Fotos & Text: Sascha Krautz

Publikum, Veranstalter, Musiker und Fotografen: Sie alle erleben bestimmte Festivalmomente ganz unterschiedlich und jeder hat seine eigenen unvergesslichen Erinnerungen. In dieser Serie interessiert uns die Entstehung großartiger Festivalfotos und die Geschichten der Menschen am Auslöser.

Wir als Gründungsmitglieder von Höme kennen uns schon eine ganze Weile. Auch wenn sich unsere Fotostile in unterschiedlichste Richtungen entwickelt haben, waren wir uns doch immer einig, wenn es darum ging, wie Festivals und das ganze Drumherum dokumentiert werden sollten. Wir wollten nie an der Seitenlinie stehen, sondern immer mitten drin.

Das erste Jahr haben wir jetzt hinter uns gebracht und im Moment zählen wir die Minuten bis zum Saisonstart 2017. Die Vorfreude ist Anlass genug um das letzte Jahr mal mit ein paar Geschichten und Bildern Revue passieren zu lassen.

Es gibt kein zweites Festival wie das Roskilde. Nicht ohne Grund fand die Idee von Höme hier ihren Ursprung. Und weil es nicht möglich ist, das Festival in all seinen Facetten in nur einer Geschichte wiederzugeben, kommen hier direkt mal ein paar mehr

Vielleicht liegt es daran, dass die Mitarbeiter dort alle ehrenamtlich arbeiten, aber diese positive Grundstimmung auf dem gesamten Gelände ist einfach ansteckend. Es gibt keine grimmigen Securitys. Wenn überhaupt, dann reichen sie dir Wasser oder raven auch mal härter als der Rest.

Während der ersten Hälfte vom Roskilde Festival gibt es nur wenig Konzerte. An Aktivitäten mit denen man sich die Zeit vertreiben kann, mangelt es trotzdem nicht. Das Beste sind aber ohne Zweifel die Partys in den verschiedenen Camps. Es gibt unzählige Leute die sich zusammenschließen und Soundsysteme an den Start bringen die viele Clubs alt aussehen lassen würden. Und ich rede hier nicht von zwei -drei solcher Camps sondern von einer ganzen Menge.
Hier werden fünfstellige Beträge investiert, nur um die heftigste Party zu schmeißen.

Das Roskilde-Festival ist lang… mit 9 Tagen vielleicht sogar zu lang für einige, aber irgendwann gewöhnt man sich daran, permanent von tausenden Menschen umgeben zu sein. Umso merkwürdiger ist der Moment wenn alles vorbei ist. Das letzte Konzert ging bis vier Uhr Morgens und als wir zurück zum Zeltplatz kamen und die Sonne gerade aufging, mussten wir feststellen, dass die meisten Leute direkt abgereist waren. Allerdings hatte so gut wie niemand sein Zelt abgebaut oder seinen Müll beseitigt. Da steht man auf einmal in mitten einer Zeltstadt ohne Einwohner. In unserem Camp waren noch ein paar Skater übrig, die auch schon anfingen die zurückgelassenen Luftmatratzen zu sammeln um damit riesige Burgen zu bauen.

Dieses Jahr traf ich auch zum ersten Mal einen Typen, der den meisten nur als Stringman bekannt ist. Ihn und seine Freunde musste man nie lange suchen, da sie es schon am ersten Tag schafften ein ein Lied mit relativ einfachen Lyrics zu etablieren. Es hat nicht lange gedauert bis jeder im Umkreis von zwei Kilometern dieses Lied auch auswendig kannte. Und für die, die sich den Text nicht merken konnten, für die wurde er noch mal auf eine riesige Wand geschrieben.

Mein Highlight vom Wacken war definitiv unsere Zeit auf dem Campingplatz für Rollstuhlfahrer.
Aufgrund von Dämmerung leicht unter Zeitdruck, liefen wir durch die Reihen um zu schauen ob noch jemand bei seinem Zelt ist oder ob alle schon auf dem Gelände rumdüsen. Dabei trafen wir Sebastian und seine Kumpels, die uns direkt zu sich ins Lager einluden um uns erstmal ihr selbstkühlendes Bierfass zu zeigen. Coole Erfindung und noch coolere Typen. Den Rest des Abends haben wir dann mit den Jungs verbracht. Arbeiten kann man ja auch noch morgen…

„Rain or Shine“ ist das Motto vom Wacken und es könnte nicht passender sein. Egal wo man sich auf dem Gelände befindet: Es ist matschig. Und hier rede ich nicht von „Oh Nein, meine Schuhe könnten dreckig werden“ sondern von Matsch der dir an manchen Stellen bis weit über die Knöchel geht. Ob die Gäste vom Wacken das wirklich geil finden oder ob sie ihr Schicksal über die Jahre einfach nur akzeptiert haben, habe ich nie rausgefunden. Fakt ist aber, dass ich nie jemanden gehört habe der sich darüber beschwert.

An manchen Wochenenden haben wir drei Festivals hintereinander besucht. Oft bleib da nicht viel Zeit um das Festival auch als Besucher zu genießen und in ein – zwei Fällen hätte ich mich am liebsten vor Ort an den nächsten Baum gekettet. Aufgrund der ausschließlich angenehmen Menschen und der schönen Location war das Appletree Garden genau so ein Fall.

Auf dem Fuchsbau wurde mir gesteckt, dass es im Morgengrauen noch ein kleines Konzert etwas abseits des Veranstaltungsgeländes geben soll. Die Beschreibung hörte sich ganz gut an, also blieb ich bis zum nächsten Morgen wach und ging zum Treffpunkt. Mit ca. 250 Leuten sind wir dann losmarschiert Richtung See, wo das Konzert stattfinden sollte. Da ich in der Menge weiter hinten lief, kann ich nicht genau sagen, wie es passiert ist, aber eine Frau lag mit ihrem Auto im Straßengraben. Die einen sagen, sie lag schon im Graben als wir ankamen, die anderen sagen sie ist vor Schreck in den Graben gefahren, weil sie Morgens um halb 6 nicht mit 250 Leuten auf einem Waldweg gerechnet hat. Fakt ist, dass die Meute ihr Auto wieder aus dem Graben gehoben hat und sie mit einer Laola-Welle verabschiedet wurde.

Mehr von Sascha gibt es hier:
http://saschakrautz.com/
und natürlich auf unserer Hömepage

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