Foto: Alexander Schneider / Text: Johannes Jacobi

Freitag 0:15 Uhr, Haldern Pop: Nils Frahm hat sein Konzert auf der Mainstage beendet und ein Teil der Zeugen steht immer noch mit geschlossenen Augen und einem zufriedenen Lächeln im Gesicht vor der Bühne. Dass es kälter geworden ist hat niemand so wirklich gemerkt und eigentlich wünscht man sich nichts mehr als noch eine weitere Stunde mit Nils. Stattdessen aber herrscht auf der Bühne reges Treiben, es wird für den letzten Act des Abends umgebaut.

Ein paar extra Scheinwerfer, ein Mischpult und die Hälfte von Nils’ Equipment schmücken jetzt die Bühne und wenn man dem Publikum lauscht, kann man hören, wie die einen darüber diskutieren, ob es jetzt eventuell „zu Techno“ fürs Haldern wird, während andere davon erzählen, dass Ólafur Arnalds früher mal der Soundmann von Janus Rasmussens Band war und sie jetzt gleich gemeinsam als Kiasmos auftreten. Neben mir erinnert sich sogar jemand an ein Solokonzert von Ólafur in Halderns Spiegelzelt vor fast zehn Jahren.

Um 0:45 Uhr betreten Ólafur und Janus die Bühne und mit ernster Miene, leicht wippend, leiten sie den Abschluss des Abends mit ihrem Album opener „Lit“ ein. Wie ein Teil des Publikums scheinen sie sich selbst noch nicht ganz sicher, ob Kiasmos auf der Main Stage des Haldern Pops funktioniert und die ersten Minuten vermitteln das Gefühl vorsichtigen Abtastens. Ein kurzweiliges Gefühl allerdings, denn schon nach wenigen Minuten erklingen die ersten Freudenrufe aus dem Publikum – ein erleichtertes Lächeln huscht über Ólafurs Gesicht.

„Do you like to dance?Janus likes to dance!“

Viele Ansagen braucht es ab hier nichtmehr. Wippend, taumelnd oder hüpfend, jeder hier genießt auf seine Weise. Das einzige Fragezeichen bleibt das Equipment von Nils Frahm.

Daraus wird fast exakt nach der Hälfte des Konzerts allerdings ein Ausrufezeichen. Nils taucht auf der Bühne auf und es folgen 20 Minuten live Improvisation die manch einem hier die Tränen in die Augen treiben.

Fernab von durchgeplanten, streng kalkulierten Gastauftritten, stehen auf der Bühne jetzt drei Freunde denen der Respekt voreinander und die Liebe für die Musik des anderen ins Gesicht geschrieben steht. Während Nils durch ständigen Blickkontakt abtastet wie weit er gehen kann, darf und soll, bewegen sich Ólafur und Janus lachend über die Bühne und der Funke springt selbst bis zum weit entfernten Zuhörer ganz hinten am Bierstand über.

Dieser Moment ist vielleicht einmalig und während wir uns fragen warum die drei nicht immer zusammen spielen, sind wir unendlich selig hier dabei sein zu dürfen. Genauso wie offensichtlich Ólafur selbst – denn der stößt ganz übermotiviert kurz vor Ende noch Nils’ Juno Synth nach unten. Auch wenn der jetzt für den Rest der Tour unbrauchbar ist, hört niemand auf zu spielen und halb schockiert, halb lächelnd beenden alle Drei was für uns wohl die schönsten 20 Minuten auf dem Haldern Pop 2015 waren. Danke dafür!

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