Magazin

Mit Leidenschaft & Traditionen

Das O MATO Festival im Interview


 
 

interview Isabel Roudsarabi
redaktion Leonie Ruhland
fotos Alex Glocker, Andreas Linke, Jonas Köksal, Eneas Bohatsch

lesedauer 15 Minuten

The O MATO Experience. Das klingt auch irgendwie schon nach etwas Großem. Und mal abgesehen von der tatsächlichen Besucher*innenzahl des Festivals, stimmt das wohl auch. Die Veranstaltung im Amazonas ist definitiv eine Perle der Festivallandschaft – obwohl man sie vielleicht eher als Abenteuerreise beschreiben würde.

 

Zehn Tage lang erleben die Gäste das Brasilianische Lebensgefühl; in Workshops, Touren und Aktivitäten wird man über den angrenzenden Fluss oder die heimischen Pflanzen aufgeklärt, Wasserfälle werden besucht oder mit den Anwohner*innen Fußball gespielt. Parallel tanzen Gäste aus aller Welt im Sonnenuntergang auf einem schwimmenden Floß auf dem Rio Negro.

Wir haben uns mit dem fast vollständigen Team, bestehend aus Eneko, Julia, Jonas & Florian, im Biergarten in Berlin getroffen und ein sehr emotionales Gespräch geführt, leider ohne Cyrill – ebenfalls Teil des Kernteams – der nicht dabei sein konnte. Darüber, was einem als junges, kleines Unternehmen mit Visionen und Utopie im Weg steht, wie man seine Prinzipien auch in der Erwachsenen-Welt nicht verliert und was ihr Festival zu etwas wirklich ganz Besonderem macht. 

Wollt ihr euch zum Anfang einmal kurz vorstellen?
Jonas: Mein Name ist Jonas also known as Amazonas Thomas. Ich bin 25 und vor sechs Jahren nach Berlin gezogen. Mittlerweile habe ich mein Studium als Kommunikationsdesigner abgeschlossen und arbeite als Art Director. Zum großen Teil ist das auch mein Job bei O MATO: der visuelle und kreative Output. Außerdem kümmere ich mich um die musikalische Kuration.
Eneko: Ich heiße Eneko bin 23 und habe in Berlin Tourismus- und Eventmanagement studiert. 

Ich habe aber schnell gemerkt, dass das, was ich da lerne, keinen innovativen Ansatz hat und nicht wirklich praktisch ist. Deshalb wollte ich umbedingt etwas eigenes umsetzen.


Mein Vater ist vor 15 Jahren nach Brasilien ausgewandert, dementsprechend habe ich immer schon einen sehr starken Bezug zu dem Land gehabt, habe auch eine komplette Familie dort. Früher, als ich noch zur Schule ging, habe ich in den Sommerferien immer als Reiseleiter bei meinem Vater gearbeitet. Er veranstaltet individuelle Amazonas-Flussexpeditionen. Er war früher Dokumentarfilmer, hat viel in Südamerika gearbeitet und dort einen Siedler kennengelernt, der seine Insel verkaufen wollte. Der Siedler war dort allein, weil seine Familie – geprägt von dem Bild, dass sie aus Novelas hatten – schon in die Stadt gezogen war. Viele der Siedler streben nach diesem westlichen Bild, das einem durch das Fernsehen dort vermittelt wird, und wollen das natürlich auch für sich. Der Inselbesitzer war auch bereits etwas älter und wollte es nun seiner Familie gleichtun. Mein Vater hat ihm die Insel dann abgekauft und angefangen daran zu arbeiten, eine Infrastruktur gebaut und ist dann in den Tourismus eingestiegen.
Irgendwann hatte ich die Idee, Leute an diesen Ort zu bringen. Später habe ich Jonas kennengelernt und ihn gefragt, ob er Lust hätte, mit mir und einem anderen Kumpel zusammen das Konzept für O MATO zu entwickeln. 

Julia: Ich bin Julia. Ich bin jetzt bald fertig mit meinem Eventmanagement Studium, schreibe meinen Bachelor – bzw. ich sollte meinen Bachelor schreiben. 
Ich war dann auf der ersten O MATO Party, wo ich Eneko kennengelernt habe und direkt mitmachen wollte. Jetzt kümmere ich mich um den Customer Service.
Florian: Ich bin Florian, Hallo! Ich bin gerade im Masterstudiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und arbeite in einem Start-Up, mit dem wir Solar-Generatoren für Events herstellen und bei dem wir uns für grüne Eventkultur einsetzen. O MATO hat aber mindestens einen genau so hohen Stellenwert für mich, da ich auch schon ewig gerne Veranstaltungen betreue und diese Leidenschaft dabei ausleben kann.
Cyrill, mein Mitbewohner und guter Freund – ich hab dich echt gern Cyrill – der heute leider nicht da sein kann, und ich haben irgendwann mit der O-MATO Crew zusammen angefangen Veranstaltungen zu machen. Die Zusammenarbeit hat uns so sehr Spaß gemacht, dass wir dann auch mit nach Brasilien fahren wollten und beim Festival aushelfen.
Eneko: Dann beim After-MATO, also in unserer Abbau-Zeit, saßen wir am Stand – das war sehr romantisch – und haben gesagt, dass wir die Jungs gerne langfristig dabei haben wollen.
Cyrill ist 25 und hat sein Architekturstudium abgeschlossen. Beim Festival übernimmt er vor allem die Produktion, kümmert sich um den dekorativen Bereich und das Personal-Management.

Wie kann man sich das musikalische Programm vorstellen? Spezialisiert ihr euch auf ein Genre oder seid ihr breiter aufgestellt? 
Jonas: Ich bin schwer der Meinung, dass man sich, wenn man über zehn Tage das gleiche hört, irgendwann langweilen wird. Deshalb wollen wir ein vielseitiges und abwechslungsreiches Programm – fokussieren uns also auf kein Genre. Es darf alles gespielt werden. 
Natürlich gibt es beim Booking ein paar Musikrichtungen, die wir präferieren. Elektronische Musik lieben wir alle. Aber genauso gibt es bei uns z.B brasilianische Musik, von der wir große Fans sind. Eine gute Freundin spielt z.B. von afrikanischen Rhythmen bis Nigerian Highlife, über alte brasilianische Musik, bis hin zu Soul und Funk aus den 70ern, alles Mögliche. Es kann auch mal ein japanisches Ambient-Set dabei sein – es sind keine Grenzen gesetzt, es gibt einfach Sachen, die wir mögen. 
Florian: Es geht nicht ausschließlich um den Rave, sondern auch um die Dancefloor-Kultur, die durch die Freiheit an diesem Ort entsteht. 

Es geht auch darum, mit der Musik zu spielen und dadurch eine Gemeinschaft zu schaffen, die mindestens über die
O MATO Zeit bestehen bleibt. 

Jonas: Dementsprechend gibt es auch verschiedene Motto-Tage. Dabei werden die DJs zusammengewürfelt, die sound-technisch zueinander passen. Außerdem gibt es ein bis zwei Ruhetage, an denen wir Selektor-Sets eingeführt haben, wo nur Musik gespielt wird, die keine Beats hat – alles von Jazz bis Ambient.


Ich hab auch gesehen, das ihr mega viele Workshops und Führungen anbietet…
Jonas:  Das ist eigentlich auch sehr essenziell bei dem Event und deswegen wollen wir es oft nicht Festival nennen. Es ist viel mehr als nur eine Party. Unser ganzes Angebot besteht fast zu 50% aus Touren, Expeditionen und Dschungel-Führungen. Wir sagen ganz oft, es hat eher nur Festivalcharakter, aber es ist viel mehr eine Abenteuerreise. 
Eneko: Das Angebot ist natürlich angelehnt an das Set-Up, da ja direkt auf der anderen Seite der Nationalpark liegt. Der ist ist eines der größten oder wenn nicht sogar das größte Süßwasserarchipel. Sehr Arten-vielfältig. Da gibt es zum Beispiel pinke Flussdelfine, dafür ist der Park sehr bekannt. 
Jonas: Die sieht man tatsächlich immer. 
Eneko: Wir bieten also eintägige oder mehrtägige Touren. Im Ticketpreis werden bereits bestimmte Einführungstouren inkludiert, die umsonst sind. Zum Beispiel lernst du den Fluss kennen, bedeutet du hast ‘ne Bootsfahrt. Oder du kannst die Siedler kennenlernen oder durch den Wald spatzieren, und so weiter. Danach bekommst du über die zehn Tage ein Angebot von verschiedenen Touren. Das sind dann zum Beispiel längere Wanderungen durch den Wald oder längere Bootstouren. Da zahlst du dann vielleicht nochmal 10€ drauf und kannst dann die Erfahrung weiter intensivieren. Unsere Top-Tour ist eine zweitägige Wasserfall-Expedition. Da fährt man mit maximal zehn Leuten mit ‘nem kleineren Schiff fünf Stunden lang flussaufwärts, bis der Fluss immer enger wird. Dann steigt man in Boote um und fährt bis zu einem Wasserfall, an dem man campt und am nächsten Tag geht’s zum nächsten Wasserfall. 

Das ist die coolste Tour oder Adventure-Level 5/5, um das mal so zu sagen.

Könnt ihr mir etwas über die Bewohner*innen dort erzählen?
Eneko: Die Siedlern sind keine indigenen Völker. Das ist eine Mischkultur aus ursprünglichen Sklaven, die aus dem Nordosten während des Kautschuk-Booms im 19. Jahrhundert dort hingebracht wurden, und indigenen Sklaven. Caboclo sagt man zu ihnen auf portugiesisch. Sie leben an den Flussufern. Mit ihnen tauschen wir uns auch aus, machen zum Beispiel Volleyballturniere zusammen. Damit auch wieder zurück zu den Aktivitäten: Das sind Dinge, die der Festivalgast frei wählen kann, wann er will. Er kann sich ein Kanu nehmen, kann sich eine Angel nehmen, kann mit einem Boot rumfahren…
Es gibt auch Workshops, wie z.B. Pflanzenkunde mit einheimischen Guides. 
Florian: 

Wir wollen den Leuten gern auch die indigenen Traditionen nahe bringen und die Bevölkerung vor Ort findet es genau so spannend wie wir, eine andere Kultur kennenzulernen.


Eneko: Alle unsere Mitarbeiter sind ausnahmslos aus der Region. Sie kommen alle mit auf den Dance-Floor, wir tanzen und feiern mit ihnen zusammen. 
Julia: Ein paar von ihnen haben sich schon Legendenstatus erarbeitet. Man versteht sich eigentlich gar nicht, aber mit Hand und Fuß geht’s dann irgendwie doch. Es ist sehr schön zu sehen, dass die Leute trotzdem Bock darauf haben. 
Eneko: Also die Leute freut es schon, sie wissen halt noch nicht wie sie das genau einordnen sollen. Normalerweise sehen sie Touristen nur als diese Weißen, die Geld haben, und nur zum Gucken vorbeikommen. Da ist es wichtig, dass man sie mehr integriert. Wir haben auch die Idee, dass wir zum Beispiel mal eine Nacht mit den Caboclo verbringen, also mit den Einheimischen und ihrer Musik. 
Dieses Klischee: “Amazonas – wilde Tiere und wilde Indianer“ das verfälscht das allgemeine Bild. Die meisten denken Indianer sind Leute, die nackt im Wald rumlaufen. 99% der Indianer sind aber einfach nicht so. Sie leben mit Motorbooten, leben ganz normal. Es ist uns wichtig, dass man sowas weiter kommuniziert, damit man auch im Folgeschluss den Leuten zeigen kann, dass diese Menschen Probleme haben, weil ihr Lebensraum zerstört wird und den gilt es zu schützen.


Ich hab auch gesehen, dass ihr auf eurer Facebook-Seite viele Posts über die NGO mit der ihr arbeitet absetzt. Habt ihr das Gefühl, dass das auch bei den Leuten ankommt, die euch besuchen?
Florian: Sowas entsteht natürlich auch aus einem persönlichen Anspruch, also ich sag immer gerne, wir wollen ‘nen hedonistischen und ‘nen verantwortlichen Lebensstil vereinen, weil wir glauben, dass das geht. Warum also nicht ein Festival dann auch nutzen, um am Ende noch etwas Positives beizutragen.
Eneko: Es kommt auch auf jeden Fall bei den Leuten an! Ich hab zwei ganz gute Beispiele: Ich hatte ich bei einem unserer Kino-Events die Situation, dass wir einen Film über die Abholzung des Regenwalds gezeigt haben und hinter der Bar entstand danach eine anregende Diskussion.
Survival International, mit denen wir arbeiten ist eine NGO, die sich für die Rechte indigener Völker einsetzt. Besonders im Moment, durch die politische Lage in Brasilien sind sie dort recht aktiv, arbeiten aber auch in vielen anderen Ländern. Gerade haben wir ein eigenes Charity Event organisiert, um sie zu unterstützen.
Zum Anderen natürlich Social Media: Man sieht das an der Interaktion. Seit diesem Jahr laufen solche Beiträge super gut, man merk, dass sich die Leute dafür interessieren.

Am Anfang habt ihr euch durch Crowdfunding finanziert, seid jetzt aber eine GmbH – wie sieht es aktuell mit eurer Finanzierungs-Struktur aus?
Jonas: Das erste Finanzierungsmodell war es, alles aus eigener Tasche zu zahlen. Wir haben natürlich versucht Sponsoren oder Investoren zu bekommen, aber grade am Anfang und bei so einem verrückten Projekt, da glaubt einem niemand, dass sich das lohnt. Deswegen habe mir damals ‘nen Kredit aufgenommen und wir haben alle gearbeitet, um erstmal die Beta-Version zu finanzieren und zu schauen, wie das funktioniert. 
Nach dem ersten Festival haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, dass wir das alle ein bisschen fester machen wollen, ein bisschen professioneller. Dann haben wir wieder mehr oder weniger aus eigener Tasche die GmbH gegründet. Im Moment finanzieren wir uns einerseits natürlich durch Ticketeinnahmen, aber wir machen zusätzlich regelmäßig Events in Berlin oder auch in anderen Städten. Wir waren zum Beispiel schon in Rio de Janeiro, in Kapstadt, Stuttgart, oder München. Wir machen ja mittlerweile auch das Island Festival in der Nähe von Berlin, mit c.a. 2.000 Besuchern. Aber man muss auch dazu sagen, dass wir uns selbst noch nie ausgezahlt haben. 

Wenn etwas an Geld generiert wird, wird das alles sofort wieder ins Projekt gesteckt.


Eneko: Langfristig wollen wir O MATO schon weiter verfolgen und zu unserem Job machen. Ich glaube, man wird nur erfolgreich, wenn man dran bleibt und sein Ziel nicht aus den Augen verliert.
Florian: Ich glaub’, letztendlich muss man einfach an jeder Idee nur lang genug festhalten, damit sie irgendwann Früchte trägt. Viele Ideen sind so wahnsinnig geil, aber die Leute haben nicht die Ausdauer das lang durchzuziehen und so lang zu strugglen, bis es dann endlich klappt.
Julia: Wir haben auch gestruggled. Wir strugglen immer noch.
Jonas: Ich arbeite jetzt zum Beispiel erst seit kurzer Zeit festangestellt und davor hab ich immer meinen eigenes Ding gemacht: eigene Projekte, O MATO oder als Freelancer gearbeitet. Jetzt ist es so, dass ich Kampagnen für Kunden mache und das was ich tue eben nichts mit mir persönlich zu tun hat.
Man hat ja auch keinen Bock sein ganzes Leben irgendwas zu machen, was einem nur so halb gefällt.
Eneko: Dann blickst du zurück und denkst einfach nur so: Warum eigentlich?
Jonas: “Nur um meine Miete zu zahlen”, ist halt keine richtige Rechtfertigung.


Habt ihr alles, was es auf der Insel an Gebäuden gibt, selber gebaut? Ich hab in eurem Aftermovie dieses riesige zeltmäßige Etwas gesehen. 
Eneko: Ne, also die infrastrukturelle Grundlage wurde eben bereits von meinem Vater gelegt. Etwa die Tiefbrunnen oder die Küche. Dieser Rundbau – das ist ja ein Indianerrundbau aus Palmenblättern – der ist eigentlich ein an die Yanomami-Indianern angelehntes Architekturkonzept. Einer von unseren ganz festen Mitarbeitern, der schon seit 15 Jahren mit meinem Vater zusammen arbeitet, hat es umgesetzt. Diese grundlegenden Sachen, wie die Häuser, haben wir nicht gebaut. Wir haben eher so kleinere Dinge, wie z.B eine Saftbar errichtet, die Kyrill entworfen hat. Wir kümmern uns eben um alle kleineren Bauwerke, die Details und darum, dass es den Gästen gerecht wird und sie sich dort wohlfühlen.
Jonas: Das muss man dazu sagen, weil viele Menschen denken, sie fahren in den Dschungel und leben da wie Neandertaler. Letztendlich geht’s einem dort schon wahnsinnig gut. Aus jedem Wasserhahn bekommst du Trinkwasser, es gibt ganz normale Duschen, ganz normale Toiletten. Für Dschungelverhältnisse ist das schon echt Luxus. 
Eneko: Die Leute stellen sich das immer so vor – „Festival im Dschungel – und wo schlafe ich dann?“ Aber wie gesagt: Wir haben eine Küche, wir haben für manche DJs air-conditioned-Zimmer. Auch dieser Rundbau hat so einen Wohnzimmerflair.

Die Leute sind immer super begeistert und teilweise auch geschockt, wie zivilisiert wir da leben.

Letztendlich ist es ja weit Weg von der Zivilisation. Du bist zehn Stunden mit dem Boot von der nächsten Großstadt entfernt.

Campt man auch vor Ort?
Jonas: Man kann faktisch nicht in Zelten schlafen, weil es Termiten gibt. Die würden sofort in dein Zelt eindringen.
Deswegen schlafen alle in Hängematten. Das ist auch für das Amazonas-Gebiet Gang und Gebe. Da denkt natürlich der durchschnittliche Festivalbesucher “Was? Eine Hängematte für zehn Tage?” Aber ganz ehrlich – wenn man einmal den Clou raus hat, wie man richtig in einer Hängematte schläft, dann ist es eine Million Mal gemütlicher als jedes Zelt. Hängematte is echt Lifestyle. 
Eneko: Auf jeden Fall! Es ist nicht so, dass wir in den Amazonas gehen und sagen “Hey wir wollen unseren europäischen Festivalvibe nach-kreieren“, sondern wir wollen uns schon an die lokalen Traditionen anlehnen. Das ist eben die Hängematte. Das gleiche ist es auch mit der Anreise. Wir reisen zum Festival von Manaos an. Die Leute steigen ins Schiff – wir haben da so einen Doppeldeckerschiff gechartert – mit dem fahren wir ganz traditionell durch die Nacht zum Gelände, feiern dort auch unsere Opening-Party.

Wie ist das so – ihr habt gerade Termiten angesprochen – wie sieht es mit Sicherheit und Sanitätern vor Ort aus? 
Eneko: Man muss den Thorsten an der Stelle erwähnen. Unser Grundstück liegt auf der einen Seite in Richtung eines Nationalparks und das nächstgelegene Dorf auf der anderen Seite nennt sich Novo Airo. Dort wohnen vielleicht 4000 Leute. 
Jonas: In diesem Dorf gibt es genau vier Deutsche. Das ist einmal Enekos Vater, noch zwei andere und dann eben der Thorsten. 
Eneko: Er hat eine Krankenpfleger-Ausbildung gemacht. 
Jonas: Genau. Und er ist dann immer vor Ort und ist einfach ein wahnsinnig geiler Typ. Der hat eine erstaunliche Ruhe in sich. Er ist unsere Anlaufstelle Nummer 1., wenn es um unsere Sanitäter geht. Es ist aber noch nie irgendetwas schlimmes passiert. Die größte Gefahr sind nicht die Tiere dort, sondern eigentlich man selbst, wenn man nicht aufpasst, über eine Wurzel stolpert oder zu betrunken ist und hinfällt.
Julia: Die großen Säugtiere oder Reptilien sind sehr scheu und halten sich im tieferen Dschungel auf. Man bekommt sie eigentlich nur auf Touren mit einem geschulten Guide zu Gesicht. Ich habe zum Beispiel Angst vor Spinnen, aber solange sie mir nicht zu Nahe kommen, kann ich dort super mit ihnen leben.

Und woher kommen eure Gäste? Hauptsächlich aus Deutschland, oder sind da auch andere Nationalitäten dabei?
Julia: Vor allem dieses Jahr sind viel mehr Anfragen aus dem Ausland da. Italiener, Spanier, Franzosen und natürlich auch einige aus Süd-Amerika und eben besonders Brasilien. Die DJs sind sowieso immer aus den unterschiedlichsten Ländern.
Klar ist es immer noch ganz viel Deutschland, hauptsächlich Berlin und München. Aber wir versuchen vor allem mehr Brasilianer einzuladen, damit der kulturelle Austausch auch stattfindet. 
Wir probieren, das zu initiieren, indem wir jetzt z.B. die Ticketpreise auf Dollar umgestellt haben statt auf Euro. 
Jonas: Außerdem bleibt der Ticketpreis – aufgrund der wirtschaftlichen Lage – für Süd-Amerikaner etwas günster, auch in den späteren Ticketphasen

Macht ihr also auch Promo in anderen Ländern? 
Jonas: Es gibt verschiedene Ansätze. Ansatz Nr. 1 sind weltweite Events, die das Festival promoten. Das ist natürlich immer ein bisschen schwierig, wenn wir alle in Berlin sind, aber wir haben auch Kontakte in der ganzen Welt. Wir haben zum Beispiel auch brasilianische Promoter. 
Eneko: Wir haben Leute, die nennen wir „Embassador“, also Botschafter, die alle schon mal bei uns waren, alle den selben Vibe haben und von denen wir wissen, dass sie unsere Vision verstehen. Die promoten O MATO in ihren Freundeskreisen. Das ist auch ein Konzept, was wir vorantreiben wollen und wir legen auch extra Tickets für sie zurück. 
Dazu kommt, dass auch unsere Bookings wahnsinnig international aufgestellt sind. 

Wir haben jetzt vor einigen Wochen unser erstes Line-Up released und da sind Leute aus Kolumbien, Brasilien, Italien oder Frankreich dabei.


Jonas: Es war von Anfang an auch unser Ziel, dass wir einen inter-kulturellen Austausch schaffen. Wir wollten nie einfach dort hingehen und nur unser Ding machen und unsere Leute mitnehmen. Wir wollen, dass am Ende so viele Nationalitäten wie möglich da sind und alle eben diese zehn Tage in einer Community zusammen verbringen.

Das klingt auf jeden Fall alles so, als würde das Festival sehr, sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Wie vereint ihr das mit eurem Studium, eurem Job?
Eneko: Das frage ich mich manchmal selbst. 
Florian: Zunächst haben wir alle eigentlich ausnahmslos unsere Bachelor-Arbeit über dieses Thema geschrieben…
Eneko: Wir haben also schon unser Studium an O MATO angepasst, es in
O MATO integriert. Jeden Tag haben wir uns in der Uni getroffen und das Konzept entwickelt und die Story ein bisschen aufgebaut. 
Julia: Man muss sich einfach die Zeit nehmen, wenn man das wirklich möchte.
Florian: 

Ein Stück weit fühlt es sich nicht wie Arbeit an, sondern eher wie eine Art Bestimmung, wie etwas, das einen erfüllt. Es ist eine Leidenschaft.


Eneko: Wir sind alle sehr gute Freunde und hängen viel miteinander ab. Wir reden dann auch über andere Themen, aber wir beschäftigen und unterhalten uns auch zwanglos über die Dinge, die bei O MATO anstehen. Da findet immer ein Austausch statt, nicht wie bei normalen Unternehmen, in denen nur während der Arbeitszeit über die Arbeit gesprochen wird. Es macht einfach auch Spaß, weil das unser Baby ist.
Florian: Es ist einfach Leben. 
Jonas: O MATO is life!

Habt ihr vielleicht zum Abschluss noch ein oder zwei Geschichten oder Situationen, die euch aus den letzten Jahren im Gedächtnis geblieben sind?
Jonas:  Die Leute, die mich kennen, wissen das ich echt nicht so ein emotionaler Mensch bin bzw. das nicht so gut zeigen kann. Aber ich weiß noch gut, beim ersten Mal, am letzten Abend, das war eine unglaubliche Stimmung. Alle hatten den Spaß ihres Lebens. Dann stand ich einfach da und hab’ geweint. Ich war so glücklich und dachte „Oh Fuck, das ist einfach sau schön!”. Das war auf jeden Fall ein sehr, sehr schöner Moment. 
Florian: Einmal hatte Eneko jemanden ins Wasser geschubst und seine Brille ist untergegangen und war verloren. 
Eneko: Es war schrecklich, der Typ sieht nichts ohne Brille. Er ist schon vom Dancefloor gegangen und war mega traurig. Flo ist währenddessen ins Wasser gesprungen – das ist zwei, drei Meter tief, man sieht wirklich gar nichts – aber auf einmal kommt er mit dieser Brille wieder heraus. 
Florian: Das war so ein Moment, den ich nie vergessen werde. Ich wusste wie wichtig die Brille war, bin ins Wasser gesprungen und habe den kompletten Boden abgetastet. Direkt beim ersten Versuch habe ich das Gestell gespürt und bin mit der Brille wieder aufgetaucht. Alle sind vor Freude ausgerastet. 

Da werde ich noch meinen Kindern und meinen Urenkeln von erzählen. 

Eneko: Wir haben auch einmal beim Abbau mit dem Team einen Tag auf der anderen Seite des Flusses im Nationalpark verbracht. Am Abend wurde Feuer gemacht, alle waren natürlich ziemlich fertig, aber als wir dann zurück kamen, haben wir im Sonnenuntergang noch zusammen gegessen. Auf einmal kam eine Dynamik auf: plötzlich stellt einer einen Tisch dahin, der andere stellt den Grill daneben …
Jonas: Jemand hat das Essen vorbereitet…
Eneko: Ohne, dass irgendjemand was sagen muss, stellt der nächste Kerzen auf, der andere bringt Bier und auf einmal sitzen wir unter’m Sternenhimmel, es weht es eine schöne lauwarme Brise. Es war so kitschig, aber so schön – einfach unglaublich. 
Jonas: Wir gehen da ja nicht einfach hin und arbeiten für das Festival und gehen dann wieder nach Hause, sondern leben wirklich wochenlang zusammen. 

Man lernt sich auf eine wahnsinnig ehrliche Art und Weise kennen.


Eneko: Das ist auch das Schöne, diese ästhetischen Kleinigkeiten. Da gibt’s kein: „Sitzt jetzt mein Haar? Schau ich jetzt gut aus? Stinke ich?“, sondern einen ganzen Monat jeden Tag zusammen aufwachen und einschlafen…
Ich hab zum Schluss noch einen Moment, in dem ich auch kurz geweint habe. Es war das erste Festival und es war wirklich der krasseste Stress, den ich in meinem ganzem Leben je hatte. Wir haben Wochenlang aufgebaut und dann endlich alle auf’s Schiff geholt und sind losgefahren. Es war einfach so schön zu wissen, dass es jetzt endlich soweit ist. Das war genau der Moment, wo alles Realität wurde. Das war der Moment, wo ich wusste: Wir haben es geschafft.

Line-Up 2019

CARROT GREEN • DJ KOOLT • EVA LUZIA • LEMOAN • NEY FAUSTINI • PATRICK POITZ • PENSANUVEM • RICCARDO 
uvm.

Festivalfinder

O MATO Experience 2019

06. – 16. September – Cheiro do Mato, Brasilien


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