Fotos: Sascha Krautz / Interviews: Johannes Jacobi / Redaktion: Corinna Haug

Wenn Haftbefehls Platten geklaut werden oder im Kassenhäuschen die Schlösser getauscht werden müssen. Auch im zweiten Teil haben uns die fleißigen Menschen hinter dem MS Dockville erzählt wie sie an ihre Jobs gekommen sind und was so auf der Tagesordnung steht.

Teresa / 26 / Berlin

Deine genaue Jobbezeichnung hier?
Head of Artistmanagement.

Warst du schon immer im Artistmanagement?
Ne, das hat sich bei mir so ergeben. Das Festival wurde ja auch immer größer und so kam das dann irgendwann. Angefangen hat es aber mit einem Praktikum. Damals wusste ich nicht mal, was es für Bereiche gibt. Ich hab mich einfach beworben. Eigentlich wollte ich ja immer soziale Arbeit machen, aber die Kultur hat mich auch immer interessiert. Zu der Zeit, als ich mich beworben habe, war das Dockville das einzige Festival, das bildende Kunst und Musik zusammenführt.

Ist das etwas, was du auch in Zukunft full-time machen willst?
Ich würde mich da gar nicht so festlegen. Ich würde das gerne noch mehr mit etwas Sozialem verbinden. Da kommen irgendwann doch die großen Marken ins Spiel und dann gefällt mir das nicht so gut.

Beschreib doch mal deinen typischen Festivaltag.
Nach sehr wenig Schlaf trinke ich erstmal einen Kaffee. Sobald die Funke an ist, bekomme ich die ganze Zeit Fragen gestellt. Dann muss ich aber auch für alles eine Lösung parat haben. Es sollte zumindest keine Frage geben, auf die es keine Antwort gibt.
Ich mache im Vorfeld die ganze Kommunikation mit den Bands und Agenturen. Wir haben um die 140 Acts. Ich bespreche alles mit denen. Wir haben dieses Jahr mit der Smirnoff-Bühne insgesamt 7 Bühnen und dann muss ich das weiterleiten an die zuständigen Personen.

Gab es gestern eine große Baustelle oder irgendetwas was außerplanmäßig lief?
Es war nicht klar, wie viele Nightliner-Plätze wir haben. Bei anderen Festivals hat jede Bühne einen Stagemanager. Hier habe ich aber das Monopol auf das Wissen, wenn es um die Künstler geht. Dementsprechend ergeben sich immer wieder verschiedene Dinge. Es ist dadurch super dynamisch und gleichzeitig haben wir dann immer wieder kreative Köpfe, die Bock haben, irgendetwas zu machen. Das Team muss das dann aber auch auffangen und umsetzen können. Das macht dieses Festival aber auch wieder besonders.

» Ich hab gerade für Bastille die Wäsche gewaschen. «

Was ist der größte Unterschied zu anderen Festivals, jetzt, wo du das vergleichen kannst?
Naja, es haben sich drei sehr unterschiedliche Personen dieses Festival überlegt und jeder hat eine ganz starke Gabe, die er mit eingebracht hat. Durch die Unterschiede ergänzen die sich super, aber manchmal ist es dann eben auch schwierig alle Bedürfnisse dieser drei Ideengeber zu befriedigen.

Was ist heute dein größtes Thema?
Ich hab gerade für Bastille die Wäsche gewaschen und muss jetzt überlegen, wo ich sie aufhänge, weil der Wäscheständer besetzt ist. Haha!
Es ist aber schön, dass das mein einziges Problem ist. Das bedeutet ja, dass die Vorbereitung sehr gut war. Jeder weiß, wo er parken kann; die Gästeliste ist auch klar. Ansonsten haben jetzt die Künstlerbetreuer übernommen, die sich um die Bands kümmern und ich bin nur noch für die Basisfragen zuständig.

Das Beste und das Schlimmste an deinem Job hier?
Ich habe seit fünf Jahren keinen richtigen Sommer mehr. Wobei man das so auch nicht sagen kann. Es ist eben nur kein klassischer Sommer mit Urlaub und den Kopf frei haben.
Das Schönste sind die ganzen Menschen und das geschlossene, utopische und soziale Miteinander.
Das habe ich zwar in anderen Projekten auch, aber hier eben ganz besonders, weil ich schon fünf Jahre dabei bin.
Ich freu mich dann immer, die Leute hier wiederzusehen, obwohl wir uns teilweise auch bei anderen Projekten sehen, weil alles so gut vernetzt ist.
Einmal hatten wir einen Notfall, da wurden Platten von Haftbefehl geklaut und ich wusste, dass wir da jemanden im Team haben, der auch diese Platten hat und den konnte ich dann fragen. Hier gibt jeder mehr als in einem normalen Job.
Der Caterer hat zum Beispiel Rampen, falls die Bands größere Produktionscases dabei haben, damit wir die hier ins Haus bekommen.

Gibt es einen Moment in deiner Karriere beim Dockville, der besonders heraussticht?
Der letzte Song der Veranstaltung und dabei auf der Bühne stehen und die Menschen angucken und wissen, dass alles funktioniert hat: Das ist für mich immer der Moment, wo ich mich entspannen kann.

Dockville für dich zusammengefasst in einem Satz?
Es hat mich sehr geprägt! Daraus ist ja viel entstanden für mich. Ich frage mich manchmal, wo ich wohl wäre, wenn ich damals nicht diesen einen Job hier gemacht hätte.

Charlotte / 28 / 3. Dockville

Deine offizielle Positionsbezeichnung ist Grafikerin?
Genau. Eigentlich Art Director, aber das ist so ein Agenturbegriff. Bei mir läuft aber trotzdem alles über den Tisch, was grafisch gestaltet ist. Von Bändchen über Facebookheader bis hin zu Flyern und Plakaten.
Außerdem haben wir es dieses Jahr geschafft für die Getränke- und Foodstände die Banner zu gestalten, was zu einem durchgängigen Design beiträgt. Das Hauptgestaltungsmotiv ist allerdings ein Bild von Jakobus Durstewitz, der seit Jahren unsere Motive malt.

Wie bist du zu deiner Position gekommen?
Nach dem Studium in Darmstadt kam ich, auf der Suche nach Job und Wohnung, nach Hamburg. Ich hatte mich auf verschiedene WG’s beworben und in der ersten, bei der ich mich dann vorgestellt habe, hat Sandra die Tür aufgemacht und meinte: „Bist du nicht die Grafikerin/Illustratorin? Suchst du noch einen Job?“ So habe ich direkt eine Wohnung und einen Job bekommen. Ich habe anfangs noch auf 450€ Basis gearbeitet, damals auch nur für die Grafik. Die anderen Veranstaltungen, die wir noch haben, sollten ein neues Image bekommen und da ich viel male und zeichne, habe ich mich dort auch um die Artworks gekümmert. So wurde daraus nach zwei Monaten eine Festanstellung auf drei Tage. So läuft es das ganze Jahr bis auf den Sommer – da bin ich dann die ganze Zeit dabei.

Gibt es während des Festivals noch Aufgaben für die Grafikerin?
Gestern gab es nochmal einen Notfall wegen den Bändersheets (welche Farben haben welche Zugangsberechtigung) Da hatten ein paar der Gäste beim Check-In Probleme. Und Merch Fotografieren stand gestern auch noch an.

» So habe ich direkt eine Wohnung und einen Job bekommen.«

Was war denn die wildeste Situation, die du in den letzten Jahren erlebt hast?
Da fällt mir gestern ein, als die Pakete falsch geliefert wurden und auf der Hauptbühne die Banner falsch gehängt wurden. Da hing das Linke rechts und das Rechte links. Plötzlich war ich es dann, die an drei Telefonen gleichzeitig hing, obwohl das sonst eigentlich nie eine Position ist, an der man an unterschiedlichen Telefonen hängt.

Welche Rolle spielt Dockville in deinem Leben?
Ein wunderschönes Festival mit einer geilen Kulisse, das ich vorher gar nicht kannte. Das ein Festival auch grafisch so hohe Ansprüche hat und auch Kunst, dass hatte ich auf anderen Musikfestivals nie gesehen. Generell die Gesamtwirkung der Gestaltung. Ich war früher halt mehr auf Punkfestivals, wo alles dreckig und dirty ablief.

» ... als auf der Hauptbühne die Banner falsch gehängt wurden. «

- Charlotte

Joachim / 63 / Hamburg / 2. Dockville

Deine genaue Positionsbezeichnung hier?
Hausmeister und Mädchen für alles.

Wie kam es dazu?
Durch Bekannte. Da gab es bei Facebook eine Ausschreibung und so bin ich dazu gekommen.

Beschreib uns doch mal deinen typischen Festivaltag: Was steht alles an?
Ich bin schon früh da und dann auch lange. Ich schweiße hier viel und bastle Halterungen, repariere Türen und fahre viele Leute umher. Oft fragen mich die Leute, wo dies und das zu finden ist. Vor allem beim Abbau bin ich dafür verantwortlich, dass alles zurück an seinen Platz kommt und nicht irgendwo liegen bleibt.

Was war denn gestern deine größte Baustelle?
Die Kassenhäuschen auf dem Gelände, da musste ich die Schlösser reparieren. Ansonsten musste ich laufend Sachen suchen, die Leute gebraucht haben.

» Ich fühl mich pudelwohl mit den jungen Leuten. «

Steht heute irgendetwas Großes an?
Vor allem Ordnung schaffen.

Das Dockville für dich in einem Satz?
Geil! Ich fühl mich pudelwohl mit den jungen Leuten.

Ist das ein Ganzjahresjob?
Ich bin hier fest eingestellt. Es gibt so viel zu tun, dass ich auch im Winter hier bin und gucke, ob alles in Ordnung ist.

Was hast du vorher gemacht?
Ich bin 17 Jahre zur See gefahren und war als Schweißer im Stahlbau tätig.

MS Dockville 2017: Festival für Musik und Kunst / Hamburg / 18.-20. August
Facebook: facebook.com/dockville
Website: msdockville.de

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