Fotos: Sascha Krautz / Interviews: Johannes Jacobi

Vom Familienbetrieb in die Backstage-Küche und statt Kleinscheiß lieber Stagemanager. Statt Homepage reparieren lieber Gästelisten-Tools entwickeln und im dunklen wird der Toilettenbus gerettet. Wir haben ein paar der fleißigen Helfer beim Rocken am Brocken getroffen und ein bisschen geplauscht…

Florian / 21 / Bremen / Stagemanager Jägerzirkus

Wie oft warst du schon beim Rocken am Brocken?
Das ist jetzt mein drittes Jahr.

Wie kam es dazu?
Durch einen der Veranstalter, da ich mit ihm zusammen in einem Laden in Bremen gearbeitet habe.

Was machst du im normalen Leben?
Ich bin selbstständiger Veranstaltungstechniker.

Trifft man dich auch auf anderen Festivals?
Ja auch, das ist aber alles nur Kleinscheiß haha.

Was war gestern die größte Baustelle?
Hier lief alles easy. Mit dem generellen Aufbau sind wir schon fertig. Gerade ist auch die erste Band angekommen. Also in 15 Minuten geht der Aufbau los, danach gibt’s den Soundcheck und um 18 Uhr spielen sie dann.

Gibt’s irgendein lustiges oder beschissenes Erlebnis aus den letzten Jahren?
Letztes Jahr war ich im Jägerzirkus noch Stagehand und bin dann nur kurz als Stagemanager eingesprungen, da eine heftige Krankheitswelle durch das gesamte Orga-Team ging. Irgendwann hat dann Schmutzki gespielt und wirklich alle Festivalbesucher wollten ins Zelt rein. Das war aber nicht weit genug offen und ich stand dann mit 15 Securitys in drei Reihen und wir mussten die Leute, die zu viel waren, erst mal wieder aus dem Zelt raus lotsen.

Wie ist der typische Ablauf für dich als Stagemanager?
Ich bin dafür zuständig, dass alles glatt läuft. Also dass jeder bescheid weiß, was und vor allem wann etwas passiert und die Bands pünktlich auf die Bühne gehen, um den Zeitplan einzuhalten. Dazu kommuniziere ich immer mit Robert, dem Stagemanager von der Brockenbühne, damit wir direkt starten können, sobald die drüben den letzten Ton gespielt haben.

Hartmut / 46 / Elend / Catering

Wie oft schon Rocken am Brocken?
Zehntes Mal, ich habe alle mitgemacht.

Wie kam es dazu?
Es gab mal eine Anfrage vom Veranstalter und seit 6-7 Jahren bin ich jetzt Caterer. Die ersten Jahre war ich unten im Hotel, da haben wir das Essen vorbereitet, für die Veranstalter und vor allem für die Bands. Die übernachten da alle.

Ist das heute immer noch so?
Ja, das komplette Hotel ist mit Bands und Veranstaltern ausgebucht.

Bist du noch auf anderen Festivals anzutreffen?
Nein, ich bin nur hier. Das hier ist ein kleines Familienunternehmen.

Gibt es das Jahr über noch andere Veranstaltungen?
Wir haben z.B. den Harzpokal und das Waldbrand Festival, das Schützenfest und das Osterfeuer. Für einen Ort mit nur 300 Einwohnern sind das doch ganz schön viele Veranstaltungen.

Gibt es eine schöne Geschichte aus den letzten Jahren RaB?
Wir freuen uns immer, wenn Bands, die hier früher gespielt haben, dann plötzlich groß werden. Z.B. Kraftklub, Jupiter Jones oder Jennifer Rostock. Das ist natürlich cool für so einen kleinen Ort, dass solche Bands hier mal gespielt haben.

» Das komplette Hotel ist mit Bands und Veranstaltern ausgebucht.«

- Hartmut

Sebastian / 31 / Wernigerode / Head of Production

Dein wievieltes Rocken am Brocken ist das jetzt?
Ich glaube, es ist inzwischen das achte Mal.

Machst du das auch im normalen Leben?
Ja, aber in unserer Firma kümmere ich mich um vieles was mit aufwendiger Infrastruktur zutun hat. Das sind nicht nur Festivals. Ich sorge im Grunde dafür, dass Wasser, Abwasser, Toiletten und Absperrungen da sind. Aber auch Sicherheit, Sanitäter, Technik, Strom und alles drum herum.

Gibt es irgendeine Story der letzten Jahre, die heraus sticht?
Da gibt es viel zu viele. Von diesem Jahr wird es sicherlich eine Geschichte geben. Vielleicht habt ihr ihn ja auch schon gesehen, unseren Toilettenbus. Der ist gestern Nacht schon gekommen, also im Dunkeln. Unsere Zufahrt ist allerdings recht schmal und der Kollege kam von der falschen Seite. So hing er plötzlich mit dem Hinterrad in der Luft. Er ist quasi im Graben gelandet. Also haben wir 2-3 Stunden lang das Ding unterfüttert und aufgebockt, damit er noch weiter kommt. Das, so kurz vor der Veranstaltung, war schon ein Genickschlag. Die Zeit hätte man besser nutzen können.

Was steht jetzt während des Festivals noch für dich an?
Die Sicherheit ist sehr wichtig, vor allem nach dem was in den letzten Tagen passiert ist. (Amoklauf und Anschlag in Bayern – Anm. d. Red.)

Habt ihr extra Maßnahmen ergriffen?
Wir haben unsere Augen überall und werden bei den Kontrollen 1-2 Dinge anders machen, aber generell ist es ja eher schwierig sich auf solche Sachen einzustellen. Grundsätzlich sind wir mit unserer Sicherheitsfirma gut aufgestellt, die sind ja auch schon das 4-5 Jahr bei uns. Dazu noch das DRK, mit dem wir seit Anfang an zusammenarbeiten. Der Ort steht auch hinter uns. Das sind alles starke Partner, die uns schon aus so manch misslicher Lage befreit haben.

Eric / 26 / Chemnitz / Head of IT

Wie oft schon beim Rocken am Brocken?
Fünf oder sechs Mal.

Wie kam es dazu?
Über eine Freundin, die hat hier die Pressearbeit gemacht. Die hat mich mal nachts im Februar angerufen und meinte, dass sie die Homepage kaputt gemacht hat und ich mal was machen soll. Ich hab die dann repariert und danach bin ich einfach mal vorbeigekommen. Ich hatte ja auch schon eigene Produktionen in Chemnitz.

Was machst du im normalen Leben?
Da programmiere ich. Web, IOS und Android.

Und hier machst du was?
Head of IT steht auf meinem Schild. Es könnte aber auch noch Head of Finance drauf stehen. Ich mache noch die Abrechnungen, die ganzen Finanzsachen wie z.B. Kassen, Bands abrechnen, Benzin einkaufen und dafür sorgen, dass genug Schrauben da sind.

Bist du auch auf anderen Festivals?
Vor zwei Wochen noch das Feel Festival, das Artlake Festival, Summertime Festival. Im Frühjahr hab ich noch beim Sunflower Festival in Freiberg eine Bühne betreut.

Was ist die schönste oder schlimmste Geschichte die du hier erlebt hast?
Es ist kein spezielles Ereignis. Es ist eher so wie es auch auf unseren T-Shirts steht. Ich freu mich einfach die Familie zu sehen. Ansonsten ist es natürlich ein bisschen doof, dass die Toiletten nicht da sind, bzw. nicht genügend.

Woran lag das?
Fehlkalkulation beim Dienstleister.

Deine größte Baustelle noch bis zum Ende des Festivals?
Die Betreuung der Gästeliste. Da wurde dieses Jahr ein neues Tool eingeführt, welches ich entwickelt habe. Das bedarf einiger Betreuung, jetzt wo es das erste Mal im Einsatz ist. Letzte Nacht habe ich noch bis um sechs den Voucher-Versand angestoßen, damit jeder der auf der Gästeliste steht auch ein PDF bekommt. Ansonsten halt die Kassen abrechnen.

» Ansonsten ist es natürlich ein bisschen doof, dass die Toiletten nicht da sind. «

- Eric

Kathrin / 33 / Quedlinburg / Mikrofoniererin

Wie oft schon Rocken am Brocken?
8-9 Mal?

Schon immer zum arbeiten?
Ne, letztes Jahr war ich nur Besucher.

Wie kann man sich deinen Tag vorstellen?
Ich spreche mit den Bands alles ab, dann mikrofoniere ich.

Das bedeutet was genau?
Die Mikrofone an die gesamten Instrumente anbringen, alles verkabeln dann den Soundcheck machen, zusammen mit dem Monitormann.

Machst du im normalen Leben das selbe?
Da bin ich Veranstaltungskauffrau. Also Vor- und Nachbereitung von Festivals.

Deine größte Baustelle heute?
Eigentlich nur Kakkmaddafakka. Sophie Hunger macht fast alles alleine.

Irgendeine spannende Geschichte die du uns erzählen willst?
Beim letzten Mal ist hinter Kakkmaddafakka der Blitz eingeschlagen. Danach mussten wir dann abbrechen.

Juli / 29 / Hamburg / Künstlerbetreuung Jägerzirkus

Dein erstes Rocken am Brocken?
Ne, das ist tatsächlich schon das vierte oder fünfte für mich. Ich arbeite aber auch die ganze Zeit schon als Künstlerbetreuerin.

Wie kam es dazu?
Über eine Freundin. Die hatte gehört, dass ich das schon auf anderen Festivals gemacht habe.

Auf welchen Festivals?
Ich war sehr lange auf den Deichbrand, vorher auf den Greenville, Hurricane, Skandaloes. Das veranstalte ich sogar mit ein paar Freunden.

Was kommt die nächsten Tage auf dich zu, wie sieht so dein Tagesablauf aus?
Am wichtigsten ist, dass die Bands pünktlich an der Bühne sind, pünktlich aufbauen, ihre Sets natürlich auch pünktlich beginnen und dann auch beenden. Ansonsten kommt der ganze Festivalablauf durcheinander. Hier geht es erst auf der einen Bühne los, wenn auf der anderen aufgehört wird zu spielen. Es soll einfach alles im Fluss bleiben und die Künstler sollen sich wohl fühlen. Das ist natürlich auch ganz wichtig.

Gibt’s irgendeine Baustelle vor der du noch ein bisschen Sorge hast?
Nö, ich fühle mich sehr routiniert. Das geht aber glaube ich dem ganzen Team so.

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