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"Was wäre wenn?" mit dem Pferdefest, Green Juice & Jenseits von Millionen

Alles oder nichts


Es sind doch gerade die Extreme im Leben, die es reizvoll machen. Und das Festival ist meistens der richtige Ort für den Ausnahmezustand. Egal was – es gibt auf jeden Fall zu viel oder zu wenig davon.

text Sonni Winkler
redaktion Isabel Roudsarabi, Henrike Schröder
collage Lena Dierkhüse
fotos Stefan Heinz PF
Philipp Haas — PF
Rainer Keuenhof — GJF
Sonja Möller — GJF
Nina Sartorius — JVM
Dennis Schnieber — JVM

lesezeit 5 Minuten

So sind auch die Bedingungen, unter denen Festivals veranstaltet werden, oft unvorhersehbar und wild. Improvisation, Schnelligkeit und Kreativität sind gefragt. Gerade weil diese Eigenschaften für Festivalschaffende im letzten Jahr mehr oder weniger hinfällig wurden, haben wir sie für ein utopisches “Was wäre wenn …?”-Gedankenspiel wach gekitzelt.

Pferdefest

Das Titelbild unseres ersten Interviews mit dem Pferdefest zeigt einen Mann in der Uniform eines russischen Zirkusdirektors, der mit einer Trommel Gänse vor sich hertreibt. Die in den Artikel einleitende Zusammenfassung des Line-ups klingt wie folgt: Nintendocore, Kaffee-und-Kuchen-Rock, Maschinenkonzert, 70s synth-phonic Soul, Schlager, DnB-Punk, Acid Space Funk. Mit dieser bildgewaltigen Beschreibung öffne ich nun erneut die Tür zum absurd knalligen Universum des Pferdefest – mitten im eigentlich so gesitteten Moseltal. 

Green Juice Festival

Die Bilder vom ersten Green Juice 2008 machen einem eindrücklich bewusst, was gemeint ist, wenn Festivalveranstalter*innen von den ganz kleinen Anfängen erzählen. Doch die Macher*innen des Festivals müssen nicht an ihre Wurzeln erinnert werden – im Gegenteil, sie würden sie sofort als problemlose und Budget schonende Alternative reaktivieren. Mit ganz viel Liebe wird die Festivalkultur im schönen Rheinland gepflegt, aber auch hier stellt sich die Frage: Auf was könnte beim Green Juice Festival definitiv nicht verzichtet werden?

Jenseits von Millionen

Das Jenseits von Millionen – auf der berühmt berüchtigten Burg in Friedland – überträgt ein ganz bestimmtes Gefühl, wie ein warmes Kribbeln im Bauch. Sehr viel Herz, Liebe für noch so kleine und absurde Details und jede Menge Bock – und das alles fernab jeglicher Menschenmassen. Hier wird sich um jede Besucherin und jeden Besucher Gedanken gemacht und das alles für einen guten Zweck. Da fängt es direkt schon wieder an zu kribbeln.


Wenn ihr unbegrenztes Budget hättet, ...

... welche völlig sinnlose Attraktion würdet ihr für das Festival anschaffen?
Pferdefest Neben Haifischbecken und Autoscooter wäre ein Amphitheater sehr schön, weil es die geschichtlichen Bezüge zur Kultivierung des Weines im Moseltal durch die Römer betonen würde. Feiern könnte man in der Arena sicherlich auch gut. Korrekte Shrimps, die Deep House auflegen, sind auf dem Pferdefest natürlich immer willkommen.
Green Juice Festival ‘Ne schnieke Chill-Area oder, nein UND einen riesigen Pool mit Wasserrutsche und Sprungturm.
Jenseits von Millionen Wir würden uns mehrere mobile Schattenspender, gelenkt von Drohnen oder putzigen Disney Vögelchen und eine Seifenblasenmaschine, die große, kreative Blasen produziert, zulegen.

... was würdet ihr euch für die Infrastruktur anschaffen?
PF Vorneweg: Unser Festivalgelände ist wirklich traumhaft! Da wir aber in jedem Jahr alle Installationen und Aufbauten zurückbauen müssen, wäre ein eigenes Vereinsgelände wunderbar! Interessant wäre der ehemalige Militärbunker auf dem Mont Royal, der zuletzt als „CyberBunker“ oder, wie der Spiegel titelte, als „Der Bunker des Bösen“ Bekanntheit erlangte. Dort gibt es einen wunderbaren Ausblick ins Moseltal und man könnte in seinen Untiefen sicherlich etwas Spannendes starten...
GJF Dekorationen zum Thema Green Juice von lokalen beziehungsweise regionalen Künstler*innen, um auch ihnen eine Bühne zu bieten.
JVM Wir würden uns auf jeden Fall ein großes Zirkuszelt für die Aftershowparty und...

...1.000 zusätzliche Funkgeräte für alle Festivalbesucher*innen anschaffen.

... welche/r Künstler*in würde Teil des Line-ups werden?
PF Wenn Linda de Mol für uns Daft Punk ansagen könnte, würde ein großer Traum in Erfüllung gehen.
GJF AnnenMayKantereit, Kraftklub, Feine Sahne Fischfilet, Enter Shikari, Beatsteaks und Jennifer Rostock
JVM Arcade Fire, Patti Smith, King Gizzard & the Lizard Wizard

... was würdet ihr als Team-Event für Mitarbeitende und Helfer*innen planen?
PF Ein romantischer Zeppelinausflug würde den klassischen alljährlichen Ausritt wunderbar abrunden.
GJF Wir würden nichts Verrücktes machen. Never change a running Party-Konzept! Wir würden in großer Runde zusammen mit Bier und einem Grill eine gute Zeit haben.
JVM Wir würden zu einem Monat “All you can feel” am Schwansee einladen. Für alle – inklusive Bands – mit unbegrenztem Eis essen und Tischtennis spielen.

Wäre eure Zeit in der Planung und Vorproduktion unbegrenzt, ...

... wie würdet ihr das Festivalprogramm gestalten?
PF Schön wäre eine gemeinsame Planwagenfahrt durch die Weinberge mit all unseren Gästen.
GJF Wir würden schauen was man noch für zusätzliche kleine „Attraktionen“ auf dem Gelände anbieten kann.
JVM Es würde einfach von allem mehr geben: mehr interaktive Entdeckungen des Ortes, mehr Deko, mehr Sitzgelegenheiten, mehr Spielchen. Und wir würden definitiv mehr Zeit mit den aktuellen und vergangenen Vereinen verbringen, an die wir gespendet haben!

... wie würdet ihr euren Campingplatz gestalten?
PF Wir würden alle Zelte gerne unterkellern.
GJF Wir würden versuchen die Freizeitaktivitäten aufzustocken: vielleicht eine Beach Lounge, eine Kunstbühne oder einen offiziellen Flunkyball-Platz.
JVM Der Zeltplatz würde noch mehr zur Wohnstube werden - mit Muschebubu Licht, Sofas und Katerfrühstück deluxe - und eine Karaoke-Bühne bekommen. Einfach vielmehr Quatsch – DELUXE!

... welche völlig neue Ebene würdet ihr in das Festivalerlebnis integrieren?
PF Wir würden allen unseren Gästen sehr gerne die Tickets persönlich vorbeibringen. Dafür hat uns bisher schlicht die Zeit gefehlt.
GJF Wir würden ein noch grüneres Festivalleben möglich machen.
JVM Wir würden eine ökologisch-nachhaltige Wasserschlacht veranstalten und eine Zipline über das Burggelände und Friedland spannen.

Wäre die Welt ein Dorf, ...

... wo würdet ihr das Festival ausrichten?
PF Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde ​–​ und zwar in Piesport.
GJF  Tatsächlich lieben wir unseren Park in Bonn Neu-Vilich. Hier fühlen wir und unsere Besucher*innen sich wohl.
JVM Auf der Burg, in der Kirche mit Camping auf der Pferdekoppel. Na, klingelts?

Wenn ihr gar kein Budget hättet, ...

... was wäre das Erste worauf ihr verzichten würdet?
PF Das Helikopter-Sharing, egal ob mit oder ohne Rotor, könnte wieder eingestellt werden.
GJF Wenn sich alle Besucher*innen dafür an unsere Festivalregeln halten, würden wir auf den Sicherheitsdienst verzichten.
JVM Wir müssten auf Festivalbesuchende verzichten, um so Fixkosten einzusparen. Aber da das für uns nicht in Frage kommt, lassen wir lieber das Blattgold auf dem Kaviar-Ei weg.

... was wäre das Letzte worauf ihr verzichten würdet?
PF Gute Laune und festes Schuhwerk.
GJF Feelgood Regel Nr. 1: Essen muss stimmen, daher würden wir definitiv nicht auf unser Crew-Catering verzichten. Denn nur durch unsere motivierte Crew, ist das Green Juice Festival zu dem Festival geworden, was es ist.
JVM Eine Plattform für Nachwuchsbands zu bieten. Indie, Folk und Post Punk brauchen einen Bühne – egal ob Bütec, Europalette oder Wiese.

... welche kostenlosen Alternativen fallen euch auf die Schnelle ein?
PF Gutes Wetter und Sandalen.
GJF Wir würden zurück zu den Wurzeln gehen und ausschließlich lokale Bands auf die Bühne stellen: umsonst und draußen.
JVM Foodsharing, Spenden vom Biogroßmarkt fürs Catering, Pappmaché-Deko aus Altpapier.

Wenn es keine Musik gäbe...

... was würde auf dem Festival passieren? 
PF Wir wollten schon immer mal zu einer gemeinsamen Weinprobe einladen – eine Art Bankett mit allen Gästen. Riesling und andere Moselweine von lokalen Winzer*innen der Mosel gibt es ja sowieso. Diese gemeinsam durchzuprobieren würde Gaumen und Stimmung sicherlich munter machen.
GJF Unser Fokus läge weiterhin darauf, Menschen mit Kultur zusammen zu bringen.
JVM Es wäre immer noch ein großes Klassentreffen! Wir würden mit Freund*innen und unseren Familien campen, Pferde streicheln, Eierlaufen und Topfschlagen spielen, Eis essen, am See liegen und nachts eine Menschenpyramide bauen.

Image
Dieser Artikel stammt aus der ersten Ausgabe unsere Printmagazins. 
Das Magazin könnt ihr hier nicht mehr kaufen.

Moini - ich bin Sonni [weiches „s“] von Höme. Im Januar 2019 verbrachte ich Stunden meines Lebens damit, völlig wuschig und irrational über meinen Bewerbungstext für Höme zu gehen. Ich bekam eine Mail von Isi, machte als Antwort einen schlechten Witz und plötzlich saß ich im Büro. Vom Moment an, als ich den ersten Schluck lauwarmes Carlsberg trank, wusste ich, dass die mich so schnell nicht mehr loswerden würden. Zwischenzeitlich war ich für mein Irgendwas-mit-Medien-Studium outgesourced in Köln. Dort habe ich mich, erfolgreicher, als erwartet in die Filmbranche geschmuggelt. Dabei ist mir schnell klar geworden, dass Bescheidenheit nicht meine Stärke ist und ich enorm Lust habe, als Regisseurin den ganzen Bums ordentlich aufzuwirbeln. Jetzt bin ich aber erstmal wieder back in Berlin und freue mich nicht nur inoffizielles Maskottchen, sondern auch ganz offizielle Praktikantin bei Höme zu sein! Es ist immer wieder überwältigend, welcher Menge an smarten und tollen Menschen man hier begegnet. Doch nicht nur das - hinzu kommt das riesige Glück, mit ihnen zusammen arbeiten zu können und eine so verrückte Utopie Wirklichkeit werden zu lassen. Last but not least, haben mir die Hömies gelehrt, dass mit den richtigen Leuten, der Kater genau so viel Spaß machen kann, wie das Trinken selbst.