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Erinnerungen vom A Summer's Tale 2019

Schauspielunterricht und Aperol Spritz


Schon auf der Fahrt mit dem Shuttlebus wird klar, dass das Summer’s Tale Publikum etwas breiter gefächert ist als anderswo. Mittfünfziger mit Hippie-Touch, Familien mit Kindern oder Singles in den Dreißigern – hier scheint wirklich jeder entspannt feiern zu können.

text & fotos Ronja Rabe
redaktion Isabel Roudsarabi

Als ich das Festivalgelände betrete spielen gerade Kettcar auf der Mainstage. Der feine weiße Sand auf der Fläche vor der Bühne bringt ein bisschen Beachclub-Feeling, viele tanzen barfuß im Sand. Hier wird Aperol Spritz aus richtigen Gläsern getrunken und auf dem Boden abgestellt. Zwischen den Füßen spielen ein paar Kinder und man hat von überall einen guten Blick  auf die Bühne. 

Das Konzert von Kettcar ist zu Ende und ich beschließe, das vielfältige und äußerst umfangreiche Rahmenprogramm ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen. Es gibt Shows und Performances ganz unterschiedlicher Künstler*innen, einen Poetry Slam, Kurzfilme, Dokus und Lesungen von Heinz Strunk, Ronja von Rönne oder Stefanie Sargnagel, Chöre, Bingo und ein Kneipenquiz. Auch den ein oder anderen Workshop kann man hier besuchen, von Yoga über Karate, Tanzen, Akrobatik, Qi Gong oder einem Lauftreff ist alles dabei.  

Dazu kommen jede Menge Kochkurse und Meditationen, Angebote zum Flechten oder Trommeln Lernen, Schauspiel-Unterricht.

Kids können mit dem NDR zusammen sogar ihr eigenes Hörspiel produzieren. Wanderungen und Naturworkshops, Siebdruck, Holzarbeiten und diverse Vorträge beschäftigen sich zudem mit dem Thema Nachhaltigkeit.

Das Angebot überfordert mich etwas und so schlendere ich erst einmal gemütlich über das Gelände. Beim Kneipenchor ist es so voll, dass ich nicht einmal bis zur Bühne gucken kann und da ich weder handwerklich geschickt noch besonders sportlich bin, gehe ich rüber zur kleinen Bühne. Die finde ich mitten im Wald, sehr idyllisch, auf einer Lichtung. An den Bäumen baumeln Lampions, links und rechts stehen nur einige der 40 Foodtrucks, die hier auf dem Gelände vertreten sind. Neben Süßem, Hausmannskost vom Bio-Hof, japanische Ramen oder typischem Festivalfood wie Handbrot oder Burgern, findet man hier auch ein großes Angebot regionaler Stände.


Jetzt am späten Nachmittag füllt sich das große Festivalgelände immer mehr. Zeit mal eben in die Öko-Toilette zu hüpfen. Das Summer’s Tale beweist also nicht nur in Sachen Workshops und Food, dass sie es mit der Nachhaltigkeit ernst meinen und auch das Publikum verhält sich entsprechend. Die Toiletten sind blitzeblank und wider erwarten kriecht einem hier auch nicht direkt der gewohnte Dixi-Geruch in die Nase. Die Wagen bestehen im Grunde komplett aus Holz, Umkippen scheint unmöglich (da kann man bei der Masse an Spaßvögeln auf so manchem Festival endlich mal in Ruhe ähm…pinkeln)  und besser beleuchtet sind sie auch noch. Wer größere Geschäfte erledigt schippt einfach Holzspäne drüber und fertig – stinkt nicht und ist biologisch abbaubar.

Schauspielunterricht & Langschläfer-Campingplatz

Ich schlendere zurück Richtung Hauptbühne, schreibe am Lamy-Stand (ja genau, die Füllermarke aus der Schulzeit) eine Postkarte und hole mir erstmal etwas zu essen und ein Bier. Da Jever mein Lieblingsbier ist, wird es nicht das Bier der Bleckeder Brauerei aus dem Ort, von der hier ein paar riesige Bierfässer rumstehen in den man sitzen und picknicken kann.

Ich setze mich an einen der Tische draußen und komme mit einer Frau ins Gespräch. Sie kommt hier aus der Gegend und war noch nie auf einem Festival. Das Summer’s Tale findet sie super, man bekomme nicht gleich die volle Ladung Suff und Dreck und das Line-Up gefiele ihr gut. Mittlerweile ist auch ihre Begleitung wieder da und wir gehen zum Konzert von Tina Dico. Ich bin ehrlich begeistert, auch wenn das musikalisch nicht ganz mein Genre ist. Die Band ist wahnsinnig gut eingespielt und ich kenne dann doch mehr Songs als ich dachte.

Nach dem Konzert geht’s ab zum Schauspiel-Workshop. Der ist gut moderiert und erinnert mich an meinen Schauspielunterricht in der Schule. Die mutigen können nach vorne gehen, der Rest kann auch von der Seite mitmachen und Ideen einbringen, denn das Zelt ist gut gefüllt. Es wird viel gelacht und gut gelaunt beschließe ich mir als nächstes Kaffee und eine Waffel zu holen. Die esse ich auf der Tribüne an der Hauptbühne, auf der gerade Maximo Park zu spielen anfangen ein außergewöhnliches Konzert. Nachdem ich aufgegessen habe, mache ich mich auf den Weg zur Bühne und schaffe es sogar in die dritte Reihe.

Wer seine Lieblingsband hier live sehen will, dem sei das Summer`s Tale echt ans Herz gelegt. Man hat fast immer die Chance in den ersten Ring oder ganz nach vorne zu kommen und auch der Sound ist überragend! Während die Familien sich anschließend ins Bett begeben, geht die Party für alle auf dem Langschläfer-Campingplatz (Wie gut ist das? Keiner der morgens um 07:00 alle aufweckt, die gerade eingeschlafen sind) erstmal im Disco-Zelt weiter und ich mache mich mit ein paar Locals auf den Rückweg mit dem Shuttlebus zum Lüneburger Bahnhof und weiter nach Hamburg…

Das nächste Summer`s Tale findet erst im Juli 2021 statt, das Festival macht also erstmal ein Jahr Pause. Die offizielle Begründung lautet:
Das A Summer’s Tale ist ein Herzensprojekt für uns, das wir mit viel Liebe zum Detail am jetzigen Standort aufgebaut haben. Wir fühlen uns in Luhmühlen sehr wohl und möchten unseren Gästen hier weiterhin langfristig ein hochwertiges Festivalerlebnis garantieren. Es gibt hierzu derzeit jedoch Entwicklungen, die uns veränderte behördliche Auflagen in Aussicht stellen, welche den Festivalbetrieb am aktuellen Standort nicht mehr im bisherigen Umfang ermöglichen würden. Zur langfristigen Klärung dieser Situation haben wir entschlossen, eine einjährige Pause zu machen. (…). 

A Summer’s Tale wird weiterhin ein fester Bestandteil der Festivallandschaft bleiben.

Man munkelt jedoch, dass das Problem die geringen Besucherzahlen sind, denn das Festival war nicht ausverkauft und vor den Bühnen jede Menge Platz. Schade eigentlich, denn nicht nur Leute, die auf den großen Festivals lieber im Green Camp bleiben, sondern vor allem Musikfans kommen hier voll auf ihre Kosten (im Line-Up finden sich oft Künstler*innen, die hier exklusiv ihr einziges Deutschlandkonzert spielen) und nirgendwo sonst gibt es ein so umfangreiches Rahmenprogramm.
Wir sehen uns also hoffentlich dann auf dem Summer`s Tale 2021 wieder!

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