Portraits: Felix Strosetzki / Aufbau Fotos: Sascha Krautz & Felix Strosetzki / Interviews: Johannes Jacobi

In nur zwei Wochen steigt das diesjährige Feel Festival am Bergheider See. Im Moment herrscht auf dem durchaus beeindruckenden Festivalgelände reges Treiben und ein Teil des Teams wohnt bereits seit über einem Monat in Zelten und Campern direkt am See. Wir haben uns das Spektakel mal genauer angeschaut, den Aufbau fotografiert und ein paar der Menschen dahinter zur Rede gestellt. Hier nun der zweite Teil der Serie.

Tom / 26 / Berlin (seit einem Monat in Lichterfeld, bis Ende September)

Deine Position beim Feel?
Ich bin Verantwortlich für den finanziellen Teil, Infrastruktur, Logistik und Personal.

Abseits vom Festival?
Um ehrlich zu sein, habe ich kein normales Leben. Ich habe in Erfurt BWL studiert, dann Erasmus in Prag, drei Jahre da geblieben und dann direkt von da zum Feel.

Wie ist es dazu gekommen?
Ich war 5 Jahre freiwilliger Helfer beim Rocken am Brocken und dann drei Jahre in der Orga. Durch Alex hat es sich dann alles verstrickt und ich bin hier gelandet.

Was waren gestern drei große Themen auf deiner To-Do Liste?
Volunteer Planung, Volunteer Planung, und Volunteer Planung.
Ansonsten infrastrukturelle Sachen die bestätigt werden mussten und den Überblick über die Finanzen behalten.

Wie steht‘s heute?
Heute habe ich mich – wieder für die Volunteer Planung – mit dem Johannes getroffen und Abends geht es nach Berlin um mal drei Tage in Ruhe zu arbeiten.

Was wäre dein Horrorszenario fürs Festival?
Dauerregen, Feuer, Verletzungen jeglicher Art oder ich würde krank werden.

Was ist das Beste an deinem Job hier?
Typische Antwort: Zu sehen wie am Ende alle glücklich sind, eine geile Zeit haben und wie in einer Parallelwelt alles andere vergessen.

Das Schlimmste?
Wenig Schlaf, aber ist auch nicht so schlimm. So richtig schlimme Sachen gibt es eigentlich nicht, sonst würde ich es auch nicht machen.

Dein Lieblingsgetränk während du hier bist?
Kaffee und Wasser.

Stehen dieses Jahr noch andere Festivals für dich an?
Hurricane jetzt am Wochenende, Fusion eventuell und dann nach der Saison Reeperbahn Festival, Lollapallooza und arbeiten auf dem Rocken am Brocken.

Jonas / 25 / Berlin (aber aktuell hier im Bus und Wohnung untervermietet)

Tätigkeitsfeld auf dem Feel?
Ein Mix aus Booking, Sponsoring und allgemeiner Organisation in allen Bereichen.

Was hast du vorher im normalen Leben gemacht?
Vorher hatte ich eine eigene Unternehmensberatung, hab aber schon immer parallel Booking für befreundete Künstler und Bands gemacht und ehrenamtlich ein anderes Festival mit organisiert. Und jetzt halt hier fulltime.

Wie bist du dazu gekommen?
Vor zwei Jahren als Gast hier gewesen und letztes Jahr dann unterstützend als Produktionsassistent. Direkt danach hab ich dann von Martin und Felix das Angebot bekommen das Vollzeit zu machen und von Anfang an die Produktion mit vorzubereiten.

Was gab es die letzten Tage so für Baustellen bei dir?
Je näher wir dem Festival kommen, desto mehr Kollektive kommen an. Die müssen in Empfang genommen und rumgeführt werden. Auch wenn wir kaum Regeln haben, die Grundregeln müssen trotzdem erklärt werden… Jeder wäscht selbst ab, das ist der Koch, das sind die Zeiten und so weiter. Einfach dass man hier direkt in ein geregeltes Leben reinkommt. Ansonsten dann nebenher Band-Emails abarbeiten, Verträge checken, Backline bestellen und Sponsoring-Betreuung.

Was steht vor dem Festival noch als großes Thema an?
Der Strand! Wir haben ja als Kern des Festivals diesen gigantischen, wunderschönen Strand und den setzen wir dann jedes Jahr auch ordentlich in Szene. Das wird dieses Jahr ein riesen Bauprojekt und heute ist das Gerüst angekommen. Das muss koordiniert werden und vorhin haben wir erst entschieden dass wir noch mehr Helfer dafür brauchen, da dort 1.500 Quadratmeter Holz verplankt werden müssen.

Was gibt es für dich während des Festivals?
Da steht für mich Produktionsleitung an und da gibt es tausend Baustellen. Jeder will gleichzeitig Informationen haben und man rennt nur noch von A nach B und versucht den Rahmen zu setzen damit alle anderen ihren Job machen können.

Was ist das Schlimmste und das Beste an deinem Job hier?
Das Beste ist wo wir gerade Sitzen. Bäume und Vögel und man kommt relativ schnell runter und kann das gut genießen. Man lebt mit dem natürlichen Zyklus der Sonne, jeden Abend Lagerfeuer. Ein bisschen wie Ferienlager für Große.
Man kann aber nach so vielen Wochen hier auch eine Art Lagerkoller entwickeln. Man kennt das vielleicht vom WG-Leben, da stören manchmal auch schon kleine Sachen und man fängt an sich aneinander aufzureiben und hochzuschaukeln. Da kommt man aber auch wieder raus. Ansonsten ist auch schade, dass ich selbst auf zu wenigen Festivals bin. In den letzten Jahren war ich manchmal auf 15 Festivals, dieses Jahr hab ich noch nicht eins geschafft, auch weil ich krank war. Vielleicht wird ja Hurricane der Start jetzt am Wochenende. Das ist glaube ich auch wichtig. Zu sehen wie andere Leute ein Festival genießen ist mal wieder gut, denn wenn ich hier seit sechs Wochen in dieser Routine arbeite, geht irgendwann auch mal die Motivation flöten.

Was trinkst du hier am meisten?
Wasser, einfach weil es so heiß ist. Während der Produktion dann Red Bull zum Frühstück und Jägermeister-O dann zum einschlafen.

Katharin / 28 / Berlin

Wie bist du zum Feel gekommen?
Ich kenne Alex seit ich 16 bin und irgendwann haben wir uns über das Rocken am Brocken wiedergetroffen. Da habe ich als Freiwillige gearbeitet. Er hat dann von einem neuen Festival erzählt und dass sie ein bisschen Support gebrauchen könnten. Aus dem bisschen Support ist dann viel mehr geworden.

Was steht gerade an bei dir?
In den letzten Tagen habe ich mich sehr intensiv mit dem Programmheft beschäftigt. Da wir uns entschieden haben, kein Programm im Vorab mehr zu veröffentlichen, kommt dem Heft jetzt eine ganz andere Wertigkeit zu. Es wird fast wie ein Buch welches man dann am Eingang bekommt, zum Lesen und Orientieren. Ansonsten ist Künstlerbetreuung noch mein Gebiet….

Wenn man deine Position jetzt auf einen Begriff runterbrechen müsste dann wäre das Künstlerbetreuung?
Ja genau. Aber darüber hinaus mache ich in diesem Jahr auch noch eine eigene Bühne, welche ich gemeinsam mit Jascha und Franz konzeptioniert habe und die wir jetzt die Tage auch bauen werden.

Das wird dann wahrscheinlich auch deine größte Baustelle bis zum Festival?
Genau. Und halt nebenbei die ganze Vorbereitung für die Künstlerbetreuung. Shuttleplanung, Hotelplanung und dass alles irgendwie zusammenläuft am Ende. Da stell ich mir gerade ein Team von sechs Mädels zusammen und im besten Falle läuft dann während dem Festival alles und ich habe einfach nur den Überblick. Aber das ist natürlich Wunschdenken.

Sind noch andere Festivals geplant für dich dieses Jahr?
Normalerweise war ich immer sehr viel privat auf Festivals, aber dass ist die letzten Jahre zurückgegangen. Vielleicht schaffen wir es ja einen Tag auf die Fusion, die ist aber leider eine Woche vorm Feel. Im September gehe ich dann zurück nach Palästina, da machen Freunde von mir das Mukti Festival, wo ich dann privat bin. Von da kommen tatsächlich in diesem Jahr auch Leute zum Feel die dann auf meiner Bühne hier spielen.

Was ist das Schlimmste und das Beste an deinem Job hier?
Es ist so, dass sich mein Job ganz oft nicht anfühlt wie Arbeit, weil es eine ganz andere Realität ist, eine Art Parallelwelt. Das bedeutet aber gleichzeitig auch dass du permanent am Arbeiten bist. Diese Verwischung der Grenzen zwischen Privat und Arbeit ist zum einen total toll, zum anderen aber eben auch total die Belastung. Du bist permanent erreichbar, deine Freunde sind deine Kollegen und du kannst dich da nicht einfach mal rausnehmen.

Was denkst du ist der ausschlaggebende Grund dafür, dass du dich für diesen Weg entschieden hast?
Dass ich das mache was ich liebe. Musik, der sich ständig ausdehnende kreative Freiraum… das wäre woanders in dieser Form nicht möglich. Ich habe mich lange mit der Frage auseinander gesetzt, was ich nach meinem Master machen will und ob ich ans Theater soll oder so. Das hier passt aber einfach zu meinem Lebensstil, zu meiner Vorstellung von Leben und wie ich mich bewege und frei entscheiden kann. Ich möchte so sein wie ich bin, mit Leuten die ähnliche Vorstellungen haben.

Was trinkst du hier am häufigsten?
Kaffee!

Oliver / 26 / Berlin

Deine Position beim Feel?
Crewchef des Chapeau Claque Kollektivs / Zauberwald Floor.

Abseits vom Festival?
Ich schreib gerade meinen Bachelor in Gebäude- und Energietechnik in Berlin.

Wie bist du zum Feel gekommen?
Über Alex, der auch ein Freund ist. Er hat unser Kollektiv gefragt ob wir Bock haben was zu machen.

Was stand die letzten Tage so bei euch an?
Die Positionierung des DJ-Pults war großes Thema. Können es jetzt aber doch am geplanten Ort positionieren und müssen demnach nicht nochmal alles umwerfen.

Und in den kommenden Tagen?
Das DJ-Pult bauen wär wohl das größte Thema. Während dem Festival bin ich dann frei.

Das Beste und Schlimmste an deinem Job?
Das dauerhafte Zelten und demnach nicht gut oder lang schlafen, das strengt schon an. Das Beste ist, dass man in der Natur ist und es natürlich Spaß macht. Wir sind relativ frei, können uns entfalten und die Podeste ohne straighte Vorgaben gestalten.

Dein Lieblingsgetränk während du hier bist?
Bier!

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