Interview: Johannes Jacobi / Redaktion: Tina Huynh-Le
Fotos: Felix Strosetzki, Dominik Wagner, Sascha Krautz

Wir sitzen im Moderat / Modeselektor Backstage-Bereich auf dem Roskilde Festival 2017. In ein paar Stunden steigt hier auf einer der wichtigsten Bühnen der Festivalwelt die Moderat-Headline Show und direkt im Anschluss gibt es als Sahnehäubchen noch 1,5 Stunden Modeselektor obendrauf.

Die Stimmung von Crew und Band lässt sich als eine Mischung aus grober Anspannung und irrwitziger Vorfreude beschreiben. Gernot ist krank, wird aber sowohl von Sanitätern als auch vom ehemaligen Roskilde Chefbooker verarztet – und während es für ihn langsam bergauf geht, setzen wir uns zusammen für ein Gespräch über Kinderzimmer, Fleischteppiche und Arbeiten auf Augenhöhe.

Sascha, was wäre für dich das absolute Worst-Case-Szenario an so einem Festivaltag?
Sascha: Der Worst-Case für mich ist, wenn man sehr früh ankommt, -und das passiert leider häufig, wenn man mit Tourbussen unterwegs ist. Sowohl der Bus als auch der Backstagebereich liegen neben irgendeiner krassen Technobühne und du hörst die ganze Zeit Bassdrums. Du willst Körperpflege betreiben und die Duschen sind total abgefuckt. Solche Dinge ziehen das Stimmungslevel etwas runter. Und dann kommst du wie hier in den Backstage, siehst eine Blumenvase und kriegst auf einmal wieder echt gute Laune.

(Alle lachen)

Sascha: Am Ende macht man das alles für die eine oder anderthalb Stunden auf der Bühne und die sind meistens so erfüllend, dass man den Rest wieder vergisst.

» Je weiter du oben auf dem Plakat stehst, desto seltener tritt das Worst-Case-Szenario ein. «

Szary, von dir hätte ich jetzt gerne genau das Gegenteil, bei dem alle deine Wünsche in Erfüllung gehen.
Szary: Der Tag sollte zu einer relativ angemessenen Uhrzeit beginnen. Wenn wir beispielsweise fliegen, treffen wir uns auch mal um vier Uhr morgens. Das gehört eher zu Saschas Antwort, also das Worst-Case-Szenario. Jedenfalls – wenn man denn genug Schlaf hatte, dann gibt es noch ein total gutes Frühstück und nen geilen Backstage. Für die Raucher unter uns natürlich Kippen, schöne Getränke und eine ruhige Atmosphäre. Eigentlich ein Schlaraffenland. Dann gehst du zur Bühne und denkst dir: „Ja man, geil, geiles Monitoring, nichts rauscht auf unseren InEars…“.

Gibt es dieses perfekte Szenario überhaupt? Passiert euch das manchmal?
Gernot: Klar, das gibt es. Es gibt ja auch den perfekten Soundcheck.

Sascha: Der perfekte Soundcheck ist ja kein Soundcheck.

Szary: Wir hatten das neulich. Wir haben einen Soundcheck gemacht, der ok war, dafür war dann die Show scheiße.

Gernot: Ansonsten ist viel Platz wichtig. Mehrere Container, so wie hier. Man geht sich dadurch nicht auf den Sack und keiner kann von draußen reingucken.

Sascha: Die Wahrheit ist leider, dass es bei vielen Festivals eine Hierarchie gibt. Je weiter du oben auf dem Plakat stehst, desto seltener tritt das Worst-Case-Szenario ein. Mittlerweile haben wir das große Glück, dass uns das nicht mehr so oft passiert.

» Auf der Bühne geht es mir oft so, dass ich das innere Kinderzimmer öffne. «

Da können wir ja gleich mal in diese Richtung einlenken. Ihr macht das Primavera dicht und seid dort Closingact auf der Mainstage. Am Tag danach kommt im Velodrom die größte Headlinershow bis dato und am nächsten Tag wacht ihr zu Hause mit Familie und Hund auf. Wie hast du das wahrgenommen, Gernot?
Gernot: Das ist in der Regel schon schizophren. Du kannst das nur durchstehen und gut machen, wenn du es irgendwie schaffst, deine eigene Kapsel zu kreieren. Auf der Bühne geht es mir z.B. oft so, dass ich das innere Kinderzimmer öffne. Das ist das Zimmer, das ich als Kind bei meinen Eltern hatte. Da standen zwei Turntables, ein Mixer und unzählige gesammelte Flyer von den ganzen Parties. Ich habe mir vorgestellt, wie ich auflege und die Massen bewege. Dabei hatte ich nur vier Platten. Dieses Gefühl von damals habe ich jedenfalls heute noch auf der Bühne. Das kann ich an und aus machen und daher ist es gar nicht so schwer, zu Hause wieder in der Normalität zu leben. Es ist total wichtig, dass der ganze Rummel nicht mit nach Hause genommen wird, sonst wird man verrückt.

Ist es denn möglich nach so einem krassen Moment runterzufahren?
Gernot: Absolut. Im Kinderzimmer ist es egal wie groß oder klein eine Show ist. Auch wenn wir inzwischen eher darauf erpicht sind großen Produktionen zu spielen. Bessere Technik, es ist einfach fetter und man kann mehr machen.

» Keine Sau hat darüber nachgedacht, dass die Show am Vortag das größte Festival in Polen ist. «

Wie nehmt ihr diesen Wechsel auf?
Sascha: Gut, dass du die Frage gerade heute stellst. Ich hab heute morgen erst darüber nachgedacht. Gestern war es für mich z.B. eine sehr euphorische Show. Die haben wir erst sehr stiefmütterlich behandelt, weil heute Roskilde anstand, da reden alle drüber und oh Gott, oh Gott, das muss alles gut werden. Keine Sau hat irgendwie darüber nachgedacht, dass die Show am Vortag das größte Festival in Polen ist. Eigentlich genau so groß und wichtig.
Wir sind aus dem Hotel kurz in den Backstage, von da in den Van und dann direkt auf die Bühne und es war einfach sofort da. Ein krasser Moment. Eine super Show und man ist danach dementsprechend euphorisiert.
Irgendjemand hatte uns dazu mal folgende Story erzählt: Dave Gahan hätte angeblich einen Psychologen mit auf Tour, der ihm nach jeder Show sagen musste, dass er nicht Gott ist.
So weit ist es bei uns jedenfalls noch nicht. Wir gehen ins Bett, wachen am nächsten Morgen auf und es ist alles wieder so normal.

Das funktioniert, ja?
Gernot: Klar -Es ist ja manchmal auch so, dass wenn man nach Hause kommt, von der Familie gar keine Rücksicht genommen wird. Die interessiert am Ende ja auch nicht wirklich, wie super fame jetzt der Gig war. Ich war am Wochenende einfach nicht da und sie sind glücklich, wenn wir endlich wieder am Start sind. Dann kann meine Frau auch endlich mal wieder ihren Scheiß machen.

Szary: Meist gibt es nur eine kurze Frage: „Und, wie wars?“. Aber oft kommt selbst die schon gar nicht mehr.

» Mit einer anderen Crew wäre die Blase entsprechend kleiner. «

Inwiefern spielt eure Crew da auch eine Rolle? Mit komplett fremden Menschen wäre es vielleicht weniger einfach, sich gegenseitig wieder runterzuholen und generell zu arbeiten?
Gernot: Wir haben 100%iges Vertrauen in unsere Leute und das ist total wichtig. Manchmal frage ich mich, ob sich andere Bands gefallen lassen würden, wenn der Lichtmann irgendwelche Setlist-Vorschläge hat. Es ist im künstlerischen Sinne einfach ein Arbeiten auf Augenhöhe.

Sascha: Mit einer anderen Crew wäre die Blase entsprechend kleiner, glaube ich. Bei uns umfasst die Blase den ganzen Tourbus und mit anderen wäre es eben nur noch die Lounge, in der wir gerade sitzen. Würde schon funktionieren, aber anders. Nicht mehr so entspannt.

Szary: Moderat ist halt wie ein Getriebe. Es sind verschiedene Komponenten aus verschiedenen Bereichen und da greifen die Zähne gut ineinander.

Gernot: Es tut gut zu beobachten, wie die Crew Probleme behandelt, ohne uns zu involvieren. Das ist wirklich lustig. Es gibt ja immer kleine Krisen zu bewältigen und man merkt, wie diese mit Absicht von uns ferngehalten werden. Wir stehen dann manchmal da wie die Idioten. Ich meine, es sind ja unsere Freunde und wenn wir zu Hause Parties machen, dann kommen die ja auch vorbei, inzwischen sogar schon mit ihren Kids. Aber hier geht es eben um die professionelle Ebene und wenn intern Grabenkämpfe und Produktionsprobleme auftreten, wird uns das oft gar nicht gesagt, weil das alles nur verkomplizieren würde. Die wollen nur, dass wir gut gelaunt auf der Bühne stehen und das Ding fett abrocken. Und selber wollen sie natürlich auch eine gute Show abliefern.

» Fleischteppich! «

Fühlt es sich anders an, wenn da 10.000, 30.000 oder 50.000 stehen? Schnallt man den Unterschied?
Gernot: Nein. Aber wenn du so einen großen Floor hast wie gestern in Polen, dann kriegst du schon einen Schreck. Beim Hochgucken merkt man es dann doch manchmal. Ich fand es da echt Hardcore.

Szary: Wir waren gestern relativ weit hinten auf der Bühne. Wenn Sascha dann zur Bühnenkante gerannt ist, war er auf einmal fast winzig. Dann kam noch der breite Graben, dann die Barriere und dann die ganz kleinen Menschen dahinter.

Sascha: Das empfinde ich aber eher positiv. Dadurch wird das ganze ein bisschen abstrakt und man ist umso mehr in seiner Blase. Das Problem bei kleinen Shows ist meiner Meinung nach der Augenkontakt mit einem Individuum, wenn man vorne steht. Das kann einen echt aus dem Konzept bringen, weil man sich dann fragt, was diese Person wohl denkt. Dann vergisst du auf einmal den Text. Die Gefahr ist bedeutend geringer, wenn die Leute so weit weg sind und du sie nur als Masse von Menschen wahrnimmst. Deswegen ist es mir im Grunde lieber, eine große Show zu spielen.

Szary: Fleischteppich!

Ihr habt bis jetzt zweimal als Moderat und einmal als Modeselektor auf Roskilde gespielt. Was ist das Erste, das euch zu Roskilde einfällt?
Gernot: Ich hab irgendwie immer das Gefühl gehabt, dass jedes Jahr Pearl Jam auf dem Roskilde spielen. So ein Festival war das Roskilde immer für mich, bis wir dann das erste Mal hier gespielt haben. Unglaublich!

Das erste Mal war mit dem Gummiboot?
Gernot: Genau, wir haben auf dieser aufgepumpten Bühne gespielt. Da kamen wir an und kaum einer war da. Vielleicht 100 Leute und ich dachte nur: „Oh fuck, auch das noch“. Am Ende wurde das aber ein mega Ding, ganz voll und extrem. Seitdem bin ich total begeistert.

Sascha: Ich erinnere mich beim letzten Mal daran, dass unsere Crew nach der Show total auf die Pausenmusik abgeraved hat.

Szary: Zu Angola Disko oder so.

Sascha: Irgendwas Exotisches auf jeden Fall. Die haben dann alle im Kreis getanzt, direkt vor der Bühne und der Rest der Crew ist dann auch nochmal raus und hat gefeiert. Das ist, glaube ich, noch nie passiert.

» Es ist schon was Besonderes. Roskilde ist ja eine Hausnummer... «

Kam die Moderat / Modeselektor Doppelshow-Idee eigentlich von euch oder von Roskilde?
Gernot: Roskilde hat drauf bestanden! Also, es war eigentlich angedacht, dass wir dann auflegen, dann kam aber das Announcement und es stand nirgendwo DJ-Set dahinter. Da gab es wohl ein kleines Missverständnis und wir mussten dann noch mal alles umstricken.

Wusstet ihr vorher was für Kapazitäten diese Hauptbühne hier hat?
Gernot: Es ist schon was Besonderes. Roskilde ist ja eine Hausnummer und eben ein richtiges Festival, welches direkt mehrere Kriterien erfüllt. Es ist sehr groß, es ist schon sehr alt und es hat immer noch diesen Boutique-Charakter. Und es ist in Skandinavien, was eigentlich immer gut ist, weil die Leute hier mit schlechtem Wetter besser umgehen können, als irgendwo in Deutschland oder Frankreich.

» Wenn du die großen Slots hast, dann hast du die Probleme nicht mehr, die du als Band in den Anfangsjahren oft hast... «

Hattet ihr Shows dieser Art in euren Anfangstagen auf dem Plan?
Von Techno im dunklen Keller zu Festival, wo die Massen gar mitsingen.

Gernot: Wir haben uns mit Sascha zu einer Zeit getroffen als es gerade ein bisschen losging. Wir haben zwar noch viel in Clubs gespielt, aber auch schon unsere ersten Festivals. Da waren wir als Modeselektor in der Technoecke oder zumindest in der Ecke, wo es eben darum geht, krass abzugehen. Zur gleichen Zeit wurde Sascha immer bandmäßiger. Also genau das Gegenteil von uns.
Als wir dann mit Moderat anfingen, hatte Sascha es Anfangs ein bisschen schwerer, weil er eigentlich nicht so Lust auf Festivals hatte. Die hat sich dann aber nach und nach entwickelt. Wenn du die großen Slots hast, dann hast du die Probleme nicht mehr, die du als Band in den Anfangsjahren oft hast und die wir natürlich auch vor 15 Jahren hatten.

Sascha: Das stimmt. Aber eben auch weil Apparat ein musikalisches Ding war. Es gibt eben nicht so viele Festivals und Festivalbühnen, auf denen leise Musik gut funktioniert. Allein schon durch den Fakt, dass drumherum auch Bühnen sind, die deinen Sound verunreinigen. Das merkt man ja selbst jetzt noch bei Moderat. Unsere Sets sind sehr dynamisch und während der ruhigeren Parts hörst du, wenn das Setup nicht so gut ist, auf einmal die Bassdrum aus dem Zelt daneben. Das hat mir früher immer die Festivals verdorben.

Gernot: Und jetzt ist das nicht mehr so?

Sascha: Es ist nicht mehr so doll, weil die Anlagen fetter sind.
Aber zum Beispiel während der Moderat II Tour: Da haben wir auf irgend so einem Kack-Festival in Deutschland gespielt. Wir auf der Zeltbühne und Seeed auf der Hauptbühne. Da konntest du nichts mehr machen. Das Setting war einfach aussichtslos.

Das Zelt steht ja da auch fast direkt vor der Hauptbühne.
Sascha: Absolut! Der Sound wurde genau zu uns reingeblasen und du hattest dann die ganze Zeit diesen Seeed Bass in unserem Zelt. Nicht gerade förderlich.

Szary: Das lustige ist, dass wir auf demselben Festival mit Modeselektor mal unseren Backstage direkt neben Sigur Rós hatten und dann hören konnten, wie die sich über diese Techno-Band beschwert haben, die parallel zu ihnen gespielt hat. Deren ganzer Gig war für den Arsch und sie haben dann 20 Minuten vorher aufgehört zu spielen.

Gernot: Genau, wir haben denen quasi deren Gig versaut. Sigur Rós und Modeselektor nebeneinander zu packen ist aber auch ziemlich ungeschickt.

Das ist irre, ja.
Sascha: Ich bin sehr glücklich, dass wir dieses Jahr eher die kleineren Festivals in Deutschland spielen. Da hast du ein Publikum, das sich eher mit Musik beschäftigt und das ist in Deutschland eben das, was man machen sollte.

» Ich war ziemlich abgeturnt von ein paar Erfahrungen mit großen Festivals in Deutschland. «

Ist das eine bewusste Entscheidung von euch? Ihr könntet ja theoretisch nur noch auf große Festivals gehen und eure Gage ins Unendliche treiben. Aber dann doch lieber kleinere wie das Maifeld Derby?
Sascha: Die Entscheidung war absolut bewusst. Ich kann da nur für mich sprechen, aber ich war ziemlich abgeturnt von ein paar Erfahrungen mit großen Festivals in Deutschland. Deswegen sind es dann lieber die kleinen und da eben als Headliner.
Ein großes Festival ist ja nicht gleich ein großes Festival. Hier z.B. oder auf dem Glastonbury hast du ein wahnsinnig aufgeklärtes Publikum. Die kommen von überall her. Dann gibt es aber eben auch die Festivals, wo du die besoffenen 19-Jährigen bespielst, die die ganze Zeit nur abfeiern. Das ist nicht unbedingt unser Publikum.

War bei der Entscheidung Geld auch ein Thema? Größere Festivals bedeuten einfach mehr Gage…
Gernot: Wir gleichen das gut aus.

Sascha: Ja, da macht man eine Mischkalkulation.

Gernot: Wir haben schon damals als wir noch so viele Clubshows spielten eher kleinere Clubs bevorzugt. Wir wollten bewusst den kleineren cooleren Club nehmen, der sich das eigentlich nicht leisten kann statt jetzt komplett mit Dollarzeichen in den Augen zu entscheiden. Bei den größeren Sachen hier und da kommt dann eben trotzdem das benötigte Geld rein.
Wir geben ja inzwischen auch viel aus. Unsere Crew wird sehr gut bezahlt, dadurch herrscht aber auch gute Laune. Da können wir halt meckern, ohne dass das Argument kommt: „Wenn du cool willst, dann musst du auch ordentlich zahlen!“ Wir wollen fair sein.

» Ich könnte das jetzt einfach nicht. Ich könnte keine guten Songs schreiben. «

Nach Roskilde noch die Wuhlheide und dann ist erstmal Schluss.
Sascha: Also da kommt schon noch ein bisschen was dazwischen. Haha.

Szary: Wir haben schon einen Plan.

Gernot: Man muss einfach mal wieder sein eigenes Zeug machen. Das braucht die Band, um sich aufzuladen und einen anderen Impuls zu bekommen. Es würde nicht funktionieren jetzt einfach noch eine Moderat-Platte zu machen.

Da kommt man dann in diesen Kreislauf.
Gernot: Genau. Wir waren glücklicherweise bei Moderat bisher nie in der Situation, dass wirklich gar keiner Ideen hat.

Sascha: Ich könnte das jetzt einfach nicht. Ich könnte keine guten Songs schreiben.

» Es herrscht erstmal totale Narrenfreiheit. «

Hättest du denn jetzt Bock drauf, mit Apparat sofort durchzustarten?
Sascha: Nein, alles, was ich jetzt anfasse, ist erstmal experimentell. Ich kann keine Songstrukturen bauen. Hab vergessen, wie das geht..

Gibt es für euch jetzt gewissen Druck? Apparat und Modeselektor haben ja sicherlich durch die letzten Jahre auch einen großen Schub bekommen.
Sascha: Ehrlich gesagt nimmt es fast so ein bisschen den Druck raus. Man hat ja Moderat und kann mit dem eigenen Projekt ein bisschen mehr rumdaddeln.

Gernot: Wenn wir jetzt mit einer ganz strammen und stumpfen Technoplatte kommen würden, dann kann keiner was sagen. Wenn wir mit etwas ganz melodiösem auffahren, dann kann auch keiner was sagen. Es herrscht also erstmal totale Narrenfreiheit. Deswegen haben wir ursprünglich ja eigentlich auch Moderat gemacht.

Sascha: Wäre ja auch dumm zu sagen, dass die nächste Soloplatte fetter als Moderat werden muss. Es muss auch nicht immer nur nach vorne gehen.

Gernot: Wir legen den Riesen mal kurz schlafen. Wenn wir dann aber irgendwann wieder die Schnauze voll haben von DJ-Sets morgens um vier – in unserem Fall-, dann lassen wir ihn vielleicht wieder auferstehen.

Szary, der größte Unterschied für dich zwischen einer Modeselektor- und einer Moderatshow?
Szary: Die Uhrzeit!

Haha.

Szary: Naja, für Moderat wird beim Abendbrot lieber nicht zu viel gegessen, denn dann geht es schon auf die Bühne. Bei Modeselektor kann ich mich nochmal vorher hinlegen.

Optimalvorstellung von jetzt aus in fünf Jahren für Moderat, Modeselektor, Apparat und Monkeytown?
Gernot: Wir machen mit Modeselektor eine geile, darke Platte und gehen damit auf Tour. Vor allem mit lustigen Features. Sascha gewinnt einen Oscar für irgendwelche Filme und dann kommen wir zurück und machen alles platt.
Wir sind ja auch ziemliche Depeche Mode Fans und dieses Songwriting der mittleren 80er Jahre war schon sehr wichtig und inspirierend. Von daher glaube ich, dass man sich mit dem Thema Band noch mal ganz anders und neu befassen muss.
Ansonsten werden wir keinen Major-Deal unterschreiben, falls du das jetzt fragen wolltest.

Alter, ich muss total auf Klo!

Ok, wir sind auch durch.
Szary: Geil! Gutes Schlusswort!

Moderat bitte noch ein Mal Live:
02. September / Wuhlheide / Berlin
Tickets: moderat.fm/live

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