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Über Selbstverständnis & Seifenblasenmaschine

Dreierlei mit dem Konterfei Festivall


Das Konterfei Festival in Potsdam steht noch ganz am Anfang – 2019 feiert es Premiere. Aber die Organisator*innen trauen sich was: Ein Umsonst & Draußen, das Stellung bezieht und politisch sein will.

redaktion Isabel Roudsarabi
fotos Sebastian Winterson

Auf dem Campus der Fachhochschule Potsdam treten Mitte Juli unter anderem Egotronic, Dicht & Ergreifend und Oidorno auf, auch der ein oder andere Newcomer ist mit dabei. Dazu kommen Ausstellungen, eine Kulturbühne und diverse Mitmach-Angebote.

Wirklich wichtig ist bei dem Festival allerdings nicht nur das Line-Up. Die Organisator*innen wollen ein Zeichen setzen: Durch eine Veranstaltung aufmerksam machen auf Inklusion, Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt; sich gegen Sexismus, Rassismus, Homophobie und jegliche andere Formen der Diskriminierung stellen. Ein paar Barrieren, wie etwa der Eintrittspreis, sind schonmal erfolgreich abgeschafft. Alle sollen sich willkommen fühlen, ganz gleich dem sozialen Status.

Um das gewährleisten zu können, hat sich die Orga-Crew für eine Crowdfunding Kampagne entschieden. Die läuft noch bis zum 26. Juni. Wer spenden will, kann das hier tun. 

Wir haben uns mit Rike & Nina aus dem Team unterhalten unterhalten. Sie erzählen von ihrem Selbstverständnis, Zielen und ihren schönsten Festivalerlebnissen.


Name: Rike van Kleef 
 
Alter: 24

Wohnort: Berlin 

Tätigkeit beim Konterfei Festival:
 Leitung aka alles 
Name: Nina Schwarz
Alter: 22

Wohnort:Potsdam
Tätigkeit beim Konterfei Festival:
 eigentlich Booking und Social Media, aber irgendwie auch alles andere 
    
    
Drei Songs, die bei dir aktuell rauf und runter laufen:

Rike:
Mavi Phoenix – Bite
– Aphex Twin – Xtal
– Egotronic – Raven gegen Deutschland (Frittenbude Indiefresse Remix)
Nina:
– Make A Move – Nein Danke

- 
International Music – Cool Bleiben
– a-ha – Take On Me
Das Team ist Zucker.

Drei Gründe, die dafür sprechen, beim Konterfei Festival zu arbeiten:
Rike: Das Team ist Zucker (nur ein bisschen klein).
Nina: Wir sind echt ’n Träumchen. Kein Eigenlob, ich mein das so! 
Rike: Die Acts. Potsdam steht oft im Berliner Schatten, aber das muss es gar nicht, deswegen freuen wir uns auch Namen wie Neufundland, Egotronic und Dicht & Ergreifend am Start zu haben.  Niemand bedankt sich so gut mit Amore und unendlich viel Dankbarkeit wie wir 😉
Rike & Nina: Unser Selbstverständnis – jeder darf sich ausprobieren und bekommt die Möglichkeit, Neues zu lernen.

Drei Gründe, die dagegen sprechen:
Rike: Die Angst vor dem finanziellen Minus.
Rike & Nina:Die Planung frisst krass viel Zeit und dadurch bleiben andere Dinge liegen. Studium, Arbeit und co. werden einfach zweitrangiger. 
Nina: Erholsamer Schlaf ist irgendwann nicht mehr drin.

Wir möchten, dass sich alle unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ihren finanziellen Mitteln, etc. bei uns wohl fühlen und zusammen eine gute Zeit haben.

Drei Dinge, die euch als Veranstalter*innen bei eurer Arbeit wichtig sind (Wofür steht ihr, was wollt ihr erreichen?):
Rike: Eine höhere Frauen* Beteiligungsquote auf der Bühne, das konnten wir dieses Jahr leider noch nicht so gut umsetzen wie wir es gerne hätten.
Rike & Nina: Unseren Campus ganz klar als einen Safe Space markieren, d.h. wir möchten, dass sich alle unabhängig von ihrer Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, ihren finanziellen Mitteln, etc. bei uns wohl fühlen und zusammen eine gute Zeit haben. Auf Diskriminierung jeglicher Art haben wir keinen Bock! Unseren Gästen soll es gut gehen, ganz egal wie stressig es hinter den Kulissen wird. 
Rike: Menschen auf die Landtagswahlen bzw. ihre politische Verantwortung und auf die Wichtigkeit für Toleranz, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt einzutreten, aufmerksam machen.

Drei (vier) Dinge, die gestern auf deiner To-Do-Liste standen:
Rike & Nina:
– Crowdfunding weiter bewerben & Instagram Posts raushauen.
– Helfer*innen Akquise: Überlegen, welche Leute noch helfen können/wollen/müssen.
– Verträge unterschreiben.
– Redaktionsplan umändern.

Drei (vier) Dinge, die heute auf deiner To-Do-Liste stehen:
Rike: Booking Absprachen treffen.
Rike: Technik Absprachen. 
Nina: Absprachen mit den local Bands.
Rike: Freigabe der Plakate.
Nina: Dieses Interview.

Origami-Kraniche vor der Waldbühne in den Bäumen verteilen.

Drei Dinge, die du während des Festivals zu tun haben wirst:
Rike:
Rumlaufen, nach dem Rechten sehen und im Zweifelsfall Brände löschen.
Nina: Bands die Zugabe verweigern. 
Rike: Aufbau, Abbau und Durchführung koordinieren.
Nina: Origami-Kraniche vor der Waldbühne in den Bäumen verteilen.
Rike: Checken ob es dem Team gut geht
Nina: Checken, ob es Rike gut geht.

Drei Horrorszenarien, vor denen du auf dem Konterfei Festival Angst hast:
Rike: Technische Probleme.
Nina: Dass das Bier zu schnell alle ist.
Rike: Schlechtes Wetter.
Nina: Irgendjemand verletzt sich. 
Rike: Keine*r kommt weil wir keinen Eintritt verlangen und daher keinen VVK haben.

Drei Dinge, die man auf dem Konterfei Festival, abgesehen von Konzerte schauen, tun sollte:
Rike: Tanzen & Spaß haben.
Nina: Die Werkschau besuchen.
Rike: Stände gucken und unsere sonstigen Programmpunkte wie Kater Abtanzen, Radio Ballet, etc. wahrnehmen.
Nina: Menschen kennenlernen und sich austauschen.
Rike: Gut Essen & Trinken.
Nina: Wenig schlafen.

Da hab ich von meinen Freunden nachträglich zum Geburtstag endlich eine Seifenblasenmaschine geschenkt bekommen.

Drei deiner schönsten Festivalbesuche aus den letzten Jahren:
Nina: Forest Jump Festival 2018 in der alten Heimat, nachdem ich es die Jahre davor nie hin geschafft habe und nur in die Fotos verliebt war.
Rike: Immergut Festival 2019, zusammen mit unseren Freund*innen von Höme.
Nina: Deichbrand 2016 – da hab ich von meinen Freunden nachträglich zum Geburtstag endlich eine Seifenblasenmaschine geschenkt bekommen.
Rike: Kosmonaut Festival 2018 – Am Badestrand liegen und Olli Schulz schauen – Träumchen!
Nina: Mein erstes Woodstock Festival in Polen (wann auch immer das war) – eines meiner ersten Festivals und diese Menschenmassen haben mich echt umgehauen (und vor allem weil das Bier dort echt günstig ist).
Rike: Sziget 2014 – Da hat bei QOTSA jemand im Rollstuhl gecrowdsurfed und Josh Homme hat ihn anschließend Backstage eingeladen – großartiger Moment! Und ich habe Marteria in der Crowd bei Kid Simius getroffen und er hat auf meinem gebrochenen Arm unterschrieben weil ich so krass abgegangen bin.

Drei Acts, die du beim Konterfei Festival gern mal sehen würdest:
Rike: Dendemann
Nina: Crystal Fighters
Rike: Alli Neumann
Nina: Footprint Project
Nina: Tash Sultana
Rike: Erobique

Drei Bands vom Konterfei Line-Up, die man sich umbedingt anschauen muss: 
Rike:Voll schwierig, das ist ja so als müsste ich mich für mein Lieblingskind entscheiden. Die Headliner kennt ja jede*r, also hier vielleicht etwas unbekanntere Acts:
– GiiRL
– Make A Move
– SweetLemon
Nina:
– 5000WBM

– Kelele
– Chai Khat

„Wer Festival will, darf nicht aus Zucker sein!“

Drei Festivalmomente, die du nie vergessen wirst:
Rike: Blink 182 auf dem Sziget 2014.  Erstes Konzert, erster Song von sieben Tagen Festival und die Crowd fällt um und ich breche mir den Arm und sitze den Rest des Tages in einer Notaufnahme in Budapest, in der kaum jemand eine Sprache spricht die ich verstehe.
Nina: Nie vergessen werde ich meinen allmorgendlichen Wecker vom Helga!-Stand auf dem Rock am Ring – jeden Tag mit Helene Fischer geweckt zu werden ist ein wahrer Traum.
Rike: Mein erstes „richtiges“ Festival über mehrere Tage mit Campen und allem drum und dran war das Chiemsee Reggae Summer 2012. Es hat krass geregnet was zur Folge hatte, dass mein Zelt zu einem Indoor Pool wurde und ich absolut nichts Trockenes mehr hatte. Zum Glück haben mir meine Zeltnachbarn Unterschlupf gewährt und sogar ihre Klamotten geteilt. Zitat meiner Eltern: „Wer Festival will, darf nicht aus Zucker sein!“
Nina: Ich hab auf dem Highfield Festival 2017 gearbeitet und hab mich am letzten Abend gnadenlos betrunken (obwohl ich am nächsten Morgen noch arbeiten musste)… In meinem betrunkenen Zustand habe ich dann einen Typen angepöbelt, der mit verschränkten Armen vor der Hauptbühne stand und echt gar keinen Spaß hatte. Long story short: Ich hab natürlich meine Schicht verpennt und der Teamleiter war genau der Typ, den ich am Abend davor dazu gezwungen habe, mit mir zu tanzen.
Rike: Egotronic auf unserem ersten eigenen Festival!
Nina: Den Background zur Story bekomme ich nicht mehr ganz zusammen… aber auf dem Woodstock Festival 2015 hab ich einen wildfremden Menschen geheiratet. Anstelle eines Eherings gab es einen schicken Blumenkranz.

Drei Festivals, die du in deinem Leben noch besuchen willst:
Rike:
Appletree Garden
Bergfunk Open Air
Down The Rabbit Hole
Nina:

Jenseits von Millionen
Feel Festival (wenn das Festival, das ich organisiere, nicht ständig auf dasselbe Wochenende fallen würde)
– Festival The Brave in Amsterdam

Kostenlosen Eintritt für alle und trotzdem das dickste Line-Up ever! 

Drei Dinge, die es auf Festivals geben sollte, aber bisher nicht gibt:
Rike: Kindergärten.
Nina: Freibier.
Rike: Drug-Checking Stände. Sein wir ehrlich, Menschen werden immer konsumieren wenn sie möchten, aber dann doch bitte safe use!
Nina: Toiletten die nach dem ersten Tag nicht tierisch stinken.
Rike & Nina: Kostenloses Wasser (gibt’s übrigens ab dem 12.07. ;-))

Drei Festivalessentials:
Rike: GaffaGaffaGaffa und mehr Gaffa
Nina: Ohropax! 
Rike: Gummistiefel
Nina: Glitzerrrrrr (aber nur das Öko-Glitzer!)
Nina & Rike: Chips als Grundnahrungsmittel und Dosen Ravioli


Drei Dinge, die du als erstes umsetzen würdest, wenn du Chef*in vom Festival deiner Träume wärst und unbegrenzt Budget hättest:
Rike: 50% Frauenquote. 
Nina: Kostenlosen Eintritt für alle und trotzdem das dickste Line-Up ever! 
Rike: Ticketpreise am Einkommen festlegen bzw. eine barrierefreies Festival.
Nina: Freibier (und auf Wunsch von Rike auch Frei-Softdrinks) und natürlich genug Essen für umme.
Nina & Rike: CO2 Neutrales Festival und eine ordentliche Mülltrennung. Irgendwie auch Aschenbecher, auch wenn ich mich bis heute frage, wie man das am besten umsetzt. Aber Kippen nach dem Festival aufsammeln zu müssen, ist echt scheiße. 

Festivalfinder

Konterfei Festival 2019

12. – 14. Juli – Potsdam


Alle Infos zum Festival

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