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Skurrile Gastgeber und Tarotkarten

Dreierlei mit Kosmodrom


 
 

text Mimi García 
fotos Kosmodrom

Wer Kosmodrom schon mal live erlebt hat, dem muss man nicht erzählen, was die Jungs für eine beeindruckende Show abliefern. Die zieht einem nämlich die Schuhe aus. In der Vergangenheit stellten die Band das etwa schon auf dem Fast Open Air in Bayern oder dem PsyKA Festival in Karlsruhe unter Beweis.

 

Das 2013 gegründete Quartett aus Oberfranken spielt mit so einer starken Energie, dass man von ihren Stoner-Riffs und Ohrwurmmelodien in einen trance-artigen Bann gezogen wird. Der unglaublich perfekte Sound macht Kosmodrom zu einer Underground-Band, die man sich unbedingt ansehen muss, wenn man ein Stoner-Liebhaber ist. Gerade touren sie mit ihrem 2018 erschienenen Debütalbum Gravitationsnarkose, das, wie auch die 4 Jahre zuvor erschienene LP Sonnenfracht komplett selbst produziert wurde. 

Wir haben uns die Band für ein Dreierlei-Interview zur Seite genommen und uns über verrückte Situationen, Bandrituale und Festivals unterhalten. 

Top 3 Songs, die ihr auf dem Weg zu euren Gigs hört:
Querbeet. Fast alles ist erlaubt. Abba bis Zappa. Bestimmte Songs haben wir eigentlich nicht, vielleicht einen, von Sixto Rodrigues: Sugar Man – ein unglaublich emotionaler Song. Wir lieben ihn und hören diesen Song schon öfter mal im Tourbus, das hebt allgemein die Stimmung. Spätestens seit dem Morgen nach einem Auftritt 2016 in Dachau wurde das Lied für uns zum Dauerbrenner. Sollte sie jemand noch nicht kennen, dem sei übrigens die dazugehörige einmalige und unglaubliche Geschichte von Sixto Rodriguez in Form der Doku Searching for Sugar Man sehr ans Herz zu legen.

3 Festivals auf denen ihr gerne spielen würdet:
Naja so die typischen Sachen in der Szene: Stoned from the Underground, Red Smoke Festival, Lake on Fire usw.. Ein Traum wäre das Duna Jam in Sardinien.
Letztes Jahr durften wir auf dem Fast Open Air bei Passau spielen und das hat definitiv mehr Lust auf Gigs unter freiem Himmel gemacht. 

Wir haben uns auf eine Bühne mit 2 m2 gequetscht und in der übervollen Kneipe, die früher mal eine Apotheke war, vor 20 Leuten gespielt.

3 Bands mit denen ihr gern touren würdet:
Da gäb’s viele, aber wenn wir uns aufdrei3 beschränken: Weedpecker, King Buffalo und die Swan Valley Heights. Mit letzteren waren wir schon 2018 in den Niederlanden unterwegs, was sehr geschmeidig war.

3 Lieblingsorte: 
Utrecht, Leipzig, Breslau. Das ACU in Utrecht ist einer unserer Favoriten. Sehr entspannte Atmosphäre, eine coole Crew, die sich um alles kümmert und ein tolles Publikum. Und mit Erwin hat man einen enthusiastischen Musikliebhaber als Booker. Het is daar geweldig!

3 abgefahrene Locations, in denen Ihr gespielt habt: 
Club Lola in Groningen, Niederlande. Sehr üppige und im barocken Stil ausgestattete Location. Mit viel Stuck, Spiegeln und Kronleuchter an der Decke. 
Black Label. Ein Mini-Pub in Leipzigs Alternativ-Viertel. Wir haben uns auf eine Bühne mit 2 m2 gequetscht und in der übervollen Kneipe, die früher mal eine Apotheke war, vor 20 Leuten gespielt. Die Temperatur glich der einer Sauna und draußen war an dem Tag Nazi-Aufmarsch. Eine wahrlich skurrile Situation, bei der wir reichlich Schweiß gelassen haben.
Hofgemeinschaft Oberkeil. Die Kommune dort gibt jährlich ein Fest auf Spendenbasis. Sehr gute entspannte Stimmung! Es macht unglaublich Spaß dort. Wir haben selten vor Leuten gespielt, die so abgehen können!

Unser Gastgeber war eine recht skurrile Erscheinung. Ein sehr belustigter und verstrahlter Typ mit Zylinder und Hahnenfeder. Wir sind nicht ganz sicher, ob es ihn in Wirklichkeit überhaupt gab.

3 Peinliche Aktionen während eines Gigs:
Nur eine: Das peinlichste war wohl früh um zwei vollkommen besoffen vor fünf Leuten zu spielen, die mindestens genauso einen sitzen hatten. Das waren die Anfänge, aber wir kamen damals gut an – zumindest gefühlt. 

 Top 3 Bandrituale:
Ein richtiges Ritual haben wir im Grunde nur eines: Wenn wir spielen, liegt die „Liebe“ (Tarotkarte) in der Mitte. Die Karte haben wir beim Einzug in den ersten Proberaum gefunden. Die lag dort einfach mitten im Raum rum. Wir haben unsere Sachen drumherum aufgebaut und erst später entdeckt. Seitdem ist sie immer dabei.

Top 3 verrückte Situationen seitdem es Kosmodrom gibt:
Während der Tour in Holland haben wir in einem besetzten Haus in Groningen übernachtet. Unser Gastgeber war eine recht skurrile Erscheinung. Ein sehr belustigter und verstrahlter Typ mit Zylinder und Hahnenfeder. Wir sind nicht ganz sicher, ob es ihn in Wirklichkeit überhaupt gab. Das Haus war im Grunde abbruchreif, Putzen gilt dort vermutlich als gefährlich. Wir durften dort in der Küche übernachten, wenn man das so nennen kann. Wir legten uns dort gegen 3 Uhr ab. Um 4 Uhr kamen dann zwei Besucher und haben sich flüsternd in der Dunkelheit Spiegeleier gebraten. Da die Fenster vom Jahre alten Dreck verklebt waren, bekamen wir sie nicht auf und residierten weiter im Qualm aus Öl und Eiern. Allerdings nicht lange – um 6 Uhr gings mit der Tour weiter.

Top 3 musikalische Inspirationen:
Es gibt für uns verschiedene Einflüsse. Jeder bringt seinen eigenen musikalischen Background mit. Von Grunge bis zu den Bands der 60er und der Psychedelic Ära. Für die gesamte Band sind aber wohl Sungrazer, All Them Witches und The Entrance Band die wichtigsten Einflüsse.

3 noch unbekannte Bands, die ihr uns an Herz legen müsst:
Kommt drauf an, wie man „unbekannt“ im Underground definiert. Es ist schwer, sich auf drei zu beschränken, auch hier gäbe es einige mehr zu nennen. Child z.B. ist eine hammer Live-Band. Es seien mal noch z.B. Hedvig Mollestad Trio, GOAT und King Buffalo erwähnt.

3 Ziele für 2019 
Weiter neue Songs fürs nächste Album schreiben, viel Inspiration und live spielen, Menschen mit Musik glücklich machen.

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