Magazin

Der Traum vom Eigenheim wird wahr

Die Kamps mit K auf dem Kosmonaut Festival


 
 

text Isabel Roudsarabi
redaktion Tina Huynh-Le
fotos Sascha Krautz

Auf jedem Festival sind einige Camps zu finden, die etwas mehr Liebe und Planung in ihre kurzzeitige Unterkunft stecken als alle anderen. Ob hübsch dekoriert, ein paar Sofas mitgeschleppt oder mitsamt Sternzelt und Lichterketten auf den Platz gezogen: Immer öfter sieht man Gäste, die sich die größte Mühe geben, ihren Aufenthalt so gemütlich und besonders wie möglich zu gestalten.

 

Das Kosmonaut Festival bot dieses Jahr seine Unterstützung in Sachen Eigenheim-Bau an und ermöglichte zehn Gruppen ein paar Tage vor allen anderen aufs Gelände zu kommen und ihr Camp zu konstruieren. Mit ein bisschen Taschengeld in Baumarkt-Gutschein-Form werkelten sie dann an Deko und Gebilden, konzipierten Mitmach-Aktionen und für viele am aller wichtigsten: besorgten ausreichend Schnaps. Je nach Followerzahl bei Facebook wurden vom Festival aus Preise vergeben. Für 100 Likes gab’s eine „Kamp mit K” Flagge, ab 1000 ein BBQ, für 1500 die eigene Minibar.
Freitagnachmittag kam dann die Jury namens Kraftklub rum und beurteilte die verwirklichten Ideen.

Ob alles so geklappt hat, wie sich die Kamps das vorgestellt hatten, wie lange sie an den Konzepten gearbeitet haben und welche Hymne sie ihrem Kamp geben würden erfahrt ihr hier:


 Im Gespräch mit: Janis & Pauli

Euer Kamp klingt wie:
Spice Girls – Wannabe

Wie lange habt ihr an eurem Konzept gearbeitet?
Die Planungsphase ist bei uns sehr hektisch gewesen und es gab schon sehr viele Streitereien, aber ich würde sagen, wir haben einen guten Lösungsweg gefunden. Es war ein bisschen stressig, aber jeder hat seine Ideen eingebracht. Wir haben einen Geldbetrag festgelegt, gesagt so-und-so viel würden wir pro Person selber ausgeben und haben das auch mehr als nur verbraucht.

Was ist euer Motto & welche Aktionen bietet ihr an?
Wir sind ein „Back to the 90s” Kamp. Hier gibt es unter anderem Karaoke, wir haben einen Kiosk, Minispiele wie Topfschlagen oder Dosenwerfen, wir haben Fingerfarbe da und überall so ein paar BRAVOs hängen, dazu Lichterketten und ein großes Paletten Sofa. Das ist ja schonmal was ganz, ganz anderes als das, was man sonst auf Festivals sieht.

Wir sind ein Team, das schon seit 2016 besteht, wir sind mittlerweile 37 Leute. Es hat damit angefangen, dass eine von uns gesagt hat, sie hört Kraftklub, aber niemand ihrer Freunde auch. Dann hat sie Gleichgesinnte gesucht. So hat sich das alles zusammengefunden.

Gibt es etwas, das nicht so geklappt hat, wie ihr es euch vorgestellt habt?
Für mich persönlich war es, dass das Festival von vornherein gesagt hat, es gibt finanzielle Unterstützung. Die kam dann eine Woche vor dem Kosmonaut in Form eines 50€ Baumarkt Gutscheins. An sich coole Sache, coole Aktion, aber es war halt ein bisschen schwierig. Wir hatten das meiste schon besorgt und 50€ – ich glaube das weiß jeder – da ist im Baumarkt oft nicht mal ein Pavillon drin. Aber wir hatten trotzdem ein geiles Festival. Wir haben ja auch als einziges Kamp die Minibar gewonnen.

Für die Likes haben wir natürlich erstmal alle unsere Freunde animiert und dann hatten wir noch das Glück, mit dem Concerttalk aus Wuppertal und zwei anderen Teams eine Folge für’s Radio und für den Podcast zu drehen.

Was war bis jetzt euer Highlight auf dem Festival und worauf freut ihr euch noch am meisten?
Am besten waren ja eigentlich Marteria und Casper gestern als geheime Headliner. Und heute Morgen der Weckruf der beiden war schon krass. Als gestern der Vorhang fiel und wir RIN sahen, waren wir zugegebenermaßen noch ein bisschen enttäuscht. Dann saß ich wieder im Kamp und dachte so: Warte mal, das ist doch gerade nicht mehr RIN. Wir sind also nochmal zurückgegangen und nach Cro kamen dann Marten und Casper, inklusive Album-Ankündigung. Endlich! Ich bin sehr gespannt, wie‘s wird.

Was wollt ihr noch erzählen?
Das Kraftklub Flunkyball Team ist eine sehr, sehr coole Truppe und wir möchten hier nochmal alle davon grüßen!

 Im Gespräch mit: David, Vanessa und Christin

Was ist das Wertvollste oder Wichtigste in eurem Kamp?
Bier. Es dreht sich alles nur um Bier. Wir haben beispielsweise auch unser eigenes Bier entworfen. Das Logo haben wir selbst gezeichnet und bearbeitet und dann drucken lassen. Außerdem haben wir unsere eigenen Bändchen gestaltet. Einfach so, just for fun.

Wie lange habt ihr an eurem Konzept gearbeitet?
Wir haben einige Male telefoniert, alles in unserer WhatsApp Gruppe abgesprochen und sind jetzt seit Mittwoch hier, haben aufgebaut und waren mehrfach im Baumarkt.

Was war bis jetzt euer Highlight auf dem Festival und worauf freut ihr euch noch am meisten
– Von den Konzerten war es Feine Sahne Fischfilet. Das Highlight im Kamp war, dass unser Pavillon gestorben ist und wir einen neuen kaufen mussten.
– Für mich persönlich: Ich hab das erste mal Max und Steffen von Kraftklub hautnah getroffen und konnte ein Foto mit ihnen machen. Das war halt schon irgendwie ziemlich cool.
– Auch als die Jury gekommen ist, also Kraftklub, und sich das angeguckt und Bier mit uns getrunken hat. Das war echt nice.

Wurde schon ein Gewinner gekürt?
Die Mexikamper da drüben. Gönnen wir denen aber auch voll. Die gewinnen Jacken und ein goldenes Ticket für nächstes Jahr.




Hat alles so funktioniert, wie ihr es euch vorgestellt habt?
Wir haben uns das ein bisschen leichter vorgestellt. Das, was geklappt hat, waren die Bierpong Tische. Unser Fahnenmast zum Beispiel ist komplett improvisiert aus einem alten Pavillon zusammen gezimmert. Aber wann klappt schonmal wirklich was nach Plan?

Wir sind trotzdem sehr zufrieden.

Mit unbegrenzten Möglichkeiten, was hättet ihr gerne noch gebaut?
Einen besseren Pavillon auf jeden Fall, mehr Deko und ‘nen riesigen Pool.

Wir haben immer aufs Geld geachtet, da wir alle Studenten und Schüler sind. Trotzdem haben wir wesentlich mehr ausgegeben als unser Budget, mindestens 300 Euro für alles zusammen. Der Baumarkt Gutschein hat nicht ganz gereicht, der deckt natürlich niemals alle Kosten ab, aber das war trotzdem eine super nette Geste!

Gibt es etwas, das ihr noch loswerden möchtet?
– Bieronauten for President
– Gegen Rechts!

 Im Gespräch mit: Lisa

Was ist das Wertvollste oder Wichtigste in eurem Kamp?
Mexikaner

Was ist euer Konzept und wie seid ihr darauf gekommen?
In unserer WhatsApp-Gruppe haben wir erstmal gebrainstormed, was wir alle mögen und dann war irgendwann klar: Mexikaner mögen wir, also nennen wir uns die Mexikamper. Fertig.

Wie lange habt ihr daran gearbeitet?
Von Beginn an, also als rausgekommen ist, dass es das Kamp mit K geben soll, haben wir geplant.

Ihr habt ja gewonnen. Was ist das so für ein Gefühl?
Wir haben das nicht erwartet. Selbst heute realisieren wir das noch nicht ganz. Es sind echt mega coole Kamps dabei, aber wir scheinen überzeugt zu haben.

Gibt es Aktionen bei euch im Kamp oder verteilt ihr einfach Mexikaner?
Wir verteilen Schnaps und es gab Mexikaner Speed-Dating. Jede Runde wurde mit Mexikanern eingeleitet. Wir haben noch die Piñata, die irgendwann demnächst geköpft werden soll, den Golf von Planschiko und die Mauer. Vielleicht gibt‘s heute noch ‘nen Mauerfall.

Hat alles so funktioniert, wie ihr es euch vorgestellt habt?
Ja schon. Also wir mussten Lichterketten nachkaufen, weil die Idee spontan kam, das K noch zu beleuchten. Mit der Fahne für die Mauer haben wir sehr lang hin und her getüftelt. Aber ansonsten hat alles gut geklappt.

Gibt es etwas, was du unbedingt loswerden möchtest?
Wir sind alle mega cool, trinken gerne und das hier ist das beste Camp der Welt.

Im Gespräch mit: Julian

Was ist das Wertvollste oder Wichtigste in eurem Kamp?
Dass wir uns nicht branden lassen, einfach real sind und unser subkulturelles Ding durchziehen. Und Spaß. Na klar steht der Spaß bei uns im Vordergrund.

Wir haben einfach den Anspruch, dass es gemütlich wird, ein bisschen Oldschool aussieht und dass wir uns nicht irgendwelchen Schnick Schnack hinhängen und irgendein komisches Motto ausdenken, nur um das hier zu gewinnen.

Wie lange habt ihr an eurem Kamp gearbeitet?
Ich arbeite in Ingolstadt selber auf einem Festival, organisiere das mit. Dadurch komme ich an ein paar coole Sachen ran, wie einige alte, geile orientalische Teppiche oder Lampenschirme oder Sonnensegel. Das hab ich dementsprechend in meinen Hänger reingehauen, hergefahren und dann haben wir das aufgebaut. Das hat ‘nen Tag gedauert.

Was relativ schwer war, war die Birken richtig im Boden zu verankern, dass alles windfest ist. Aber ansonsten waren wir schnell durch.



Was war bis jetzt euer Highlight auf dem Festival und worauf freut ihr euch noch am meisten?
Ich freu mich ganz besonders auf Yung Hurn und ein großes Highlight war für mich persönlich die Siggi-Area, weil man da tatsächlich hochqualitativen Techno und House gehört hat. Fand ich echt geil.

Hat alles so geklappt, wie ihr es euch vorgestellt habt?
Manche sind halt in der Prüfungsphase und die Arbeit blieb teilweise an ein paar Leuten hängen und das war dann schon relativ viel Aufwand.

Aber von den Bauten haben wir auf jeden alles hinbekommen. Und wir sind ‘ne mega gestörte, lustige Truppe und geben keinen Fick, dass wir jetzt besonders cool rüberkommen müssen oder so. Wir machen einfach das, was wir machen und sind damit geil drauf.

Was gibt es noch zu erzählen?
Wir haben auch ein Tanzviereck eingerichtet, das kam Freitagnacht sehr gut an. Auf dem ganzen Campingplatz war nichts los – außer hier. Auf diesem kleinen 3×3 Meter Quadrat standen ungefähr 30, 40 Leute ganz eng aneinander gedrängt und haben getanzt. Juicy Gay hat bei uns die ganze Nacht gechillt, weil er es einfach geil fand. Das ist für uns schon das größte Lob, da brauchen wir keinen Wettbewerb.


Festivalfinder

Kosmonaut Festival 2019

05. & 06. Juli – Stausee Rabenstein, Chemnitz


Alle Infos zum Festival

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