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Ein Interview über Booking und Geheimtipps

Geschmacksfragen beim Tapefabrik Festival


 
 

Wer nach riesigen Namen oder internationalen Acts sucht, ist hier zwar falsch, dafür bietet das Tapefabrik Festival in Wiesbaden an einem Abend alles, was man sich als Rap-Fan nur wünschen kann: Familiäre Atmosphäre, Untergrund Rap ohne Kompromisse, eine eigene Beatstage und jede menge gute Vibes machen es zu einem Hip Hop Happening, das seinesgleichen sucht.

 

Auf welche Acts im Line-Up man dieses Jahr besonders gespannt sein darf, was das Booking des Festivals so besonders macht und ob sich in den letzen Jahren Musiktechnisch etwas verändert hat, erzählt uns Programmchef Kai.

Bitte stell dich doch mal kurz vor. Name, Alter, wie lange bist du schon für das Booking zuständig und wie fing alles an bei dir?
Mein Name ist Kai, ich bin 29 und seit Mitte 2013 Booking- und Programmleiter der Tapefabrik und damit auch Teil des besten Teams der Welt. Meine ersten Schritte im Konzertgeschäft habe ich allerdings schon 2009 gemacht – damals als selbstständiger Konzertveranstalter. Unter Anderem durfte ich mit der 187 Strassenbande, Kontra K, den Orsons, Alligatoah und Trailerpark arbeiten. Rückblickend betrachtet ganz schöne Brocken! Während des Studiums kam dann die Anfrage der Tapefabrik, ob ich dort das Booking steuern möchte. Ich habe ja gesagt.

Drei Songs, die heute in deiner Playlist laufen?
Heavy Horses von Jethro Tull
The Chase von Anderson .Paak feat. Kadhja Bonet
PILLOWTALK von Jamie Cullum

Herz plus Technik minus Kommerz.

Ein Song, der in diesem Jahr bisher besonders häufig bei dir gelaufen ist?
Da muss ich aus quasi aktuellem Anlass Ich dende also bin ich von Dendemann nennen. Warum gerade der Song? Weil er der erste Song auf dem Album da nicht für! ist, welches ich auf meinem zum Glück kurzen Arbeitsweg immer anspiele. Leider schaffe ich es selten über den Song hinaus. Ein wahnsinnig gutes Album in meinen Augen, dass mir partiell wirklich aus der Seele spricht.

Ein musikalischer Geheimtipp für dieses Jahr? 
AzudemSK hat mit Blessed in Dreck ein starkes Album herausgebracht. T9 wird auch noch dieses Jahr veröffentlichen – das wird sicher auch wieder episch. Darüber hinaus haben wir dieses Jahr zusammen mit starken Kooperationspartnern einen Contest für Rap- und Beatartists angeschoben. Wer sich mal so richtig unter den Untergrund in puncto Hip-Hop begeben möchte, findet in unseren jeweiligen Toplisten echte Perlen.

Außerhalb des Hip-Hop-Mikrokosmos hänge ich gerade bei Cory Henry, den Ihr vielleicht vom Funkensemble Snarky Puppy kennt. Er macht unfassbare Jazz- und Gospelsounds. Da lohnt sich das reinhören!

Wie würdest du das Rezept für euer Line-Up in einem Satz zusammenfassen?
Herz plus Technik minus Kommerz.


Wie gehst du mit der Erwartungshaltung eurer Gäste um? Es ist ja unmöglich, es allen recht zu machen, aber trifft dich Gemecker und Kritik persönlich und hat es Einfluss auf euer Booking?
Vielleicht bin ich ignorant, aber massives Gemecker oder deplatzierte Kritik habe ich bei uns noch überhaupt nicht mitbekommen. Ich denke das kommt daher, dass wir dieses Festival als Fans für Fans veranstalten – keine Plattitüde. Wir betreiben also immer Dialog auf Augenhöhe. Klar werden hier und da mal Nachfragen laut – aber das ist doch normal bei knapp dreitausend Besuchern.

Persönlich nehmen mein Team und ich da überhaupt nichts. Und letztlich ist es ja nun mal auch unser Job die Erwartungen unserer Gäste zu erfüllen.

Gibt es so etwas wie deinen größten persönlichen Erfolg beim Booking der letzten Jahre?
2015 war ein Jahr voller verrückter Konzepte für uns – und entsprechend ein sehr arbeitsintensives Jahr. Zum Einen gelang es uns ABS (Ercandize und Short) nach gefühlten 15 Jahren Liveabstinenz mit Ihrer Platte Kinderspiel: Leichter getan als gesagt… auf unsere Bühne zu holen. Zum Anderen spielten Schaufel & Spaten, Plusmacher, Freshface und Sonne Ra im Rahmen der O.F.D.M. Cypher bei uns. Man munkelt, dass diese Kombo die anschließenden Angebote bekannter Rapfestivals ausschlug.

Bei uns bekommt man immer noch den selben Untergrundflair wie in 2012.

Welcher Act wird dieses Jahr ganz besonders gut und über welchen freust du dich bisher am meisten?
Ihr solltet die Augen nach den Shows von Pimf, Cap Kendricks, Ebow, Ulysse und Rokko Weißensee offen halten. Ich denke da erwartet uns Einiges. Außerdem wird es eine schöne Überraschung auf der Hauptbühne geben. Und keinesfalls verpassen sollte man die HHV Beatstage – so stark wie dieses Jahr war das Lineup dort noch nie!

Drei Acts aus euer Festivalvergangenheit, an die du dich besonders gern erinnerst – und warum?
Mir sind einige Künstler vor allem wegen ihrer Herzlichkeit hinter der Bühne im Gedächtnis geblieben. Ganz vorn stehen da für mich unter Anderem Lakmann, Slowy & 12Vince und Doz9 & Torky Tork alias T9. Ich sehe die Jungs in der Regel nicht häufiger als einmal im Jahr und trotzdem fühlt es sich bei denen immer krass nach Klassentreffen an.

Was hat sich im Vergleich zur ersten Tapefabrik in Sachen Musik bei euch verändert?
Was die Stilistik angeht kann ich stolz behaupten: rein gar nichts. Bei uns bekommt man immer noch den selben Untergrundflair wie in 2012. Wir haben das Rezept lediglich um das wahrscheinlich stärkste Beatkultur-Line-Up der Rappublik ergänzt. Unser Festival ist inhaltlich seit dem noch wesentlich runder.

Drei Festivals, die dich inspirieren und deren Line-Ups wir uns unbedingt anschauen sollten?
Beim Glastonbury und Roskilde Festival machen Sie spannende konzeptionelle Arbeit. Szeneinternen Lob kann ich an die Royal Arena in der Schweiz verteilen. Dort macht man im internationalen Rapsektor wirklich einen tollen Job und beweist jedes Jahr ein feines Gespür für seine Zielgruppe.

Drei Festivals, die du in der Vergangenheit selbst besucht hast?
Hier könnte Ihr Werbung stehen!
Spaß beiseite, ich bin offen für Einladungen. Als Besucher habe ich bislang keines genießen können.

Drei Festivals, die du in der Zukunft noch besuchen möchtest?
SXSW, ELBJAZZ und Roskilde.

Mit allem Geld der Welt, was wäre dein Traum-Act für euer Festival?
Ein in Karl Kani gehüllter MF Doom würde zusammen mit einem supernatürlichen Big L Hologramm auf unveröffentlichte J Dilla Instrumentale freestylen.

Auf welchen Wegen findest du neue Musik?
Berufsgeheimnis. Aber YouTube und Spotify können den Austausch mit Freunden und bekannten massiv unterstützen.

Vollständiges Tapefabrik Line-Up für 2019

Witten Untouchable feat. MistahNice & Very Special Guest
Cap Kendricks präsentiert Edgar Wasser, LUX, Lazy Lu & Lorenz
BlabberMouf & Figub Brazlevič
Marz & Sickless & Gäste
T9 (DoZ9 & Torky Tork)

Haze, MC Bomber, Ulysse, Forcki9ers, Ebow, Rokko Weissensee, Lord Folter, GALV, AzudemSK, John Known, Pimf, FloFilz, Suff Daddy, KUSO GVKI, Wandl, Kill Emil, Morlockko Plus, Twit One

Josi Miller, Cash.miri, Dj Mic-E, Stevie Drumz, DJ Illegal, Sixkay

Hosted by:
Morlockk Dilemma, Maniac, DJ S-Trix, DJ Stevie Drumz

Festivalfinder

Tapefabrik 2019

09. März – Wiesbaden


Alle Infos zum Festival

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