Fotos: Felix Strosetzki / Interviews: Johannes Jacobi

Ihr spielt den Weckruf durch die Kanne und serviert selbstgemachten Kuchen? Euer Sohn trinkt Korn und an gestern könnt ihr euch nicht erinnern? Nice to meet you Wacken!

Wir müssen reden! Wir wollen wissen wer ihr seid, was ihr getrunken habt, wie viele Kinder ihr betreut und wie eure Mütter heißen. Ihr macht das Festival laut, leise, sauber, dreckig oder entspannt, kurz: zum dem was es ist. Deswegen zeigen wir euch!

Jens / 61 / Breydin nähe Eberswalde

Wie oft schon auf dem Wacken?
Das ist mein drittes Mal. Wenn man einmal hier war, kommt man davon nicht mehr los.

Hörst du Metal?
Klar, ich höre zum Beispiel Deep Purple, die sind dieses Jahr in Berlin, da gehen wir hin. Wobei das hier natürlich noch die Steigerung davon ist. Aber ich bin eher wegen dem Festival hier und nicht wegen der Musik. Bin ja auch mit meinen beiden Jungs hier.

Wie alt sind die?
Der eine ist 30 und der andere 25. Für mich als Vater ist das natürlich richtig geil mit meinen Jungs aufs Wacken zu fahren.

Beschreib dich mal selbst in einem Satz.
Ich bin eigentlich schon zu alt für solche Festivals, aber ich liebe die Geselligkeit und einfach neue Menschen kennenzulernen.

Welche Geschichte sticht für dich in den letzten drei Jahren am meisten heraus?
Das darf ich gar nicht erzählen, aber es gab schon Tage, da bin ich nicht nach Hause gekommen oder mein Sohn ist nicht nach Hause gekommen. Wir hatten eine Ahnung wo er sein könnte und genau da haben wir ihn auch gefunden, mit einer Flasche Korn und einer Flasche Cola auf dem Tresen. Das war für mich schon so ein Highlight.

Erklär mal was du da hast.
Meine Kanne habe ich dabei, damit ich jeden Morgen ein bisschen Lärm machen kann. Weil alle Heavy-Metal-Fans schlafen ja irgendwann mal ein. (Er spielt ne Runde auf der Kanne und die Menge freut sich). Also wir wecken die Metalfans mit einem ganz einfachen Klang aus der Trompete.

Besuchst du noch andere Festivals?
Ne, für mich gibt es nur Wacken und Konzerte von Deep Purple.

Erina / 31 / Esslingen

Wie oft schon auf dem Wacken und warum kommst du immer wieder?
Das ist schon mein sechstes Mal. Und warum nicht?

Was bedeutet Wacken für dich?
Es ist einfach alles. Die Musik, die Leute einfach alles bis auf den Schlamm und Regen.

Was ist die lustigste Geschichte aus den letzten Jahren?
Ich weiß ja nicht mal mehr was ich gestern getan habe.

Beschreib dich selbst in einem Satz.
Coole Rumänin in Deutschland.

Was könnte man hier besser machen?
Irgendwie den Regen von hier fernhalten. Ansonsten ist alles gut für mich.

Lieblings-Festivalgetränk?
Met.

Was machst du im normalen Leben?
Ich arbeite in der Autoindustrie im Marketing.

Horst / 75 / Schenefeld

Wie oft schon beim Wacken?
Mittlerweile so sieben- bis achtmal.

Wie kam es dazu?
Ich wollte immer schon hierher. Also ich geh natürlich nicht auf den Platz rauf, aber man hat hier nur Spaß. Überall freundliche Gesichter.

Hast du selbst einen Bezug zu dieser Musik?
Nein nein, ich fahr auch nachher um 19 Uhr wieder nachhause.

Hast du eine lustige Geschichte für uns?
Ja, hier kamen mal drei an, die haben dann ihren Zopf gelöst und die Haare zu meiner Orgel geschleudert und plötzlich waren es 200 bis 250 Leute. Da kam kein Omnibus und kein Auto mehr durch.

Was für ein Instrument spielst du hier genau?
Das ist eine Drehorgel die ich seit über 30 Jahren spiele.

Würdest du selbst mal aufs Gelände wollen?
Nein, ich bin da schon gewesen, ich kenne das also. Ich könnte auch jetzt sicherlich darauf, will aber nicht mit meiner Drehorgel durch den Dreck gehen.

Was kostet so ein Gerät denn?
Ein gutes Auto kriegst du dafür schon.

Was machst du etwa an Umsatz hier?
Puh, dass ist für mich unwichtig. Deshalb mache ich das auch nicht. Vor drei bis vier Jahren hat mir mal ein Norweger einen Fuffi hier reingeworfen. Der durfte dann aber auch mal selbst drehen.

» Ich weiß ja nicht mal mehr was ich gestern getan habe. «

- Erina

Lars / ? / Mainz

Erstes mal Wacken?
Ja.

Wie kommt‘s, dass du so lange gewartet hast?
Mir hat immer die Zeit gefehlt, oder ich habe es verpasst mir eine Karte zu besorgen.

Wacken in einem Satz?
Fett. Gefällt mir richtig gut. Friedliche Stimmung, das ist genau das, was ich mir erhofft habe.

Auf welche Bands freust du dich am meisten?
Gestern Iron Maiden war natürlich cool. Whitesnake hatte ich zwar schon mal gesehen, aber auf die hab ich mich auch gefreut. Und sonst noch auf jede Menge kleinere Bands. Heute werd ich mich einfach mal überraschen lassen.

Lustigstes oder schlimmstes Erlebnis bis jetzt?
Die ganze Schlammschlacht hier, damit muss man einfach locker umgehen. Ich hoffe nur, dass wir hier morgen gut raus kommen.

Gibt es da eine lustigste Geschichte?
Bei Guns n‘ Roses in Würzburg lief gerade November Rain und am Himmel war das übelste Spektakel mit Blitzen und allem. Das war richtig geil.

Im normalen Leben machst du was?
Da bin ich Ingenieur.

Petra / 50 / Wacken

Seit wann wohnst du in Wacken?
Seit einem Jahr.

Gab’s schon nette Bekanntschaften oder ist schon irgendetwas lustiges vorgefallen?
Wir haben gestern Abend noch einen von den Artists kennengelernt, das war ganz nett. Der kam hier vorbei, hat was gegessen und auch noch eine Runde mit uns geschnackt.

Geht ihr selber auch aufs Festival und falls ja, was wollt ihr da sehen?
Iron Maiden ist ganz wichtig!

Gibt’s hier sowas wie den schlimmsten Festivalbesucher für dich?
Habe ich bis jetzt noch nicht erlebt. Ich komme ja selber aus der Gegend um Itzehoe und habe schon oft mit Festivalbesuchern zu tun gehabt weil ich im Krankenhaus gearbeitet habe. Aber ich habe noch keinen Wackenianer erlebt, der irgendwie rumgepöbelt hat. Die sind hier alle ganz lieb und zahm. Selbst für das kleinste Hallo wird sich hier bedankt

Lustigste Story über die Jahre?
Tausende Leute und viele Nationalitäten. Manchmal muss man dann gucken, dass man sich irgendwie mit Händen und Füßen verständigt.

Was bietet ihr so alles an?
Brötchen, Kaffee und selbstgebackenen Kuchen.

Gibt es unter den Bewohnern unterschiedliche Erwartungen an das Festival?
Da kann ich nicht so viel zu sagen, da ich erst seit einem Jahr hier wohne. Aber natürlich merkt man, dass die meisten sich drauf freuen, die Straßen putzen, sich selber rausputzen… Man kann ja auch einplanen, dass man vierzehn Tage, bzw. fast drei Wochen im Jahr hat, wo hier was los ist und dann ist das auch kein Problem.
Und wenn man es nicht so toll findet, dann fährt man halt in den Urlaub.

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