Fotos: Dominik Wagner & Sascha Krautz / Text: Johannes Jacobi

Schöne Location, kurze Wege, spannendes Line-Up, keine Überschneidungen, Pommes-Schranke und Joga im Schwimmbad. Ein Publikum aller Altersklassen, viele Blumenkränze und zu viel Glitzer. War’s das?

Es ist schwer, das Appletree Garden Festival auf ein paar Fakten herunterzubrechen. Mehr noch, es wäre unfair dem mit viel Feingefühl agierendem Festivalteam gegenüber. Ein bisschen dumm wäre es vielleicht auch, denn beim oberflächlichen Betrachten bleibt doch meist das gute Gefühl auf der Strecke. Das gute Gefühl, es hier mit einem der wenigen Festivals mit Alleinstellungsmerkmal zu tun zu haben. Ein Festival, das sich nicht scheut, sein Publikum zu fordern, an die Hand zu nehmen und vielleicht auch ein bisschen zu schubsen.

Es fängt mit dem Spaziergang über’s Gelände an. Zwischen all den Blumenkindern und glitzernden Gesichtern, stößt man auf einen Menschen-Mischmasch, der seinesgleichen sucht. Von ganz jung zu ganz alt, von kunterbunt zu nachtschwarz, von Familien zu EinzelgängerInnen und von wild Tanzenden zu Augenzu-GenießerInnen.
Kein Geschubse, kaum Gegröle, viel Respekt voreinander und für Musik. Ein angenehmes Umfeld und gefühlt irgendwie auch etwas erwachsen, aufmerksam.

Wo sind die ganzen Kostüme, die Schilder mit den „Die hinter mir sehen nix“ Sprüchen und wo geht’s hier eigentlich zum Discozelt?

Statt Discozelt gibt es Abwechslung. Direkt nacheinander spielen Oddisee, AnnenMayKantereit und David August – und das Publikum zieht mit. Nach dem Kopfnicken wird lautstark mitgesungen und dann wird ordentlich getanzt. Wenige Festivals trauen sich solch Genre-Sprünge, ohne zumindest zeitgleich auf anderen Bühnen noch Alternativen zu schaffen. Ja, der Abend spricht für die BookerInnen, die VeranstalterInnen und auch fürs Publikum.

Morgens geht es dann ins örtliche Freibad und auch da bietet sich ein sehr angenehmes Bild. Während es fürs Turmspringen Haltungsnoten gibt, räkeln sich andere auf der Wiese zum morgendlichen Gruppenjoga oder verzehren ihre alljährliche Freibad-Pommes-Schranke Portion. Irgendwie passiert das alles miteinander und so friedlich, dass man sich wünscht, dass ab sofort jeder Start in den Tag ähnlich verlaufen würde.

Leider gibt’s das Appletree aber nur einmal im Jahr. Daher sagen wir DANKE für ein wirklich schönes Wochenende. Wir werden davon erzählen und wir freuen uns bereits auf’s nächste Mal. Bis bald, du hübsch rausgeputzter Apfelbaumgarten, bitte bleib so wie du bist.

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