Interview: Sascha Krautz & Johannes Jacobi
Fotos: Robin Jonasch & Papa Shabani & Viva con Agua

Alle, die nicht immer schon ab Fesitvalbeginn einen zu viel im Tee haben, sollten die kleinen Grüppchen kennen. Mit einer Fahne bewaffnet und einem Lächeln im Gesicht ziehen sie mit blauen Mülltonnen über das gesamte Festivalgelände, um Pfandbecher zu sammeln. Wie die Idee entstanden ist, was mit den Bechern passiert und in welche Projekte Viva con Agua sonst noch involviert ist, hat uns Anna Kuhn erzählt.

Könnt ihr euch noch erinnern, wann und wie die Idee entstand, auf Festivals unterwegs zu sein?
Die Idee des Pfandbechersammelns entstand auf dem Lunatic Festival und wurde von unserem Marketingleiter Moritz Meier, damals Student der Leuphana Universität, entwickelt.

Wie lief es beim ersten Mal und was habt ihr daraus gelernt?
Natürlich ging es das erste Mal etwas chaotisch zu. Keiner wusste genau was auf uns zu kommen würde, daher ging es, sagen wir mal, etwas drunter und drüber. Gerade was das Thema Kommunikation und Organisation anging, was nicht heißt, dass der Spaß außen vor gelassen wurde. Darum geht es ja schließlich: Sich mit Spass sinnvoll engagieren! Vor allem die Freude über die ersten vollbeladenen Tonnen war groß, die Massen an Bechern. Das war auch neu für uns, da wir bis dato nur auf kleineren Konzerten aktiv waren.

» ... darum geht es ja schließlich: Sich mit Spass sinnvoll engagieren! «

Wir versuchen uns ständig weiter zu entwickeln, auch heute noch. Ausgelernt hat man nie, aber wir würden sagen, es geht um einiges strukturierter zu. Das ist natürlich auf die wachsende Erfahrung zurückzuführen. An dieser Stelle auch nochmal ein riesiges Dankeschön an alle Veranstalter, Künstler und wahnsinnige 15.000 ehrenamtliche VCA Supporter.

Die Tonnen mit Fahne hat inzwischen sicher jeder schon mal gesehen. Wie läuft es ab – ihr sammelt Becher, gebt die danach dann direkt beim Veranstalter ab und werdet ausgezahlt? Und der komplette Becher Pfand fließt dann in ein bestimmtes Projekt welches vorher festgelegt wird? Erzählt mal.
Genau, wir sammeln sowohl Becher als auch Geldspenden, bzw. erzielen noch zusätzliche Einnahmen durch den Merch. Häufig lassen sich die Cews vor Ort noch kreative Spielchen oder Aktionen einfallen, um die Stimmung aufzuheizen und die Leute zu motivieren, ihre Becher oder auch Geld zu spenden. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Dein Pfandbecher für sauberes Trinkwasser!

Foto: Papa Shabani

Wie viel kommt denn zum Beispiel auf einem großen Festival wie dem Deichbrand rum und wie viel auf den kleineren?
Das kann stark schwanken/variieren und ist abhängig von verschiedenen Faktoren, wie Art des Festivals oder auch den Bekanntheitsgrad von VcA auf den jeweiligen Musikevents. Toll ist es immer, wenn Bands während ihrem Auftritt nochmal von VcA erzählen, da wir Spenden sammeln und ganz wichtig, für WASH (Water, Sanitation, Hygiene) sensibilisieren wollen.

Was kann ich als Besucher, abgesehen vom Becher spenden noch tun?
Da gibt es vielerlei Möglichkeiten VcA zu supporten. Wir freuen uns natürlich über jede Unterstützung. Ob als aktives Mitglied in den jeweiligen Crews der Städte oder auch Input in Form von eigenen Ideen.

» Toll ist es immer, wenn Bands während ihrem Auftritt nochmal von VcA erzählen. «

Auch Schulen oder Unternehmen können aktiv mitwirken und durch den run4wash Spendenlauf einen Beitrag leisten  – getreu nach dem Motto: Wasser für Alle, Alle für Wasser. Natürlich gibt es die Option der Fördermitgliedschaft. Genauere Infos hierzu findet man auf www.vivaconagua.org
Kurzum: Einbringen und Mitmachen, mit kreativen Aktionen Spenden für WASH Projekte sammeln.

Ihr seid auch an Gästelisten aktiv oder? Wie läuft das da ab?
Alle eingeladenen Gäste werden wiederum eingeladen, für ihren kostenlosen Zugang Betrag X an VcA zu spenden. Alles kann Nichts muss. Nach dem Motto: Dein freier Zugang zu dem Festival vs. freier Zugang zu sauberem Trinkwasser. FKP Scorpio setzt das schon seit längerem um, aufgrund der 9-Jährigen Freundschaft mit Viva con Agua.

Foto: Viva con Agua

Ihr werdet immer wieder von Bands erwähnt. Klärt ihr das vorher ab, oder passiert das einfach so?
Viva con Agua wird von vielen nationalen und internationalen Künstlern unterstützt und so kommt es immer wieder zu Ansagen. Durch diese werden die Besucher natürlich noch einmal zusätzlich zum spenden animiert und erfahren auch gleichzeitig was VcA macht. Manchmal fragen wir nach einer Ansage, aber viele Bands machen es auch einfach von selbst, wenn sie unsere Fahnen im Publikum entdecken.

Welche Bands haben euch in der Vergangenheit bisher unterstützt?
An dieser Stelle danke an alle Künstler, Sportler, Veranstalter und Ehrenamtler! Denn ohne sie wäre VcA nicht das was es heute ist: Ein riesiges tolles Netzwerk, mit unglaublich viel Kreativität….
Lange und bekannte Unterstützer sind zum Beispiel:
Maeckes, Clueso, Max Herre, Bosse, Ok Kid , Gentlemen, Irie Revolté, Uvm.

» ... viele Bands machen auch einfach Ansagen, wenn sie unsere Fahnen im Publikum entdecken. «

Gibt es auch Bands die nicht mitmachen wollen und was sind deren Begründungen?
Ja auch das kommt natürlich vor. Ein Grund hierfür ist zum Beispiel, dass einige Bands schon andere soziale Organisationen unterstützen.

Foto: Papa Shabani

Auf welchen Festivals wird man euch 2017 antreffen?
Puuuuh auf einigen und es werden immer mehr, was uns sehr freut. Insgesamt sind wir auf über 150 Festivals, wie zB: Southside, Hurricane, Open Flair, Summerjam, Deichbrand, Wacken, Juicy Beats, Splash!, Melt!, Lunatic, Highfield uvm.

Ihr habt in der Vergangenheit ja auch Fahrradtouren zu den Festivals organisiert. Wie kamt ihr darauf und wird es so etwas auch in Zukunft wieder geben?
Wie immer eine Idee aus dem tollen VcA Kosmos – wie gesagt, bei einem so riesigen Netzwerk entstehen geniale Ideen!


Was ist bisher noch geplant für 2017?
Momentan sind wir fleißig dabei, das  für Ende Mai angesetzte Netzwerktreffen im Kliemannsland zu organisieren. Darauf könnt ihr euch definitiv freuen. Ansonsten warten noch weitere Aktionen, wie das VcA Floßrennen, das VcA Allstars Benefiz-Fußballspiel, die Millerntor Gallery uvm.

Foto: Viva con Agua

Hattet ihr auch schon Festivals in Projektgebieten?
Wir sehen Musik, Sport und Kunst als universelle Sprache! Daher haben wir auch schon in vielen Projektländern kulturellen Austausch gehabt. Beispielsweise in Äthiopien. Dort haben wir gemeinsam mit dem Goethe Institut und der Welthungerhilfe das WATER FESTIVAL auf die Beine gestellt. Mit lokalen und dt. Künstlern, die gemeinsam die Bühne gerockt haben.
2015 & 2016 haben wir das WE LOVE YOUGANDA Festival in Kampala, Uganda umgesetzt. Dort gibt es mittlerweile auch eine eigene lokale Crew. Richtig toll! Hier herrscht auch ein reger Austausch zwischen lokalen und deutschen Künstlern.
Musik, Sport und Kunst sind immer Hauptelemente unserer Arbeit, da es Menschen verbindet – egal woher sie stammen und welche Sprache sie sprechen.

Vielen Dank für eure Zeit. Möchtet ihr noch etwas loswerden?
DANKE an alle Location-Inhaber, Veranstalter, Künstler, Sportler, Spender, VcA Crews und alle die uns vertrauen und an unsere Vision „Alle für Wasser – Wasser für Alle“ glauben – Ihr seid GEIL! DANKE!!

Foto: Robin Jonasch

Viva con Agua
Facebook: www.facebook.com/vivaconagua
Website: www.vivaconagua.org

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