Magazin

PABSTs Virtual Summer 2020

10 Festivals. 10 Songs. Eine Stunde.


Die Berliner Band PABST hat uns in dieser Konzert- und Festivalfreien Zeit wenigstens ein klein bisschen Open-Air Gefühl nach Hause geschickt. Zusammen mit dem WDR Rockpalast haben die drei Berliner einen Konzertfilm kreiert, in dem sie gleich auf 10 der Festivals zu sehen sind, die sie im Sommer 2020 eigentlich besucht hätten. Unter anderem spielen sie virtuell vor der idyllischen Kulisse des Immergut, auf der Hauptbühne des Open Flair oder beim britischen Truck Festival.

text Isabel Roudsarabi
redaktion Sonni Winkler
fotos Benjamin Mirtschin, Max Hartmann

lesezeit 13 Minuten

Wäre das hier ein normales Jahr, hätten PABST in diesem Sommer auf mehr als 20 Festivalbühnen in ganz Europa gestanden. Da das ja nun leider ausfallen muss, hat die Indie-Garagerock-Band wenigstens versucht, ein bisschen in Laune zu kommen und uns dabei auch noch ihr neues Album unterzujubeln (hat geklappt).

Im Interview haben PABST uns erzählt, wie sich der Stream für sie angefühlt hat, welche Festivalerfahrungen der letzten Jahre ihnen noch besonders in Erinnerung geblieben sind, und wie es ihnen eigentlich insgesamt so geht.

Wie hat sich die Premiere für euch angefühlt? Habt ihr überhaupt was von den Reaktionen mitbekommen? 
Erik: Wir waren vorher noch beim Radiosender Fritz und direkt im Anschluss ging der Stream los. Den haben wir uns im Park angeguckt. Ja war witzig irgendwie. Aber wir kennen das ja schon. *lacht*

Haben viele Leute zugeschaut? 
Tilman: Es ist auf jeden Fall schon ganz ordentlich gewesen. Es war ganz funny, die ersten Kommentare kamen aus Buenos Aires, Korea und Brasilien. Wahrscheinlich, weil es es über den Rockpalast ging und die weltweit Fans haben. Also ganz weird.

Aktuell ist es mit dem Streaming ja auch wieder schwieriger – die Leute wollen raus in den Park, in die Sonne. 
Tilman: Wir waren gestern auch ein bisschen entzaubert, als der Stream lief und wir dachten 

Mhhh, das ist es jetzt. Das ist jetzt der Höhepunkt dieses Jahres.

Klar es ist auch ’ne andere Nummer. Normalerweise hast du ein Festival im Freien und es ist geiles Wetter und jetzt schaust du dir da so einen Stream an… 
Erik: Ja vor allem spielt man normalerweise ein Festival und im schlechtesten Fall sind es 100 Leute, die zugucken. Man weiß auch einfach nicht mehr, ob die Leute wirklich Bock haben, auf die ganze Streaming-Geschichte. Das ist halt seit dem Anfang von Corona schon so ein bisschen ausgelutscht. 
Tilman: Wir hatten echt Glück, dass wir noch so eine einzigartige Idee hatten, bei der auch viele der Festivals Bock hatten mitzumachen. 

Ihr habt im Stream erzählt, dass ihr ein Brainstorming hattet und dann diese Idee entstanden ist. Wie ist dann die Kooperation mit dem WDR und Rockpalast zustande gekommen? 
Tilman: Genau, also die Idee kam von uns. Es war dann aber ein bisschen schwierig, ein Studio zu finden, weil es ja überall auch Maßnahmen gab, oder einfach zu teuer war. Der Rockpalast fand das aber wohl ganz geil und dann haben sie uns geholfen.

Wie hat sich das denn für euch angefühlt, diesen Stream zu kreieren?  Kam trotz der Studioatmosphäre ein bisschen Festivalfeeling bei euch auf? 
Erik: Wir sind den einen Tag einfach in dieses Studio reingekommen und es war einfach so eine riesige Halle, komplett grün angemalt. Dann bauen wir da auf und es war schon krass einschüchternd. Wir haben den Soundcheck an einem Tag gemacht und am nächsten Tag gedreht. Ich persönlich war auf jeden Fall die ganze Zeit nervös. Es war ganz anders, als wenn man live spielt, weil man weiß:  Es ist arschteuer gewesen und wir haben quasi einen Versuch, dass richtig geil hinzubekommen. 

Das ist also ein One Take? 
Erik: Da sind Sachen rausgeschnitten, aber es ist ein Take, ja. Wir haben natürlich mehrere Takes gemacht und dann aber nur einen wirklich genommen. Aber ewig Zeit hatten wir dann auch nicht. Also wir konnten das an dem Tag zwei mal spielen. Der Zweite musste es dann sein. 
Außerdem war das Feeling echt komisch.

Da war einfach nur dieser arschhelle, arschheiße Raum.

Unter den Scheinwerfern waren es locker 40 Grad.
Tore: Da kam dann wirklich ein bisschen Festivalgefühl auf. 
Erik: Es hatte was davon, in der Mittagssonne zu stehen – aber es war noch viel wärmer und voll trocken. Und dann ist da ja niemand gewesen du hast nur die drei Kameras im Blickfeld. 
Tore: Ich hab mir ein bisschen versucht vorzustellen, dass da Leute stehen, aber es war schon ungewohnt. 
Tilman: Ich finde aber, es war geil, dass man mal wieder so ein komplettes Konzert in voller Länge gespielt hat. Weil das ja auch einfach eine Zeit lang nicht möglich war. Das war mal wieder so ein halbwegs gutes Gefühl, aber natürlich komplett ohne Publikum und Interaktion und deshalb nochmal komplett was anderes.

Was geht euch normalerweise im Kopf rum, wenn ihr auf der Bühne steht? Und war das diesmal anders?
Erik: Es war definitiv anders. 
Tilman: Du hast gesagt, dass du, dadurch dass man so konzentriert war, immer schon an den nächsten Song gedacht hast. 
Erik: Ja, also jetzt bei der Aufnahme hat der Kopf echt die ganze Zeit immer gerattert. Wenn wir normalerweise live spielen, geht’s natürlich um andere Sachen. Aber ich kann dir gar nicht so genau sagen, woran man da denkt. Vielleicht mal echt nur an den Moment. 
Tore: Also das ist im besten Fall so eine Art Flow-Moment. Das war dieses Mal bei mir auf jeden Fall nicht da, aber dafür muss man auch sagen, war es echt cool anzuschauen. 

Schaut ihr in der Freizeit auch mal den ein oder anderen Konzertfilm?
Tilman: Also ich hab mir damals auf jeden Fall die Queens of the Stone Age Into the Woods DVD geholt und die hab‘ ich mir jeden Tag drei Mal reingezogen. 
Tore: Ja genau. Früher hatte ich auch eine Videokassette, sogar vom Rockpalast, da waren dann Offspring, Rancid und Bloodhound Gang drauf. Das hab ich mir auch echt jedes Wochenende angeschaut, weil man ja damals auch nur ein paar Kassetten hatte. Aber jetzt ist bei mir so, dass ich oft Bands nicht länger als 40 Minuten sehen möchte. 

Wie habt ihr denn die letzten Monate so erlebt? 
Tilman: Es war, glaube ich, sehr durchwachsen. Wir haben da alle auch viel drüber nachgedacht, ob wir selbst Streams machen wollen und als es dann losging, haben wir relativ schnell gemerkt, dass es so ganz das Gelbe vom Ei dann doch nicht ist. Der Festivalfilm war ja jetzt eher ein Ersatz für den Record Release. Irgendwas mussten wir da einfach machen, dass kann man nicht einfach so verpuffen lassen. 
Erik:

Wir wollten das Bandding ja dieses Jahr eigentlich richtig durchziehen.

Unser Album war schon einen Monat früher abgegeben, und wir voll in der Promophase. Deshalb haben wir es jetzt auch trotzdem rausgebracht. 
Tilman: 
Ja die Frage hat sich bei uns nicht wirklich ernsthaft gestellt. Eigentlich macht es bei einer Band wie uns ja überhaupt keinen Sinn. Also das kannst du halt machen, wenn du Drake bist oder so. Dem tut es wahrscheinlich nicht weh, aber bei uns war es das Gegenteil – wir müssen am Ball bleiben. 

Ihr hattet ja auch euren kleinen Pop-Up-Store. War das cool? Wie viele Leute durften dann da sein? 
Erik: Das war quasi ein Biergarten vom Kino ZUKUNFT, deshalb gab’s da keine krasse Beschränkung, so lange Leute an den Tischen sitzen. Es war voll cool, also von vielen haben wir auch die Rückmeldung bekommen, dass es auch mal wieder eine Gelegenheit war, um zusammen zu kommen. Es waren auch echt viele Leute da, was wir so auch gar nicht erwartet hätten. 
Tore: Und tatsächlich auch gerade jetzt neben den Streams wieder ne schöne Abwechslung mal wieder mit den Fans zu kommunizieren und die zu sehen. 


Ihr habt ja in den letzten Jahren schon ein paar normale Festivals gespielt und wärt 2020 auf über 20, überall in Europa, gefahren. Seid ihr auch privat Festivalfans? 
Erik: Ich glaub, mein erstes Festival war 2007 das MELT und dann bin ich auch relativ häufig auf’s MELT gefahren. Weil das so nah war und die eigentlich immer ein geiles Line-up hatten. Ein paar andere Festivals hab ich auch noch mitgenommen, einfach, um mit Freunden unterwegs zu sein. Ich war beim Dockville mal, dann in Garbicz … also ich bin übelster Fan. Seit wir die Band haben, spielen wir aber so oft, dass ich auf keinem mehr als Besucher war. 
Tore: Das geht auch gar nicht. 
Tilman: Seit letztem Jahr haben wir echt fast jedes Wochenende irgendwo gespielt. Auch für dieses Jahr wäre ja auch alles ausgebucht gewesen. Aber es ist ja irgendwie auch ganz geil, weil damit holt man sich seine Dosis Festival trotzdem ab. Außerdem hat man auch viele Vorteile. Die geileren Klos, zum Beispiel. 
Erik: Ja du kannst danach dann auch immer ins Hotel, wenn es eins gibt. 
Tilman: Keine klammen Klamotten im Zelt. Das ist schon ganz nice. 
Erik: Das ist vielleicht auch das, was mich mittlerweile auch ein bisschen abturnen würde. 

Ich glaube ich wäre jetzt so jemand, der aufs MELT fährt und sich ein Hotelzimmer in der Nähe bucht. 

Habt ihr denn auch manchmal Zeit vor und nach eurem Auftritt ein bisschen auf dem Festival rumzulaufen? oder seid ihr eher die Backstage-Rumhänger? 
Tilman: Nee gar nicht, voll langweilig. 
Erik: Wenn man Zeit hat, ist das schon schön, sich ein bisschen die Veranstaltung anzuschauen. 
Tore: Und man kann auch mal hinter die Bühne. 
Erik: Und da gibts dann immer Getränke. Hinter die Bühne ist auf jeden Fall richtig geil, wenn man sich so an die Bühnenseite stellt. Das kann man dann ja immer machen, mit seinem schönen Pass. 
Tilman: 

Das ist echt Rockstarleben-auskosten-deluxe. 

Habt ihr ein Highlight und oder Lowlight der letzten Festivaljahre? 
Tilman: Boah ich weiß direkt ein Lowlight. Das war Bingen.
Erik: Das war übel. Es war auch für alle anderen Bands dumm … da war einfach niemand. Das war so ein Stadtsparkassen gesponsortes Festival. 
Tilman: Es war schon scheiße, aber die hatten echt ein gutes Line-up. Blond, und die Nerven zum Beispiel. Aber da ging einfach nichts. Es war zwar kulturgefördert, aber da leben einfach nicht genug junge Leute, glaub ich. 
Erik: Das war ein super warmer Tag und dann sitzen alle Leute, 50 Meter von der Bühne entfernt, in so einem Hippie-Kreis und gucken dir zu. Ich glaub, bei uns kamen dann sogar noch ein paar vor die Bühne. Manche von denen waren auch echt ein bisschen drüber…
Ein Highlight war aber auf jeden Fall immer noch in der Schweiz, das Hill Chill Festival. Das war einfach das krasseste, ich glaub ab dem Zeitpunkt gab es sowas wie einen Paradigmenwechsel in der Band. Wir kamen früh an und es war auch richtig leer und ganz traurig. Da standen immer so 5-6 Leute vor der Bühne. Und dann sind wir uns umziehen gegangen und sind über so einen Park außerhalb des Geländes geschlendert. Der war voller Jugendlicher. Hunderttausende. 
Tore: Naja…
Erik: Irgendwer meinte zumindest, dass da über 3.000 Leute waren! Als wir mit dem Soundcheck angefangen haben, kamen die plötzlich alle rein. Dann war es auf einmal rappelvoll und es war die krasseste Stimmung ever. Also es war wirklich Mindfuck auch die Videos, die da entstanden sind. 

Wie hat sich denn die Band in den letzten Jahren entwickelt. Wie fühlt sich das für euch an, jetzt verstärkt wahrgenommen zu werden?
Tilman: Ich weiß nicht, ob es da wirklich ein Gefühl für gibt. Vielleicht kommt das dann erst mit den Konzerten. Aber ich fühl‘ mich eigentlich wie eine normale Band, die jetzt halt gerade so am Anfang steht. Die letzten Sachen, die wir gespielt haben waren noch Supportshows: für Kadaver, Leoniden… Die letzte eigene Tour ist ja einfach mal zwei Jahre her. Wir können das gerade gar nicht einschätzen, was passiert, wenn wir wieder selbst auf Tour gehen. 

Diese ganzen Zahlen im Internet, die sind zwar schön, aber so richtig was aussagen tun die nicht. 

Das Ziel ist schon, dass ihr das irgendwann beruflich machen wollt? 
Tilman: Ja voll. Anfang des Jahres wurde es auch immer klarer, dass die Band immer mehr Zeit beansprucht und andere Dinge eher in den Hintergrund rücken.

Was würdet ihr jetzt machen, wenn ihr keine Band hättet? 
Erik: Ich hab Lehramt studiert, das hab ich abgesagt. Also ich hatte schon eine Zusage fürs Referendariat und hab dann gesagt: „Nee ich komm doch nicht.“ Da würde ich jetzt wahrscheinlich noch rumhocken – das ist jetzt so anderthalb Jahre her. 
Tore: Ich wäre wahrscheinlich vielleicht ein bisschen weiter mit meinem Studium … 

Was studierst du? 
Tore: Musik
Erik: Vielleicht kannst du dir das ja als Praxiszeit anrechnen lassen, dein Rockdiplom. 
Tore: Ja, theoretisch. 

Also gäbe es keine andere Option für dich außer – naja vermutlich Musiklehrer, oder? 
Tore: Genau Musiklehrer, in den meisten Fällen. Und das will ich jetzt eigentlich eher vermeiden. 
Kann man ja immer noch machen, wenn man irgendwann in Rente geht. 
Tore: Genau. 
Erik: In Rente vom Rock. 
Tilman: Was ja bei so ’ner Band ja wahrscheinlich mit 40 ist, oder so. 
Guck dir die ganzen Headliner an, The Cure sind kurz vorm Sterbebett und die spielen auch noch Headliner-Shows. 
Tilman: Wenn man es richtig anstellt, wenn du es irgendwie hinkriegst, die Kurve bekommst, und das am Ende nicht so weird wirkt – dann gerne!
Erik: 

Von Musik kann man ja eigentlich gar nicht so ohne weiteres leben, wenn man sich kreativ nicht ein bisschen einschränkt. 

Das ist auch krass. Ich glaub du kannst da easy von Leben, wenn du viele Werbedeals eingehst oder so. 
Tilman: An die musst du ja auch erstmal kommen. 
Erik: Aber sowas geht eigentlich relativ schnell, ich glaub wir könnten so gefühlt auch schon 20 haben. Nicht ganz vielleicht…*lacht*
Es gibt auf jeden Fall Künstler, die machen 10 Sachen und verdienen damit richtig Schotter. So richtig allein von der Musik ist schon ’ne andere Nummer. Das gibts ja auf jeden Fall auch… 

Wäre sowas eine Option für euch? 
Erik: Sag niemals nie. 
Tilman: Hängt sicherlich voll von dem Unternehmen ab. Wir haben ja auch eine gewisse ethische Grundhaltung. Und für irgendwelche Unternehmen was zu machen, die dem nicht zu entsprechen, dass ist auf jeden Fall fragwürdig. 
Erik: Die traurige Wahrheit ist ja auch, dass man ein erfolgreicher, weltweit bekannter Musiker sein kann und trotzdem einfach nicht davon leben. 
Tore: 
Also ich hab mit solchen Deals auf jeden Fall meine Probleme. Man muss ja einfach sehen wie hoch man seinen Lebensstandard schraubt. Ich bin nicht der Meinung, dass man das unbedingt machen muss. 
Erik: Kommt auch noch dazu, stimmt. Da haben wir auch keine Verpflichtungen, wir müssen halt unsere Berliner Miete zahlen, das war’s. 
Tilman: Mit zwei Kindern wird das dann schon ’ne andere Geschichte.

Fühlt ihr Druck? Von der Branche oder Kolleg*innen? 
Erik: Wir haben auf jeden Fall ein Management, das uns null unter Druck setzt. Da kenn ich auf jeden Fall ganz andere Leute, die da echt rigoroser sind und sagen „Ey, wenn du das jetzt nicht machst, dann Ciao!“
Wir wollen auch nicht von jetzt auf gleich explodieren, ich glaub, das ist nie clever. Das funktioniert vielleicht auch mal, aber du hast ’ne hohe Ausfallquote. 

Lieber ein langsames, stetiges Wachstum. 

Tilman: Das, was wir bisher so machen, fühlt sich noch relativ natürlich an. Auf der anderen Seite ist es natürlich übelst der krasse Wettbewerb. Ich kann mich an Zeiten erinnern, bevor man seine ersten Konzerte gespielt hat und man dachte so „Wow, wie kommt man überhaupt an ein Konzert ran?…Wie kommt man an eine Booking-Agentur ran? Wie kommt man an ein Management ran? Wie kann man überhaupt mal ein Festival spielen?“ oder sowas. Das sind ja alles irgendwie Schritte, um die sich eine Million Bands in Deutschland prügeln. Da haben wir jetzt auf jeden Fall übelst Glück. Und wir machen halt auch schon alle seit 15 Jahren Musik.

Macht ihr euch selber Druck?
Tore: Der größte Druck kommt bei mir auf jeden Fall von innen, weniger von außen. 
Erik: Ja, save. 
Tore: Vor allem setzt ich mich unter Druck, weil ich ja will, dass das, was wir machen, mich auch zufrieden stellt. 
Erik: …das man auch schafft umzusetzen, was man sich vorher vorstellt. Ist auch schwer seinen eigenen Erwartungen da gerecht zu werden. 
Tilman: Vielleicht ist das auch manchmal eher Stress, als Druck. Das war zumindest für mich beim neuen Album so.
Erik: Irgendwie muss man ja gleichzeitig auch noch sein Leben balancieren. Aber auch innerhalb des künstlerischen Prozesses gibt es Faktoren, die eher von außen kommen, die dann erschweren, dass man umsetzt, was man vor hat. Also sei es allein sowas wie: „Ich würd gern, dass das Album so klingt, wie es klingt.“ Macht das erstmal so. Das ist schnell gesagt, aber fast unmöglich.



Seid ihr happy mit dem Album und mit allem, was da dranhing? 
Erik: Ist schon krass. Es ist viel größer, als das, was ich erwartet habe. 
Tilman: Ich kann mich ehrlich gesagt gar nicht zurück erinnern, was ich von dem Album erwartet habe. Eigentlich hab ich nicht viel erwartet. Ich hab mich nicht hergesetzt: So jetzt kommt das Album raus, dann sind wir in den Charts und dann müssen wir das machen und dann müssen wir das machen. Es war eher: Mal sehen, was passiert. Und es fühlt sich jetzt schon krass an. 

Ist doch schön, wenn man das mal kurz genießen kann. 
Tilman: Das kommt halt viel zu kurz häufig. Wir haben jetzt diese Rockpalastsache gemacht und die haben wir uns einmal kurz angeguckt und dann ist es vorbei und es geht weiter. Das Genießen geht dann schnell mal verloren. Das war auch im letzte Festivaljahr so. Es war krass, auf wie vielen Festivals wir waren und wie viele Konzerte wir da gespielt haben. 

Das war vor 5 Jahren mein absoluter Traum
und jetzt ist es einfach passiert. 

Was habt ihr denn noch so geplant für die Sommermonate? 
Tilman: Auf jeden Fall ein Video drehen. Ansonsten weiß ich jetzt gar nicht, was noch so ansteht, ehrlich gesagt. 
Erik: Wahrscheinlich werden wir neue Songs schreiben. Was soll man sonst machen … ist ja auch mal geil, dass man dafür mehr Zeit hat, als ’nen Monat, oder so. Für dieses Album hatten wir tatsächlich ingesamt zwei Monate Zeit. Der Rest war Touren, da hat man andere Sachen zu tun. 
Tilman: Und wenn man es realistisch sieht, ist es wahrscheinlich so, dass es, sobald die Corona-Begrenzungen aufgehoben sind, wieder auf Achse geht und dann wird man so schnell nicht wieder kommen Musik zu schreiben. 

Mit welchem Gefühl blickt ihr jetzt so in die Zukunft? 
Erik: Der ganze Regenbogen. 
Tore: Ich will auf jeden Fall das Album und die Songs live spielen, die wir jetzt rausgebracht haben. Vorfreude.
Erik: Ist eigentlich mega ironisch, dass wir extra ’ne Live-Platte gemacht haben, damit sich das auf der Bühne gut umsetzen lässt und jetzt spielen wir gar nicht live. 
Tilman: Die nächste Platte spielen wir dann nur am Computer und dann ist es die erste, nach der wir wieder auf Tour dürfen.
Erik: Genau, dass ist jetzt die Lockdownplatte wo alle bei Garage Band ihren scheiß aufgenommen haben und dann die wird wieder gespielt. 
Tore: „Ey ich hab hier noch 30 Streicher.“ 
Erik: Wie machen wir das jetzt?“ 

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