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Von sicken Shots und intimen Momenten im Fotograben

Festivalfotografie mit Tim Dornaus


 
 

interview Florian Anhorn
redaktion Jonas Rogge
fotos Tim Dornaus

Tim Dornaus, auch bekannt unter seinem Künstlernamen ‘epilogy’, führt ein Tänzchen mit den Farben. Selten sehen Konzertfotos so romantisch und verträumt aus, ohne dabei an Ehrlichkeit zu verlieren. Was ihn dazu inspiriert, warum er fotografiert und was ihm dabei wichtig ist, könnt ihr in diesem Interview erfahren.

 

Stell dich doch bitte mal vor. Wer bist du und was tust du?
Ich heiße Tim Dornaus, 26, und bin ein Fotograf aus Wien – spezialisiert auf Events, nächtliche Stadt-Fotos und Konzerte. Ich habe lange Zeit eher unerfüllt und unglücklich studiert und mehr als Hobby fotografiert, bevor ich vor zweieinhalb Jahren begonnen habe, in kleinen Schritten damit Geld zu machen und die Fotografie beruflich zu verfolgen.

Wie kamst du in Kontakt mit Fotografie und wann haben sich Konzerte zu deinem Spezialgebiet entwickelt?
Ich bin immer ein relativ nostalgischer Mensch gewesen, habe immer gerne Souvenirs aufbewahrt, im Urlaub Tagebuch geschrieben, um mich später an alles zu erinnern und 2006 im Amerika-Urlaub begonnen, die Digicam von meinem Vater mehr und mehr für mich zu beanspruchen. 2007 habe ich meine erste Digicam zu Weihnachten bekommen und begonnen alles zu dokumentieren. 2011 habe ich dann eine kleine DSLR gekauft. Ebenso war ich immer ein großer Musik-, Konzert- und Festivalfan. Angefangen hat es mit Digicam-Fotos auf Konzerten, die ich als regulärer Gast besuchte und von da hat sich das entwickelt bis heute. Die erste Band, die mich kontaktierte, von sich aus, ob ich bei ihrem Wien-Gig Fotos für sie machen möchte, war die deutsche Post-Hardcore Band Burning Down Alazka im März 2016.

Zeig uns dein Lieblingsfoto aus dem letzen Jahr und erkläre uns warum das so ist.

Das ist ein Foto der Band Casey, welches ich am 6.4.18 in Budapest geschossen habe. Ich war versucht, ein Foto mit Feuer und Konfetti von einem großen (3000+ Personen) Konzert zu wählen, weil es auf Social Media sehr gut funktionierte, aber wenn ich ehrlich bin, sind mir kleine, intime Gigs und sichtbare menschliche Emotion lieber. Daher dieses Foto. Casey sind vermutlich meine favorite gegenwärtige Band und ich liebe den schwarzen Hintergrund, das Herausstechen des Sängers, die rohe Emotion in seinem Schrei und die Hände der Fans der ersten Reihe.

Was ist deine Lieblings-Musikveranstaltung zum Fotografieren?
Die Antwort hierzu steckt zum Teil in meiner oberen Antwort. Ich bevorzuge kleine bis mittlere Shows, also alles zwischen 100 und 800 Personen. Man ist nahe am Geschehen, nicht meilenweit durch Bühnengraben entfernt und man kann die Emotionen der Band, aber auch genauso die des Publikums wunderbar einfangen. Genretechnisch bewege ich mich am liebsten zwischen all things Indie, Synth-Pop und Punk bzw. Hardcore.


Hast du ein Vorbild und wenn ja, warum diese Person?
Vermutlich Johan Arteaga Ramos – @theworkofjar auf Instagram. Er ist ein junger Konzertfotograf in meinem Alter, der wahnsinnig originell und einzigartig bearbeitet, sowie exzeptionell mit Farben und Lichtern arbeitet. Sein Stil ist für mich wegweisend.

Was war dein bisher unangenehmster Fotomoment?
Bei größeren Konzerten (so 5000+ Personen) wird es manchmal sehr eng im Fotograben und es wird dann oft um die besten Plätze und Blickwinkel gekämpft und gedrängelt. Man ist sich oft im Weg, man stößt aus Versehen ineinander, weil man durch die Kamera schaut. Und manchmal werden Einzelne dann relativ aggressiv und ungut. Beim Shooten des Scooter-Konzerts Anfang letzten Jahres war das zum Beispiel so.

Drei deiner Konzertbilder, die einfangen, was ein gutes Konzert für dich ausmacht und ein Satz zu jedem Bild.

Being As An Ocean – Keiner sucht die Nähe zum Publikum mehr als Sänger Joel. Jedes mal gut 3 Songs des Sets im Publikum zu finden.

Alazka – ein gutes Konzert braucht eine stimmige und vor allem ehrliche Atmosphäre.

Bring me the Horizon – und abschließend: manchmal schadet es dann doch nicht, eine fette Show mit viel Pyro, Nebel und Lightshow zu haben.

Ein Bild aus dem musikalischen Kontext, auf das du mal sehr stolz warst, aber es jetzt niemandem mehr zeigen würdest.

Hm, vermutlich viele meiner ersten Konzertbilder. Irgendwie eine absehbare Antwort. Wie wäre es mit diesem Foto von Obey the Brave aus 2015. Mit der Digcam fotografiert und auf Instagram gestellt. Stolz, weil der Sänger sowas wie „Sick shot man“ kommentiert hat. Heute schaue ich mir das an und denke „Nein, kein sick Shot man, ein mieser Shot haha“. Aber das gehört dazu, so lernt man und ich denke, dass es jedem, der im künstlerischen Bereich tätig ist, so geht.

Drei Bands, bei denen du gerne mal fotografieren würdest?
Von den kleineren Bands, die ich innig liebe, habe ich die meisten schon fotografieren dürfen. Daher nenne ich mal drei Bands die mir noch fehlen und von denen man weiß, dass sie eine fette Show und Live-Produktion liefern: The 1975, Rammstein und Radiohead. Und als ‘honorable mention’, weil ich möchte, dass sie wieder zusammen Auftreten: Oasis.


Hast du schon mal ein Festival fotografiert? Wenn ja, wie war’s – wenn nein, warum nicht? 
Ich habe bisher nur so kleinere 1-Tages-Festivals fotografiert. Keine größeren. Bisher hat es sich einfach nicht ergeben bzw. der Aufwand hat sich nicht ausgezahlt für mich. Über die österreichischen Event- und Konzertfoto-Agenturen, bei denen ich freelance-mäßig Jobs mache, hätte ich bereits die Gelegenheit gehabt, aber es war es mir dann, wie gesagt, meistens nicht wert, aufgrund der Diskrepanz von Aufwand und Bezahlung. Generell ist es nicht so mein Fall. Ich arbeite gern mit Lichtern, Farben und Atmosphäre. Auf Festivals sind dann doch sehr viele der Gigs unter Tags und da geht, finde ich, viel verloren. Ebenso finde ich, wie bereits mehrfach erwähnt, einfach mehr Freude an intimeren Shows.

Was für Pläne hast du 2019?
Mein generelles Ziel – nicht nur für 2019 – ist es, meine absoluten Lieblingsbands einmal auf Tour als Fotograf begleiten zu dürfen. Daher sind meine Pläne für dieses Jahr, noch mehr Shows zu fotografieren und noch mehr Connections in dieser Welt zu knüpfen, um meinem Ziel näher zu kommen. Außerdem schließe ich, wenn alles glatt läuft, Ende 2019 meine ‘Meisterklasse Fotografie’ Ausbildung ab – das gut über die Bühne zu bringen ist ebenfalls ein großes Ziel.

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