Fotos: André Symann, Kurt Rade, Marvin Böhm, Philipp Klose
Text: Johannes Jacobi Redaktion: Tina Huynh-Le

Wenn die Pressekonferenz dem Untergang der Titanic gleicht, wenn im Line-Up Efterklang auftauchen, obwohl es die doch gar nicht mehr gibt und wenn es statt einem Festivalgelände gleich ein ganzes Festivaldorf gibt – dann ist moers festival. Ein Festival so anders, so anti Einheitsbrei und so schwerfällig im bestmöglichen Sinne. Irgendwie Jazz, aber eben auch überhaupt nicht. Irgendwie doll und irgendwie inspirierend. Inspirierend, mal über den Tellerrand zu schauen, sich einzulassen und mit der Zeit zu gehen. Aber auch dagegen. Irgendwie.

Tim Isfort, der künstlerische Leiter dieser Spezialsause wohnt nach eigenen Angaben in der Festivalhalle und hat zwischen Eskapaden im Lehrschwimmbecken und Programmgestaltung noch Zeit für ein paar kurze Antworten gefunden.

Drei Songs, die bei dir aktuell rauf und runter laufen:
Samuel Barber – Adagio for Strings
Bill Evans Trio – We will meet again (for Harry)
Jung Hurn – Bianco

Drei Gründe, die dafür sprechen, beim moers festival zu arbeiten:
– kurzer Weg zur Arbeit
– meine Mutter bringt einmal die Woche einen Eintopf vorbei
– man kann viel mit dem Fahrrad erledigen

Drei Gründe, die dagegen sprechen:
– nicht genug Stress
– meine Mutter bringt jede Woche den gleichen Eintopf vorbei
– mir fällt kein dritter Grund ein

Drei Dinge, die euch als VeranstalterInnen bei eurer Arbeit wichtig sind:
– Wir stehen für turbokapitalistischen Freejazz.
– Unser Ziel ist die Weltherrschaft 2049.
– Wir wollen uns aber selbst treu bleiben.

Drei Dinge, die gestern auf deiner To-Do-List standen:
– endlich Moerser Bürger werden
– mit meiner Mutter den Eintopf besprechen
– dieses Interview beantworten

Drei Dinge, die heute auf deiner To-Do-List stehen:
– mit dem ganzen Team auf die Moerser Bürgerschaft anstoßen
– meine Mutter für den heutigen Eintopf loben
– mit Berlin, Pyongyang, Kinshasa und Ahmedabad wegen Visumsangelegenheiten plaudern

Drei Dinge, die du während des Festivals zu tun haben wirst:
– am flachen Niederrhein ein bisschen die Wogen glätten
– jede Menge sehr besondere Konzertmomente erleben
– schauen, dass es meinem Team gut geht

Drei Horrorszenarien, vor denen du auf dem moers festival Angst hast:
– JounalistInnen mit Mundgeruch
– KünstlerInnen, die mir aus dem Publikum Bewerbungen fürs nächste Jahr geben
– während leiser Konzertpassagen undistanziert vollgequatscht werden

Drei Dinge, die man auf dem moers festival, abgesehen von Konzerte schauen, tun sollte:
– den Klangpfad im Park entlangradeln
– den australischen Riesenmarionetten „Snuff Puppets“ in der Innenstadt begegnen
– Badengehen mit Unterwasserklanginstallation

Drei deiner schönsten Festivalbesuche aus den letzten Jahren:
Also Leute, ich bin jetzt 50 Jahre alt und kann nicht sagen, dass ich außer in Moers in den letzten drei oder dreißig Jahren irgendwo anders auf diesem Planeten schöne Festivals erlebt habe. Ok, da waren ein paar interessante Momente in Mandalay, Vilnius, Brazzaville, Minsk oder Bhuj… Aber Moers ist schon einfach irgendwie… also besser geht’s nicht.

Drei Acts, die du beim moers festival gern mal sehen würdest:
Generation Gleitsicht
Helmutorgel
– die meisten anderen sind leider alle schon tot

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Drei Festivalmomente, die du nie vergessen wirst:
– moers festival 1978: erster Blick über den Bretterzaun
– moers festival 1985: David Moss Dense Band
– moers festival 2017: zum Festivalabschluss das ganze Team auf der Bühne – Gänsehaut

Drei Festivals, die du in deinem Leben noch besuchen willst:
Platzhirschfestival Duisburg 2018
– erstes Jazzfestival Pyongyang 2026
– moers festival 2049

Drei Dinge, die es auf Festivals geben sollte, aber bisher nicht gibt:
– Djembeverbot
– geschmackvolle Lichttechnik
– Garderobendrohnen

Drei Dinge, die du als erstes umsetzen würdest, wenn du Chef vom Festival deiner Träume wärst und unbegrenzt Budget hättest:
– Ich würde Budgetgrenzen für Gagen, Technik und Werbung festlegen, mit dem Rest langweilige kommerzielle Massenfestivals unterwandern, häh häh häh (mit Hall)
– Eintopf von meiner Mutter für alle
– meine Träume derart manipulieren, dass ich glaube, ich wäre noch nicht Chef des Festivals meiner Träume

moers festival 2018
18. – 21. Mai / Moers

Tickets & Infos : moers-festival.de
Facebook: facebook.com/moersfestival

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