Fotos & Text: Nina Ivanov

Publikum, Veranstalter, Musiker und Fotografen: Sie alle erleben bestimmte Festivalmomente ganz unterschiedlich und jeder hat seine eigenen unvergesslichen Erinnerungen. In dieser Serie interessiert uns die Entstehung großartiger Festivalfotos und die Geschichten der Menschen am Auslöser.

Den Anfang macht die 22-Jährige Fotografin Nina Ivanov aus Hamburg. Ob Deichbrand Festival, Reeperbahn Festival, Isle of Summer oder das Ikarus Festival: Nina kommt rum und hat ein Auge für intensive Momente – denn sie ist selbst Teil davon.

Mein Ziel beim Fotografieren sind emotionale Abbilder meiner Realität, die nicht nur das Bild an sich zeigen, sondern auch ein Gefühl vermitteln. Das Gefühl, welches man zu der Zeit, an dem Ort, bei Entstehung des Bildes hatte.

Das wichtigste dabei ist der richtige Zeitpunkt. Erst bin ich Teil des Geschehens, gehe in die Menge, erlebe es. Dann distanziere ich mich von dem Trubel. Beobachte. Versuche Bilder einzufangen, die meinen Blick fesseln. Wild drauf losschießen, bringt da nicht viel; man weiß erst, dass man das Foto hat, wenn man die Gesamtsituation im Blick hat und sich für einen bestimmten Augenblick entscheidet.

Letztes Jahr war ich für das Deichbrand Festival unterwegs. Dabei habe ich das Glück, neben meiner Arbeit auch private Fotografien anfertigen zu können. Von Anfang an habe ich mir vorgenommen zum Auftritt von Paul Kalkbrenner zu gehen. Vor der Bühne heißt es dann, dass man nur 10 Minuten vorne in den Graben dürfe. Ich beobachte die vielen Blitzlichter der anderen Fotografen, die laute Menge, Paul alleine auf der großen Bühne, die krassen, wechselnden Lichter um ihn herum.

Ich eile hinter die Menge. Das muss ich von weiter weg betrachten. Es gibt eine Art Aussichtsplattform, von der sich ein beeindruckendes Bild bietet.

Bevor ich in den Graben gehe, rede ich kurz mit dem Manager und erkläre ihm wie ich arbeite und dass ich Paul gerne fotografieren würde. Ich rechne wirklich nicht damit, will es aber auch nicht unversucht lassen. Der Manager begleitet mich auf die Bühne. Es ist ein ziemlich heftiges Gefühl, plötzlich mittendrin zu sein, es nicht aus der Entfernung auf sich wirken zu lassen. Ich fange an aus jeder Ecke heraus zu fotografieren, versuche so gut es geht unsichtbar zu sein. So kommt es zum ehrlichsten Bild.

Ich trete zurück und schieße das letzte Foto.

Meine Hauptaufgabe auf dem Deichbrand Festival ist das Dokumentieren des Drumherum. Ich beginne also das Interessante im Uninteressanten zu suchen.

Den witzigsten Abend verbringe ich mit der Band Go Go Berlin. Ich hatte sie bereits auf dem Abifestival vor etlichen Jahren fotografiert. Ich begleite ihr Konzert, wobei diese kleine künstlerische Strecke entstanden ist. Die Tontechniker müssen mich für bescheuert halten als ich durch ein Tuch fotografiere. Zum Abschluss des Tages gingen wir trinken und feiern.

Die folgenden Bilder sind auf dem Ikarus Festival entstanden. Man sieht ein Mädchen vor einem großen Zelt bei Dämmerung. Sie posiert im Regen für einen anderen Fotografen. Im Zelt feiern gerade hunderte Menschen zu Sven Väth. Dank des Regens und Matsches hat man einen guten Blick auf das angestrahlte Zelt.

Der Reiz besteht darin, die ruhigen Momente in einer lauten Umgebung zu finden. Meistens sind es die Leute am Rand, die etwas abseits der Menge tanzen. Die Schwierigkeit beim beobachten ist, sich nicht mitreißen zu lassen. So gelingt es mir Augenblicke festzuhalten, die Losgelöstheit und Ektase ausdrücken.

Zum Schluss zeige ich euch meine liebste Fotografie. Für mich ein extremes Bild.
Obwohl es mitten in der feiernden Menge aufgenommen wurde, dominiert die Tänzerin im Vordergrund und strahlt diese starke Ruhe aus.

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