du neue Musik?
Wenn die Wintergrün Crew zusammentrifft, wird eigentlich fast nur über Musik geredet. In meinem Freundeskreis sieht es da auch nicht anders aus. Ansonsten checke ich regelmäßig einige Online-Musikmagazine, beispielsweise Pitchfork, aus oder klick mich wild durch YouTube und Spotify. Da hab ich schon so einige Schätze gefunden, die bis heute noch wichtig für mich sind. Aber ich geh auch gerne auf Konzerte und Festivals und lasse mich von Acts überraschen, die ich vorher nicht kannte!

Festivalfinder

Wintergrün Festival 2019

29. – 30. Juni – Paderborn, Am Lippesee


Alle Infos zum Festival

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