Interview: Johannes Jacobi / Fotos: Richard Luerzer, Arno Ebner, Harald Wolfbeiser

Mit Tanz durch den Tag steigt kommende Woche in Wien das „Aufwind -Festival für urbane Impulse“. Es geht um die Nutzung des öffentlichen Raumes, Lebensqualität und natürlich Tanz – aufgeteilt auf drei verschiedene Events, verbunden durch ein sehr erfrischendes Konzept. Wir wollten mehr über dieses sehr spannende Projekt erfahren und hatten ein paar Fragen.

» den Menschen die ungenutzten Möglichkeiten ihrer Stadt aufzeigen «

Hallo ihr Lieben, danke, dass ihr euch die Zeit nehmt. Zum Einstieg ganz kurz: Tanz durch den Tag oder Aufwind, was ist was?
Tanz durch den Tag ist der eigentliche Name der Veranstaltungsreihe und des gleichnamigen Kollektivs das hinter dem Festival steht. Aufwind ist der Titel der diesjährigen Edition.

Was ist das Grundgedanke eures Festivals, wie genau fing es für euch an und wie laufen die Vorbereitungen?
Die Idee wurde vor sieben Jahren ins Leben gerufen. Der Grundgedanke, damals wie heute, ist, den öffentlichen Raum zu nutzen und andere dazu zu inspirieren, ähnliche Wege zu beschreiten. Zur Vermittlung dient uns der Tanz als universelle Sprache, da dieser in jeder Kultur anzutreffen ist und die Menschen vereint.
Dieses Jahr kommt die Idee der Plattform stärker zum Tragen. Wir wollen dieses Jahr ein Festival schaffen, an dem sich möglichst viele Menschen beteiligen können. Wir geben anderen Kollektiven und Kulturschaffenden die Möglichkeit, sich auf unserem Festival kreativ unter freiem Himmel auszutoben. Daher auch der Untertitel: Festival für urbane Impulse. Wir wollen den Menschen die ungenutzten Möglichkeiten ihrer Stadt aufzeigen und dazu motivieren, diese zu nutzen.

Wie viele Leute seid ihr im Orga-Team und habt ihr vorher schon andere Veranstaltungen gemacht?
Im Orga-Team sind wir momentan 38 Leute. Als Tanz durch den Tag organisieren wir seit 7 Jahren Open Airs.

Das Festival ist aufgeteilt in drei Teile, richtig? Gibt es ein Ticket für alle Bereiche des Festivals, oder funktionieren die Bereich getrennt von einander?
Der erste Teil, das Forum Biotopia ist frei zugänglich, also ohne Eintritt. Für das Open Air und das Tanz durch die Nacht gibt es dann jeweils gesonderte Tickets. Es gibt auch All-in-One-Tickets, in denen das Open Air sowie Eintritt in die Clubs enthalten sind.

» Ämter sollten nicht die Orte der Verweigerung sondern des Ermöglichens sein «

Beim Forum Biotopia geht es interaktiv um alternative Modelle von Wirtschaft, Gesellschaft und Lebensqualität in der Stadt. Was ist da euer Ansatz und wie können wir uns das genau vorstellen?
Wir vertreten die Einstellung, dass die Stadt mitsamt öffentlichen Räumen allen Menschen gehört. Daher wollen wir darauf aufmerksam machen, dass diese Räume auch dementsprechend genutzt werden sollen. Hier sollten keine kulturellen oder sozialen Unterscheidungen getroffen werden. Ebenso sollten sich die Menschen auch dabei nicht im Weg stehen, sondern sie sollten versuchen sich dabei gegenseitig zu unterstützen.
Es sollte ausreichend Platz für Jugendkultur geben und ein Teil dieser Kultur sind zum Beispiel Freiluftveranstaltungen.
Um dieser Einstellung Ausdruck zu verleihen, haben wir das Forum Biotopia ins Leben gerufen. Ämter sollten nicht die Orte der Verweigerung sondern des Ermöglichens sein. Die Nutzung öffentlicher Räume sollte nicht nur einigen wenigen möglich sein, sondern allen, die sie nutzen wollen, um ihr kreatives Potenzial auszuschöpfen.

» Gegenpol zu der sich immer schneller drehenden Alltagswelt «

Beim Open Air geht es wiederum um alternative Heilmethoden und die persönliche Lebensqualität und Entschleunigung. Eigentlich stellt man sich als Besucher unter einem Open Air ja eher laute Musik und tanzende Menschen vor. Wie soll beides funktionieren und wie können wir uns diesen Teil des Festivals vorstellen?
Wir wollen mit dem Open Air dafür sorgen, dass die Menschen für ein paar Stunden aus ihrem Alltag entschwinden können. Einfach mal für ein paar Tage abschalten und dabei neue Möglichkeiten der Lebensgestaltung entdecken. Alternative Heilmethoden bedeutet auch, auf den eigenen Körper zu hören, ihm z.B. einen Ausgleich durch Bewegung zu bieten. Sei es durch Yoga oder Tanz. Das Versinken in der Musik stellt aber genauso einen Gegenpol zu der sich immer schneller drehenden Alltagswelt, sei dies in der Form wie wir kommunizieren und konsumieren oder im Berufs- wie Privatleben.
Wir wissen natürlich, wie intensiv stundenlanges Tanzen für den Körper sein kann, daher bieten wir auch Orte der Ruhe wie unter anderem die Wilde Heilkunstwiese. Beides zusammen ergibt für uns ein rundes Festivalerlebnis der besonderen Art.

Wieviele Besucher erwartet ihr?
Bis zu 6.500 pro Tag.

Habt ihr mit dem Gedanken gespielt, euch anderen Genres zu öffnen, oder möchtet ihr bewusst rein elektronisch bleiben?
Wir sind dieses Jahr nicht rein elektronisch. Auf der Treibholz Stage wird es Freitags wie Sonntags Bands geben. Am Samstag gibt es dafür Hip Hop. Und auf den anderen 4 Bühnen werden sehr vielfältige Facetten elektronischer Musik gespielt.

» Schlussendlich sind die Festivalbesucher_innen immer das wichtigste und wertvollste Element einer Veranstaltung «

Beschreibt doch mal bitte den perfekten Festival Tag aus Sicht eines Besuchers bei euch.
Ankommen, staunen, tanzen und genießen; das würde es wohl in wenigen Worten beschreiben. Wir haben eine Vielzahl an unterschiedlichen Programmpunkten: Musik, Kinderprogramm, Heilkunst, Markt, Strassenkunst uvm., für jeden ist was dabei und es gibt sehr viel zu entdecken.

Habt ihr Vorbilder im Festivalbereich bzw. welche Festivals besucht ihr selbst und was inspiriert euch?
Zu den größeren Festivals, die wir besuchen, zählen unter anderem die Fusion, das Dekmantel oder auch die Boom. Kleinere Festivals, welche uns genauso, aber anders inspirieren, sind das Tree of Life und das Garbiscz. Was diese Festivals so faszinierend für uns macht, ist die einmalige Atmosphäre, die sie schaffen. Dazu zählen unter anderem die Locations, Bühnenbilder, das Booking aber auch das Publikum. Schlussendlich sind die Festivalbesucher_innen immer das wichtigste und wertvollste Element einer Veranstaltung. Ohne ihre glücklichen Gesichter kann die magische Stimmung nicht entstehen. Kurzum: Wir sind die größten Fans von unseren Besucher_innen.

Wo geht es hin in der Zukunft? Wo seht ihr euch in 5 Jahren?
Unsere oberste Priorität liegt natürlich in unserem Stadtfestival. Unsere Idee dabei ist, den Gästen jedes Jahr etwas Neues zu bieten. Ein nachhaltiges Festival für urbane Kultur soll entstehen.
Ein großer Wunsch von uns wäre auch ein Festival auf dem Land, wo die Leute ihre Zelte aufschlagen können und die Magie eines Festivals bei Nacht zu tragen kommt. In fünf Jahren sind wir glückliche Grundstücksbesitzer_innen und können das Jahr über ein kleines Festivaldorf aufbauen!

Vielen Dank. Wir wünschen euch viel Erfolg!

Tanz durch den Tag – Aufwind 2017:
22.06. – 02.07. / Wien
Facebook: facebook.com/TanzddTag
Website: tddt.info

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