Magazin

Faszination Abnormal

Fotostrecke: Festivals an Sonntagen


 
 

fotos Clemens Patzwald 

Jeder, der schonmal am Abreisetag eines europäischen Großfestivals über den Zeltplatz spaziert ist, kennt das Bild. Ein Bild so surreal, so falsch, so ekelhaft und doch so faszinierend. Eine Fläche von zig Fußballfeldern, menschenleer, verwüstet und einer Müllhalde gleichend. Zerstörte Zelte, Unterwäsche, Schaukelpferde, Kinderplanschbecken, ganze Wohnzimmereinrichtungen, Schrott aller Art und Lebensmittel.

 

Zusammen wirkt es wie eine große Installation mit sozialkritischem Hintergrund, eigentlich ist es aber nicht mehr als die irrsinnige, unbehandelte Wahrheit: Festivalbesucher können sehr gut ausblenden, dass das Festivalgelände auch an einem Montag noch existiert. Wie sonst ist diese Wegwerfkultur zu erklären und was sonst sollte der Hintergrund für diese Bilder sein?

Wir sind zu faul, zu besoffen und zu ignorant, um uns bewusst zu machen, was diese Müllwüste bedeutet. Einmal im Jahr wollen wir uns keine Sorgen über gesellschaftliche Normen machen, wollen einfach nur sein, einfach nur tun und lassen, was uns gefällt.
Was am Ende bei rauskommt, ist egal, denn wenn es soweit ist, sind wir schon lange wieder im Alltag angekommen, tanzen nach der Nase des Chefs und müssen uns ganz normal verhalten. Ekelhaft, so normal sein zu müssen. Ekelhaft, diese Regeln.

Ekelhaft aber auch diese Bilder von Clemens Patzwald, entstanden auf dem Deichbrand Festival, dem Highfield und dem Chiemsee Summer. Ekelhaft, aber eben auch irgendwie faszinierend…

Diese Fotostrecke dient als Einstieg in ein Thema, das mehr Aufmerksamkeit verdient hat und in der Zukunft noch aus verschiedensten Blickwinkeln behandelt werden wird. Eine Reise ins Ekelhafte. Let’s go.

Johannes Jacobi

Hallo, mein Name ist Johannes und ich hatte irgendwann mal die Idee zu diesem Projekt hier. Wenn ich Morgens zu meinem Zelt wanke, es hier und da nach Urin riecht, wenn eine kleine Gruppe von Leuten in ihrem Camp beim letzten Bier noch Britney Spears hört, während im Nachbarcamp zwar schon alle auf ihren Stühlen eingepennt sind, aus dem Ghettoblaster aber trotzdem noch lautstark Heavy Metal läuft – dann finde ich das romantisch. So romantisch sogar, dass ich irgendwann angefangen habe, neben eigenen Veranstaltungen noch für Festivals zu arbeiten. Und so romantisch, dass ich irgendwann unbedingt genau diese Momente festhalten und zeigen wollte. Denn diese Dinge machen Festivals für mich aus.